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Technisch raffiniert: Bande plündert Spielautomaten

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Von: Nina Gut

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Mann an Spielautomat
Symbolbild © picture-alliance/ dpa

Noch immer gelten Covid-Vorschriften am Gericht. Zwar keine Maskenpflicht mehr, aber zahlreiche gläserne Trennscheiben separieren die Angeklagten und ihre Anwälte voneinander.

Fürstenfeldbruck – Der Saal ist somit dicht bestückt, als sich eine Bande von fünf türkischen Männern vor dem Landgericht München II verantworten muss. Sie sollen in Spielhallen und Gaststätten im Raum Fürstenfeldbruck Geldspiel-Automaten technisch manipuliert haben. Die Beute war beträchtlich: Mehr als eine halbe Million Euro steckten sich die Männer in die Taschen.

Geführt ist der Fall als Computerbetrug. Bei den Angeklagten handelt es sich um einen Lagerarbeiter (47) aus Fürstenfeldbruck, einen 55-Jährigen aus Obernburg am Main, einen 50-Jährigen ohne festen Wohnsitz, einen 30-Jährigen sowie einen 28-Jährigen aus Dortmund.

Technisch raffiniert

Laut Staatsanwaltschaft taten sich die ersten drei Angeklagten spätestens ab dem 25. Mai 2019 bis zu ihrer Festnahme in der Nacht vom 17. auf den 18. September 2020 zusammen, um Spielautomaten zu knacken. Dabei gingen sie technisch raffiniert vor. Durch eine Kombination von unbefugten mechanischen und elektronischen beziehungsweise magnetischen Einwirkungen und von unbefugter Verwendung von individuellen PIN-Nummern der Automatenaufsteller veranlassten sie die Steuerungssoftware der Automaten dazu, ihnen Bargeld auszuzahlen. Ganz unabhängig von einem Spiel.

In einer Spielhalle

Angefangen hatte es damit, dass der 55-Jährige und der 50-Jährige den 47-jährigen Brucker in einer Spielhalle ansprachen, weil dieser Stammgast in der Spielszene war. Zuerst sprachen sie ihn unter dem Vorwand eines Kaufinteresses für gebrauchte Autos an. Dann kamen sie bald auf seine Kenntnisse der Automaten-PIN-Codes zu sprechen. Der Brucker stieg mit ein und übernahm in der Folge die Aufgabe, Kontakte zu den ihm bereits bekannten Aufsichtspersonen zu knüpfen – und deren Bereitschaft auszuloten, gegen Bezahlung ihn und seine Begleiter nicht näher zu kontrollieren, mehrfach Bargeld in den Automaten nachzufüllen und die Dienstpläne zur Verfügung zu stellen. Gegen einige Mitarbeiter wird gesondert ermittelt.

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Spätestens am 4. August 2020 schlossen sich auch die zwei Dortmunder an, wobei der 28-Jährige der Sohn des 50-Jährigen ist.

Eigene Werkzeuge

Der Staatsanwalt verliest in der Folge detailliert das genaue technische Prozedere der Bande. Gemäß der gemeinsamen Arbeitsteilung setzten der Obernburger und die beiden Dortmunder, die für die Manipulation der Geräte zuständig und entsprechend technisch versiert waren, unterschiedliche, zum Teil selbst erstellte und angepasste Werkzeuge wie Bohrer, Keile, Schraubenzieher, Drähte und Magnete ein. Solange bis sie von einem Betreiber entdeckt und am 21. Juli 2020 angezeigt wurden.

Jede Menge Straftaten

Im Einzelnen listet die Staatsanwaltschaft eine Menge an Straftaten auf: In einem Spielcasino in Bruck schlug die Bande 189 Mal zu und erbeutete rund 280 000 Euro. In einer weiteren Spielhalle gab es 139 Fälle mit einem Schaden von rund 230 000 Euro. In einer Münchner Spielothek erbeuteten die Männer 5770 Euro, in einer weiteren scheiterten sie. In einem Etablissement in Olching schlugen sie 14 Mal zu und nahmen fast 28 000 Euro mit. In Schweitenkirchen waren es 364 Euro.

In Vorgesprächen haben sich die Prozessbeteiligten bereits über mögliche Strafen im Falle eines Geständnisses unterhalten. So könnte sich das Gericht jeweils vier Jahre Haft für den 50- und den 55-Jährigen vorstellen sowie zwei Jahre auf Bewährung für den 30-Jährigen.

Für die beiden anderen Angeklagten wurde noch nichts besprochen. Der Prozess ist für weitere sieben Tage anberaumt.

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