Erinnerung an den Ehrenbürger: die Jakob-Groß-Straße in Fürstenfeldbruck.
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Erinnerung an den Ehrenbürger: die Jakob-Groß-Straße in Fürstenfeldbruck.

Fürstenfeldbruck

Heimatgeschichte als Herzensangelegenheit

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Er ist Fürstenfeldbrucks erster Chronist: Der Hauptzollamtsverwalter Jakob Groß aus Emmering hat die Geschichte seiner Heimat in mühevoller Arbeit zusammengetragen und niedergeschrieben. Dafür wurde er Ehrenbürger – und auch Namenspatron für eine Straße.

Fürstenfeldbruck– Jakob Groß kannte Fürstenfeldbruck von klein auf. Er erblickte im benachbarten Emmering als Sohn von Mathias und Kreszentia Groß das Licht der Welt, am 17. Januar 1827. Schon in der Volksschule fiel seinen Lehrern seine geistige Regsamkeit auf, heißt es. Jakob Groß ging in München aufs Gymnasium und studierte Rechtswissenschaft. Im Staatsdienst arbeitete er als Hauptzollamtsverwalter.

Jakob Groß schrieb eine Chronik über Fürstenfeldbruck

Die Geschichte interessierte Jakob Groß schon in jungen Jahren. Frühgeschichte, Genealogie und Wappenkunde waren seine Steckenpferde – eine Leidenschaft, der er bis zu seinem Lebensende nachging. Es war sein Jugendwunsch, die Geschichte seiner Heimat niederzuschreiben. So tauschte er sich während seiner Abwesenheit per Brief mit seinem Freund, dem berühmten Erzgießer Ferdinand von Miller, aus. Von der Idee der Ortschronik sei er begeistert gewesen, heißt es in einem Zeitungsartikel über die Jakob-Groß-Straße. Über 20 Jahre lang trug er in mühevoller Arbeit alles zusammen, was berichtenswert war.

Eifriger Chronist: Jakob Groß.

Während seiner Dienstzeit in Lübeck verfasste Groß die Chronik von Fürstenfeldbruck. Sie umfasst den Zeitraum vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1878, in dem er sein Lebenswerk vollendete. Die Chronik ist „In dankbarer Erinnerung an die in froher Jugendzeit genossene Gastfreundschaft den Bürgern des Marktes Bruck gewidmet“, schreibt Groß zu Anfang. Sie umfasste 646 Seiten und war in sechs Abschnitte untergliedert. Die einzige Illustration zeigte die Ansicht Brucks im 17. Jahrhundert. Sie wurde bei Albert Sighart gedruckt und kostete 50 Pfennig, berichtet Fritz Scherer anlässlich des 120. Jubiläums der Chronik. Die prachtvolle Ausgestaltung in zwei Bändern dagegen enthielt allein rund 6200 Wappen.

Jakob Groß bekam das Ehrenbürgerrecht verliehen

In den Kapiteln berichtet Groß über alles Wissenswerte – vom Markt Bruck vor seiner Erwerbung durch das Kloster Fürstenfeld über diverse Kriege bis hin zu denkwürdigen Begebenheiten. Der Leser erfährt mehr über alteingesessene Familien und nennenswerte Ereignisse, chronologisch aufgelistet.

Das Landkreisbuch bezeichnet die Chronik als wichtige historische Quelle. Sie wurde handschriftlich bis 1899 von Jakob Dirnagel, August Aumiller und Gotthard Krauß fortgeschrieben. Für seine Verdienste verlieh ihm der Markt Bruck am 14. Januar 1897 das Ehrenbürgerrecht. Zudem wurde eine Straße nach ihm benannt.

Auch über Simbach verfasst Jakob Groß eine Heimat-Chronik

Jakob Groß war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, die Oberzollinspektorstochter Monika Rehm, starb nach wenigen Jahren. Mit ihr hatte er zwei Töchter und einen Sohn. Um der Kinder willen heiratete er ein zweites Mal – die Lehrerstochter Anna Wesselad.

Egal, wo Jakob Groß arbeitete, die Heimat erforschte er überall. Bereits 1864 verfasste er die Heimat-Chronik von Simbach, wo er ebenfalls einige Jahre stationiert war. Auch diese Kommune verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht. In Mecklenburg und Lübeck – hier unter anderem durch Ausgrabungen im Museumsverband – tat sich der Heimatforscher ebenfalls hervor. Nach seiner Versetzung nach Memmingen 1881 gründete er einen Zweigverband der Anthropologischen Gesellschaft – der sich später in Altertumsverein umbenannte – und übernahm den Vorsitz. Somit wird er auch als Vater des städtischen Museums bezeichnet, das der Verein ins Leben rief. Er hielt viele Vorträge und führte Exkursionen durch. Zudem schrieb er in Memmingen ein zweibändiges Wappenbuch.

Im Alter von 70 Jahren trat der Hauptzollamtsverwalter und Chronist in den Ruhestand. Er litt an einem Nierenleiden und starb ein Jahr später, am 4. Mai 1898.

Die Serie: Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden die Persönlichkeiten vorgestellt. Im jüngsten Serienabschnitt ging es um die Familie Pruggmayr.

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