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Prunktvoll: der Churfürstensaal

Serie zu Straßennahmen

Balduin Helm – Vater des Churfürstensaals

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Das Kloster Fürstenfeld existierte nicht immer in seiner prächtigen barocken Form. Erst an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert wurde es neu gebaut. Untrennbar damit verbunden ist der Name des damaligen Abts Balduin Helm.

FürstenfeldbruckWer heute im barocken Churfürstensaal des Klosters steht, atmet quasi den Geist des Abts Balduin Helm. Unter seiner Ägide von 1690 bis 1705 entstand unter anderem der prächtige Raum mit seinen Stuckverzierungen. Daran erinnert auch das Wappen des Abts, das dort schräg oberhalb des Gemäldes von Henriette Adeleide, der Gattin des Kurfürsten Ferdinand Maria, prangt.

Doch nicht nur der prunkvolle Saal, sondern das gesamte Kloster in seiner heutigen Form geht auf die Zeit des Abts Balduin zurück. Den Anstoß zum Neubau gab aber nicht etwa Balduin Helm. Vielmehr war es Kurfürst Max II. Emanuel, der Fürstenfeld zur Repräsentationskulisse der Wittelsbacher machen wollte. Seinem Einfluss ist der Neubau nach Plänen des Münchner Hofarchitekten Giovanni Antonio Viscardi zu verdanken.

Die Bestrebungen nahmen bereits unter Abt Balduins Vorgänger Martin Dallmayr ihren Anfang. Zwischen dem Kurfürsten und dem damaligen Klostervorsteher entstand nach den Wirren des 30-jährigen Kriegs ein intensiver Kontakt. Der Krieg hatte seine Spuren auch im Kloster hinterlassen. Finanziell stand es vor dem Ruin, die Bauten waren zum Teil zerstört. Erst der Wiederaufbau und die Konsolidierung durch Dallmayr ermöglichte es, dass Abt Balduin Helm das barocke Meisterwerk auf dem Feld der Fürsten umsetzen konnte. Dallmayr hinterließ seinem Nachfolger ein Barvermögen in Höhe von 150 000 Euro.

Bereits 1691, also ein Jahr nach seiner Wahl am 6. Juni 1690, konnte Helm mit den Bauarbeiten beginnen. Der Spatenstich erfolgte südwestlich der Kirche mit neuen Wirtschaftstrakten. Es folgten neue Gebäude für den Konvent und den Abt sowie die Klosterkirche, für die Abt Balduin 1700 selbst den Grundstein legte.

Doch wer war der Abt, der sich mit dem Klosterneubau ein Denkmal setzte? Balduin Helm wurde am 15. Mai 1645 mit dem Taufnamen Christian Ferdinand als Sohn des Hofmusikers Elias Helm geboren. Der Schüler der Oberklasse am Münchner Wilhelmsgymnasium erwarb später an der Universität Ingolstadt den Doktortitel der Theologie. In den Jahren 1673/74 und von 1687 bis 1690 war er Pfarrvikar in Fürstenfeldbruck und setzte sich dort für den Bau der Magdalenenkirche ein.

Einen Namen machte sich Balduin Helm als geistlicher Schriftsteller, Professor im Kloster, Herausgeber von fünf Bänden mit seinen Predigten – und als umsichtiger Wirtschafter im Kloster. Wie Klaus Wollenberg im Buch „Kloster Fürstenfeld“ von Herausgeber Werner Schiedermair schreibt, erzielte Fürstenfeld zum Ende der Amtszeit Helms fast ein Viertel der Einnahmen aus verliehenem Geld. Unter anderem verlieh er 100 000 Gulden an Max Emanuel für die Kriegskasse des Kurfürsten für den spanischen Erbfolgekrieg, die er beim Klosterbau zurückforderte.

Helm erreichte außerdem, dass Architekt Viscardi das finanzielle Risiko für den Mammutakt quasi alleine tragen musste. „Diese besondere Regelung wird als Ergebnis der geschickten Vertragsverhandlungen von Abt Balduin Helm gewertet“, schreiben Angelika Mundorff und Eva von Seckendorff in „Kloster Fürstenfeld“. Umso erstaunlicher erscheint es, dass Helm sich gegen Ende seiner Amtszeit Vorwürfen von Misswirtschaft und Prunksucht stellen musste. Diese wurden zwar noch zu Amtszeiten entkräftet. Dennoch war der Abgang des Abts ein unrühmlicher.

Am 29. Mai 1705 wurde Balduin Helm von einer innerklösterlichen Opposition zum Rücktritt gezwungen. Auch der nach dem spanischen Erbfolgekrieg im Exil weilende Kurfürst Max Emanuel konnte seine schützende Hand nicht mehr über den Abt halten. Den Grund für die Demission benennt Wolfgang Lehner im Buch „Kloster Fürstenfeld“ wie folgt: „Der für manchen Geschmack zu freie Umgang mit Frauen sollte ihm schließlich zum Verhängnis werden.“

Balduin Helm ist damit der einzige Fürstenfelder Abt im 18. Jahrhundert, der sein Amt durch Resignation frei machte. Den Rest seines Lebens verbrachte er mit seiner literarischen Tätigkeit, ehe er am 8. Mai 1720 im Alter von 74 Jahren starb.

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden diese Persönlichkeiten vorgestellt.

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