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Fürstenfeldbruck: Auch die letzten Gewerbeflächen sind weg

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Von: Stefan Reich

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Am Kugelfang gibt es einige unbebaute Parzellen. Sie sind bereits vergeben. Mehr hat die Industha nicht im Angebot.

Für ansiedlungswillige Unternehmen gibt es in Fürstenfeldbruck kaum noch Platz. Das dürfte sich so schnell nicht ändern, selbst wenn es politisch gewollt wäre. Das stadteigene Unternehmen zur Entwicklung von Gewerbeflächen kommt nicht mehr an neue Grundstücke.

Fürstenfeldbruck – Es wird noch dauern, bis am Kugelfang weitere Gewerbebauten in die Höhe wachsen. Formal besteht noch kein Baurecht. Doch verfügbar sind die Flächen westlich des bestehenden Gewerbegebietes im Brucker Norden schon heute nicht mehr. „Für alle acht Parzellen ist die Vergabe abgeschlossen“, sagt Industha-Geschäftsführer Peter Lackerschmid. Die 13 000 Quadratmeter waren die letzten Flächen, die er anbieten konnte.

Bis 2020 dürften alle neuen Betriebe, die Spannbreite reicht vom Schreiner bis zur Biotechnologie-Firma, am Kugelfang eingezogen sein. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen in der Stadt hat die Industha damit noch lange nicht befriedigt. Derzeit liegen Anfragen von 60 Interessenten bei der Industha vor, einem Unternehmen, das Stadt und Sparkasse Fürstenfeldbruck zur Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeflächen vor allem rund um die Hasenheide gemeinsam gegründet haben. „Eigentlich wöchentlich meldet sich jemand bei uns“, sagt Lackerschmid. 140 000 Quadratmeter könnte er wohl mehr oder weniger sofort losschlagen. Ein paar Flächen in der Nachbarschaft gäbe es noch, die die Industha möglicherweise entwickeln könnte. Doch über den Verkauf eines Ackers am nördlichen Rand des Stadtgebiets, direkt an der Südwest-Ecke des Fliegerhorstes, kann sich eine Erbengemeinschaft bisher nicht einigen. Auf einer anderen Fläche, ein Stück westlich der Halle eines Getränkegroßhändlers gelegen, sind Altlasten zu vermuten.

Zu befriedigen wäre die Nachfrage aber auch mit diesen Grundstücken nicht. Für die Stadt Fürstenfeldbruck ist das aus finanzieller Sicht eine ärgerliche Situation. Ansiedlungs- und erweiterungswillige Unternehmen, und damit potenzielle Gewerbesteuerzahler stehen offenbar Schlange. Und die Gewerbesteuereinnahmen nicht nur zu erhöhen, sondern sich bei dieser Einnahmequelle auch breiter aufzustellen, wäre im Interesse der Stadt. Nur zehn Unternehmen sorgen für über die Hälfte des Gewerbesteueraufkommens, das für 2018 auf gerade mal 16 Millionen Euro geschätzt wird.

Das vermutete Gewerbesteuerpotenzial war deshalb auch ein Kriterium bei der Vergabe der acht Parzellen am Kugelfang. Lackerschmid ist zwar zuversichtlich, dass die neuen Firmen, die hier einen Zuschlag erhielten, ordentlich zahlen. Ob das der Stadt aber große Sprünge ermöglicht, ist unklar. Und auf dem Fliegerhorst werden sich vor 2024 keine neuen Firmen ansiedeln können.

Eine Option wäre die Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbegebiete. Aber selbst wenn das politisch gewollt wäre, hätte man ein Problem, sagt Lackerschmid. Landwirte würden ihre Flächen derzeit nicht hergeben. „Ich bin viel mit Landwirten in Kontakt. Die geben Flächen nur im Tausch her oder wenn sie schnell andere Äcker erwerben können. Sonst fehlt ihnen der Umsatz, und die Steuer frisst den Verkaufserlös auf.“ Ohne Tauschflächen kann Lackerschmid also nichts machen. „Und die kriegt man höchstens, wenn ein Landwirt seinen Betrieb aufgibt.“

Erfreulich aus Sicht von Stadt und Sparkasse ist immerhin, dass sich das Geschäftsergebnis der Industha, nach einem steten Defizit durch Gehälter und Flächenkäufe in den letzten Jahren, 2019 wohl verbessern wird. Dann soll das Geld aus dem Verkauf der Flächen am Kugelfang fließen.

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