Der Bus und das Team: (v.l.) Claudia Karner-Hillebrand, Marion Kotowski und Ingeborg Weis.

Ein Team und sein Wünschewagen

Sie erfüllen Sterbenden den letzten Wunsch

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Fürstenfeldbruck – Sie erfüllen sterbenden Menschen ihren letzten Traum: Die Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) München. Nun kommt der so genannte Wünschewagen nach Bruck.

Joshua (Name geändert) ist zwei Jahre alt, als ihm das Team vom ASB-Wünschewagen seinen letzten Traum erfüllt: Noch einmal Blaulicht sehen. Der Bub ist schwer krank, er wird sterben. „Wir haben ihn in unserem Fahrzeug zur Feuerwache gebracht“, erzählt Projektleiterin Marion Kotowski. Leicht sei ihr die Fahrt nicht gefallen. „Vor allem für die Mutter war es sehr schwer. Es ist ein Teil vom Abschiednehmen“, sagt die Rettungssanitäterin.

Der Wünschewagen des ASB hat seit Juni elf todkranke Menschen ein letztes Mal an ihren persönlichen Sehnsuchtsort gebracht. Seit Sommer gibt es das durch Spenden finanzierte Angebot in der Landeshauptstadt, die Initiative startete im Sommer 2014 in Essen. „Für einen sterbenskranken Menschen und seine Angehörigen sind alltägliche Wünsche wie ein letzter Besuch im Biergarten oft alleine einfach nicht realisierbar“, sagt Kotowski. Im Wünschewagen werden die „Fahrgäste“ auf einer speziell gepolsterten Liege transportiert. An der Decke wachen hunderte Sterne (kleine LED-Lämpchen) über die Patienten. An der Seite können sie durch die getönten Panoramafenster nach draußen schauen, ohne gesehen zu werden.

Ein 14-Jähriger wünscht sich einen Urlaub an der Nordsee

Jeweils drei Rettungs- und Pflegekräfte begleiten den Kranken. Die weiteste Fahrt bisher ging an die Nordsee. Ein 14-jähriger Bub wünschte sich, dort mit seinen Eltern und seinen drei jüngeren Geschwistern Urlaub machen zu können. Er leidet an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS. „Natürlich ging uns das sehr nahe“, sagt Kotowski. „Immerhin baut man eine Bindung auf.“ Damit die Helfer mit den Eindrücken zurechtkommen, werden sie immer wieder geschult. Wenn eine Person nach einem Einsatz Redebedarf hat, findet ein Gespräch mit Experten statt.

Die 40 Teammitglieder sind ehrenamtlich tätig. Nur Kotowski ist auf 20 Stunden angestellt. „Aber wenn wir eine Fahrt unternehmen, machen wir das in unserer Freizeit.“ Angst davor, dass ein Patient im Wünschewagen verstirbt, habe sie nicht, sagt Kotowski. Man handle so, wie es in der Patientenverfügung vorgegeben ist. Das Papier muss bei der Fahrt im Original vorliegen. Auch eine Transportbescheinigung vom Arzt müssen die Angehörigen vorweisen.

Zur Hilfe rufen kann den Wünschewagen jeder, der einem todkranken Menschen seinen letzten Wunsch erfüllen will. Inge Weis (57) aus Fürstenfeldbruck will das Angebot nun in den Landkreis holen. Sie engagiert sich seit einigen Wochen ehrenamtlich beim ASB. „Es ist so ein wunderbares Angebot, das es verdient, auch außerhalb Münchens bekannt zu werden.“ Am Sonntag holt die Sanitäterin und Krankenschwester den Wünschewagen in der Landeshauptstadt ab und fährt damit nach Bruck. Dann können sich Interessierte bei Weis und ihrem Kollegen über das Fahrzeug informieren, das letzte Träume erfüllt.

Der Wünschewagen

Der Wünschewagen steht am Sonntag, 4. Dezember, 11 bis 14 Uhr, vor der Gnadenkirche, Martin-Luther-Straße 1. Interessierte können sich das Fahrzeug auch von Innen ansehen.

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