Auszubildender steht in einem Materiallager
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Am Arbeitsplatz: Oliver Schmidt absolviert bei der Firma Stumbaum in Unterschweinbach ein duales Studium der Energie- und Gebäudetechnik. Im Materiallager muss er sich erst noch zurecht finden. 

Anzahl hält sich konstant

Azubis starten trotz Corona ins Berufsleben

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Handwerk, Handel, Dienstleistung: Für hunderte junge Menschen hat die Ausbildung begonnen. Trotz der Corona-Krise ist die Zahl der Azubis im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben.

  • Hunderte junge Menschen haben am 1. September ihre Ausbildung im Landkreis Fürstenfeldbruck begonnen.
  • Das Handwerk kann sogar einen Aufschwung verzeichnen - trotz Corona-Pandemie.
  • Zu den Top-Ausbildungsberufen gehören Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer sowie Kaufleute für Büromanagement.

Landkreis – Alesson Luft liebt seinen Beruf. Das sagt er mit solch einer Inbrunst und einem strahlenden Lächeln, dass man dem jungen Mann sofort glaubt. Der 24-jährige Brasilianer hat ein Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Pflege im Alten- und Pflegeheim Theresianum hinter sich. Die Arbeit gefällt ihm so gut, dass er sich für die neue generalistische Ausbildung zum Pflegefachmann entschieden hat, die gestern begonnen hat.

Der 24-Jährige ist einer von hunderten frisch gebackenen Azubis im Landkreis. Die IHK meldet 310 Berufsanfänger, die Handwerkskammer 258 Lehrlinge. Dazu kommen noch die Auszubildenden in den freien Berufen – etwa bei Anwälten, Steuerberatern oder Ärzten.

Vorstellungsgespräche liefen per Online-Meeting ab

Zulegen konnte vor allem das Handwerk. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es 30 Ausbildungsverhältnisse mehr. Und es könnten sogar noch mehr werden. Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer rechnet damit, dass viele Lehrverträge voraussichtlich erst nach dem offiziellen Beginn des Ausbildungsjahres abgeschlossen werden. „Dann bestehen auch noch gute Chancen auf eine Lehrstelle.“ Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und den Wegfall von Infoveranstaltungen zur Berufsorientierung hätten sich Betriebe und Bewerber in diesem Jahr äußerst flexibel gezeigt und etwa Vorstellungsgespräche per Online-Meeting geführt. Besonders beliebt sind laut Höfelsauer im Handwerk heuer Ausbildungen zum Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Alesson Luft, Auszubildender zum Pflegefachmann.

Anders als die Handwerker verzeichnet die IHK einen leichten Rückgang bei den neuen Azubis. „Die sinkende Zahl an Schulabgängern wie auch die Auswirkungen der Coronakrise, vor allem aber der Stillstand in den Unternehmen während des Lockdowns, sind im Ausbildungsbereich deutlich zu spüren“, erklärt Gerhard Kohlfürst, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck.

Zahlreiche Betriebe suchen weiterhin händeringend nach Azubis

Zahlreiche Betriebe suchten aber weiterhin händeringend nach Auszubildenden, weswegen noch bis Ende Oktober mit vielen Neuverträgen zu rechnen sei. Grundsätzlich sei der Start in eine Ausbildung in Abstimmung mit dem Betrieb das ganze Jahr über möglich. Zu den Top-Ausbildungsberufen im Landkreis gehören die Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer sowie Kaufleute für Büromanagement.

Alesson Luft hat seine ganz persönliche Top-Ausbildung bereits gefunden. „Ich habe durch meine Arbeit eine ganz neue Sicht auf das Leben bekommen“, sagt er. Auf den Beginn seiner Lehre hat er sich seit Monaten gefreut. „Das ist eine neue Herausforderung für mich.“

Spezialfall Stumbaum: Mehr Bewerber als Ausbildungsplätze

Zehn Azubis beginnen dieses Jahr bei der Schöngeisinger Gebäudetechnik-Firma Stumbaum ihre Ausbildung. Trotz Corona-Pandemie war es für die Firma nicht schwierig, die Plätze zu füllen. „Wir hatten mehr als 80 Bewerber“, sagt Andreas Pauli, Ausbildungsleiter in dem Betrieb.

Von den zehn neuen Azubis in der Firma beginnen zwei ihre Ausbildung zum Anlagenmechaniker in Unterschweinbach. Im Firmenstandort Schöngeising sind fünf neue Elektrotechniker und ein neuer technischer Systemplaner in Ausbildung, am Standort in München hingegen je ein neuer Elektrotechnik- und ein neuer Anlagenmechaniker-Azubi. Insgesamt beschäftigt die Firma damit jetzt 21 Azubis.

Die Ausbildung in der Firma wird durch die nötigen Corona-Schutzmaßnahmen kaum beeinträchtigt. Es werde bei den Baustellen der Firma auf Mund-Nase-Schutz geachtet, bei viele Tätigkeiten im Handwerk sei es aber gar kein Problem, den Mindestabstand einzuhalten, so Pauli. Der Unterricht an den Berufsschulen, der ebenfalls Teil der Ausbildung ist, kann nach aktuellem Stand wohl auch wieder wie gewohnt stattfinden.

Am ersten Arbeitstag erhielten die neuen Azubis zuerst ihre Arbeitsschuhe und Arbeitskleidung, dann wurde ihnen erklärt, wie sie ihre täglichen Ausbildungsberichte zu organisieren haben und welche Etikette auf einer Baustelle gilt.

sb/tog

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