Die B2 in Fürstenfeldbruck
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Die B2 in Fürstenfeldbruck

Planung in der Großen Kreisstadt

Wie steht es um das Verkehrskonzept der Stadt Fürstenfeldbruck?

  • vonStefan Reich
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Er soll Verkehrsprobleme lösen und eine sinnvolle Stadtentwicklung ermöglichen. Deshalb wird der vor sechs Jahren auf den Weg gebrachte Verkehrsentwicklungsplan für die Stadt Fürstenfeldbruck von Fachleuten herbeigesehnt. Er könnte wohl auch den Streit mit den Nachbarkommunen um den Fliegerhorst entspannen.

Fürstenfeldbruck – Der Verkehrsentwicklungplan (VEP) für die Stadt Fürstenfeldbruck ist ein Langzeitprojekt. Es geht um Autoverkehr, aber auch um Verbesserungen im Fuß- und Radverkehr sowie im ÖPNV. Entstehen soll ein Maßnahmenkatalog, der sich über Jahre abarbeiten lässt. Doch derzeit ist unklar, wann der Plan überhaupt vorliegt. Dabei hängen an ihm weitere wichtige Vorhaben der Stadt.

Der VEP-Prozess war 2015 beschlossen und 2017 begonnen worden. Zur Datenerhebung gehörten Verkehrszählungen und Bürgerbeteiligung mit Befragungen, Stadtrundgänge und Workshops. Man wollte wissen: Wo klemmt es konkret? Wie ließe sich etwas verbessern? Wie stellen sich die Brucker den Verkehr in der Stadt und ihre eigene Mobilität in der Zukunft vor?

Wichtige Grundlage für gesteuertes Wachstum

Im Sommer 2020 waren dann vom Stadtrat zehn Leitziele beschlossen worden, an denen sich der fertige Plan orientieren soll. Er wird derzeit mitsamt Maßnahmenvorschlägen erstellt und soll dann im Stadtrat beraten werden. Je schneller, umso besser, findet die Stadtverwaltung Denn der VEP – der wohl am Ende einschließlich großzügiger staatlicher Fördermittel knapp eine halbe Million Euro kosten dürfte – soll nicht nur zeigen, wie sich konkrete Verkehrsprobleme lösen lassen. Bestandsanalyse und Zukunftsszenarien sollen auch Grundlage sein für ein ganzheitliches Stadtentwicklungskonzept.

In vielen Bereichen wächst und verdichtet sich die Stadt immer noch eher zufällig. Ein ganzheitlicher Plan zur weiteren Entwicklung ist politisch dringend erwünscht, auch wenn die Parteien noch über geeignete Formen diskutieren. Ein solches Gesamtkonzept lässt sich kaum sinnvoll entwerfen, ohne den Verkehr zu betrachten.

Ein Verkehrsmodell, mit dem genau solche Simulationen bis ins Jahr 2035 möglich sein sollen, wird im Rahmen der VEP-Erstellung erarbeitet. Aus aktuellen Verkehrsdaten soll sich errechnen lassen, wie sich neue Wohnungen in einem bestimmten Gebiet oder auch gänzlich neue Trassen in und um Bruck herum auf den Verkehr auswirken. Dazu, wie weit man mit der Erstellung dieses Modells ist, war aber lange nichts mehr zu hören.

Verkehrszahlen sollten längst vorliegen

Die mit dem VEP beauftragten Büros hatten 2017 und 2018 Verkehrszählungen und Autofahrer-Befragungen im Brucker Stadtgebiet und an den Stadtgrenzen durchgeführt. Angekündigt war die Präsentation des fertigen Verkehrsmodells schon für Anfang 2019. Dann musste aber eine der Autofahrerbefragungen nachgeholt werden, die 2018 ausgefallen war. Das Verkehrsmodell solle im Herbst 2019 präsentiert werden, hieß es. Aber tatsächlich ist bis heute nicht bekannt, was die Verkehrszählungen ergeben haben und welche Szenarien mit diesen Daten durchgespielt werden sollen.

