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Volles Haus beim Vizekanzler: Zahlreiche Gäste wollten die Rede von Bundesfinanminister Olaf Scholz in der Marthabräuhalle hören. Nur von der Stadt ließ sich kein Vertreter bei der Veranstaltung blicken.

Rathauschef sorgt für Affront

Vize-Kanzler Olaf Scholz kommt nach Fürstenfeldbruck - doch kein Vertreter der Stadt ist da 

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Olaf Scholz besuchte am Rande des Volksfests Fürstenfeldbruck, allerdings ist kein Vertreter der Stadt da. Die Begründung des Rathauschefs überrascht.

Fürstenfeldbruck – Wenn bedeutender Besuch kommt, ist normalerweise ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt angesetzt. Diesmal sagte Brucks OB Erich Raff seinen Besuch beim SPD-Frühschoppen am Rande des Volksfestes wegen anderer Verpflichtungen komplett ab. „Das ist ein Affront, den es aufzuarbeiten gilt“, schimpfte der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi.

Fürstenfeldbruck: Eine lapidare E-Mail reicht dem OB nicht als Einladung

Raff schiebt den Schwarzen Peter indessen an die Sozialdemokraten zurück. „Eigentlich ist es üblich, dass bei der Stadt ein offizielles Einladungsschreiben zu solchen Veranstaltungen eingeht.“ Dann wäre auch der Eintrag ins Goldene Buch organisiert worden. Ein solches Schreiben habe es aber nicht gegeben. Vielmehr habe der SPD-Ortsverein lediglich eine lapidar formulierte E-Mail gesandt. Für den OB war das zu wenig. Während der Rathauschef beim anschließenden Box-Nachmittag im Festzelt anwesend war, musste Vizekanzler Scholz seine Rede in der gut gefüllten Marthabräuhalle ohne einen offiziellen Stadtvertreter halten.

Bevor er an das Rednerpult trat, sorgten noch einige junge Männer für ein wenig Unruhe am Eingang. Die Gruppe erklärte, dass sie die Europahymne singen wolle. Weil die Männer aber alkoholisiert waren, wurde ihnen der Einlass verwehrt. Nach einer kurzen Diskussion zog die Gruppe friedlich davon.

Olaf Scholz: „Nur ein solidarisches Europa ist stark genug für die Zukunft“

Das alles hinderte den Bundesfinanzminister freilich nicht daran, die Werbetrommel für die anstehende Europawahl zu rühren. Weil Großmächte wie China weiter erstarken und Länder wie zum Beispiel Brasilien weiter aufholen werden, werde die relative Bedeutung Europas und Deutschlands sinken, sagte Scholz. Das sei nichts Schlimmes - sofern man sich rechtzeitig um ein weltweites Miteinander bemühe. „Das schafft Deutschland alleine aber nicht, und darum ist die Europawahl so wichtig“, so der Bundesfinanzminister.

Die Welt befinde sich im Wandel. Das sei auch der Grund für den derzeitigen Erfolg populistischer Parteien. „In den vergangenen 50 Jahren gab es einen riesigen Wandel, und die nächsten 50 Jahre werden noch mehr Änderungen mit sich bringen.“ Viele hätten Sorge, dass sie mit diesen Änderungen nicht umgehen können. Diese Menschen dürfe man nicht alleine lassen. „Es darf keinen ignoranten Staat und keine ignorante Gesellschaft geben“, sagte Scholz. Nur ein solidarisches Europa sei stark genug für die Zukunft

Olaf Scholz verspricht bürokratisch einfache Lösung für die Grundsteuer

Der Vizekanzler sprach auch typische sozialdemokratische Ziele wie den sozialen Wohnungsbau, ein halbwegs vertretbares Einkommen für jedermann und ein stabiles Rentenniveau an. Für die derzeit heiß diskutierte Novellierung der Grundsteuer versprach der Finanzminister eine bürokratisch einfache Lösung, die für die Grundbesitzer nicht teurer wird. Der Entwurf stehe. „Wir müssen noch an Stellschrauben drehen, aber das kriegen wir auch noch hin.“ Am Ende rief der Vizekanzler unter dem Applaus des Publikums dazu auf, positiv in die Zukunft zu schauen: „Den Pessimismus und die schlechte Laune überlassen wir der AfD.“

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Kommentar: Rathauschef sorgt für großen Affront

Was hat Erich Raff da geritten? Der Vize-Kanzler kommt nach Bruck und wird weder vom OB begrüßt noch darf er sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Ein Unding im Vergleich zum Aufwand bei anderen hochrangigen Gästen.

Der Besuch von Olaf Scholz sollte eine Ehre für die Stadt sein – auch wenn er der Oppositionspartei angehört. Raff hätte ja nicht selbst kommen müssen, er hätte auch einen seiner Vertreter bitten können, den Termin zu übernehmen. Die Ausrede, eine lapidare E-Mail sei zu wenig als Einladung, zählt nicht. Wer will, der kann das auch auf die Beine stellen.

Das Verhalten des Stadtoberhauptes ist ein Affront – nicht nur gegenüber den Sozialdemokraten. Sich dann auch noch beim Boxen im Festzelt sehen zu lassen – wo Scholz von seinem Parteikollegen, dem Festreferenten Markus Droth, im Namen der Stadt begrüßt wurde – und nur kurz Hallo zu sagen, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Ingrid Zeilinger

Die CSU zeichnet beim politischen Frühschoppen ihr Wunschbild von Europa.

Im Frühjahr 2020 sind die Bürger auch in der Region Fürstenfeldbruck dazu aufgerufen, den Landrat, die Rathauschefs sowie Kreis,- Stadt,- und Gemeinderäte zu wählen: Alle Informationen zu den Kommunalwahlen 2020.

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