Dass Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) die Daten der Verkehrszählung unter Verschluss hält, bis das fertige Verkehrsmodell vorgestellt wird, hatte schon vor zwei Jahren zu Kritik im Stadtrat geführt. Dabei könnte das Modell möglicherweise akut zur Entspannung beitragen in einer Frage, die zuletzt für Streit gesorgt hatte: die Bebauung des Fliegerhorstes nach dem für 2026 geplanten Abzug der Bundeswehr.

Theoretisch Entwicklungsszenarien mit 5000 Arbeitsplätzen und Wohnungen für 6000 Menschen hatten in Maisach, Olching und Emmering für einen Aufschrei gesorgt. Man befürchtete eine unzumutbare zusätzliche Verkehrsbelastung. In Bruck betont man zwar einhellig, dass eine so umfangreiche Bebauung gar niemand wolle. Das sei lediglich das maximal Mögliche. Dennoch wollen die Nachbarn nun selbst ein Verkehrsgutachten in Auftrag geben, um zu prüfen, was der Fliegerhorst für ihre örtlichen Straßen bedeuten könnte.

Rathaus widerspricht Kritik an den Planern

Das müsse man unbedingt vermeiden, hatte die Brucker CSU zuletzt mehrfach geäußert. Den Sorgen der Nachbarn müsse man Rechnung tragen. Bruck müsse deshalb diese Zahlen liefern. Die CSU griff in diesem Zusammenhang auch die mit dem Verkehrsentwicklungsplan beauftragten Büros öffentlich an. Diese hätten dazu den Auftrag gehabt und ihn bisher schlicht nicht erledigt.

Den Vorwurf weist die Stadtverwaltung auf Nachfrage auch im Namen der Büros zurück. Man bedauere die Missstimmung, die aufgekommen sei. Man gehe aber davon aus, dass im Rahmen des Prozesses zum VEP auch viele Fragen der Nachbarkommunen geklärt werden können. Tatsächliche Verkehrszählungen vor Ort, etwa in Maisach, Olching oder Emmering seien nicht Teil des Auftrags an die Büros gewesen. Zum Verständnis möglicher Auswirkungen einer Fliegerhorst-Bebauung könnte das Verkehrsmodell aber auch ohne neuer Zählungen beitragen.

Zeichen der Annäherung

Verkehrsprobleme gemeinsam mit den Nachbar-Kommunen zu lösen, ist eines der zehn vom Stadtrat abgesegneten Leitziele des VEP. Man begrüße, heißt es zudem von der Brucker Stadtverwaltung, dass die Zeichen nach den jüngsten Irritationen inzwischen wieder auf Annäherung stünden. Kürzlich hatte Olchings Bürgermeister Andreas Magg (SPD) neue Gespräche zwischen den Kommunen angekündigt.

Für die Anrainer-Kommunen und ihre Planungen ist es eine entscheidende Frage, wie viele Menschen künftig auf Fursty wohnen und arbeiten – und wie sie dorthin kommen. Wird es eine Ostanbindung geben oder wird der gesamte Verkehr über Fürstenfeldbruck abgewickelt? Antworten soll möglichst bald ein städtebaulicher Wettbewerb für das Areal liefern. Auch dafür wäre ein vorliegendes Verkehrsmodell wohl hilfreich.

Laut Stadtverwaltung könnten auch vorhandene Daten aus den Nachbarkommunen noch in das Verkehrsmodell eingespeist werden. Teilweise sei das auch geschehen. Würde der Stadtrat jetzt aber entscheiden, dass man entweder selbst weitere Verkehrszählungen vornehmen lässt oder auf neue Erhebungen der Nachbarn wartet, würde das die Fertigstellung des VEP – und somit wohl auch weitere Projekte – noch einmal verzögern.

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