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Erinnerung an die letzte gemeinsame Reise: Den Cotahuasi Canyon, den tiefsten Canyon der Welt in Peru besuchte das Paar im Januar.

Große Trauer in Bruck

Julia Reitbauer (25) stirbt auf Südamerika-Reise - Es bleibt die Erinnerung

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Julia Reitbauer (25) stirbt unerwartet und plötzlich während ihrer Südamerika-Reise. Familie, Freunde und ihre Vereine nahmen nun Abschied. 

  • Die Nachricht vom Tod von Julia Reitbauer im fernen Bolivien verbreitete sich in der Kreisstadt wie ein Lauffeuer. 
  • Tief erschüttert nahmen die Familie und die vielen Freunde der 25-jährigen Bruckerin die unfassbare und traurige Nachricht auf.
  • Am Mittwoch haben sich Familie, Freunde und andere Wegbegleiter nun bei Beerdigung und Trauerfeier von Julia Reitbauer verabschiedet.

Update 10. März: Julias Freund bleibt die Erinnerung

Vor einem Monat endete das Leben der 25-jährigen Julia Reitbauer aus Bruck im fernen Bolivien. Es war ein Tod ohne Vorwarnung. Dass ein geliebter Mensch, der immer da war, plötzlich viel zu früh von einem gegangen ist, ist einfach nicht zu verstehen. „Es ist so verdammt schwer“, sagt Christopher Schütze, ihr 33-jähriger Lebensgefährte, beim Betrachten der vielen Fotos von der Reise. 

Anfang Dezember waren die beiden voller Freude aufgebrochen, um drei Monate Südamerika zu bereisen. In La Paz setzte eine Lungenembolie Julias jungem Leben ein Ende. Wie geht man damit um, wenn man zum ersten Mal so richtig erlebt, dass das Leben unfair ist? Der Familie und Julias langjährigem Lebensgefährten fällt es schwer, wieder in den Alltag zurückzukehren. Zu frisch sind die Ereignisse noch. Eine große Hilfe bei der Bewältigung der Trauer war für Christopher, Mutter Gisi, Vater Sepp und Bruder Tobi die große Anteilnahme der Freunde und Bekannten. Über 500 Trauergäste kamen zur Bestattung, darunter auch viele Mitglieder der Vereine, denen Julia angehörte, wie den Razorbacks, dem EV Fürstenfeldbruck und der Heimatgilde. Aber auch Kameraden von Christophers Kickbox-Verein Combat Sports Center und Papa Sepps Fußballverein SV Puch begleiteten Julia auf ihrem letzten Weg. „Wir möchten uns für die große Anteilnahme und Unterstützung bei allen herzlich bedanken“, so die Familie. 

In den Dank schloss sie drei sehr gute Freunde ein. Um die Familie auch finanziell zu unterstützen, haben die Vereine ein gemeinsames Spendenkonto bis zum 15. April eingerichtet. Auch der Rewe-Markt unterstützt die Familie mit einer Pfandflaschen-Spendenaktion bis zum 15. April. „All diese unglaubliche Hilfsbereitschaft hat uns tief bewegt“, sagt Christopher. Der Informatikstudent erzählt von einigen Erlebnissen, als die Reise noch unbeschwert verlief. „Es ist schön, sich zu erinnern“, sagt der 33-Jährige. „Gleich in der ersten Woche hat Julia auf der Dachterrasse des Hostels in Valparaíso plötzlich geweint, und ich wusste nicht warum.“ 

Eine große Sternschnuppe, die erste in ihrem Leben, war der Grund. Sehr bewegt hat sie auch der Ausflug auf eine Insel, als sie Pinguine in freier Wildbahn erlebte und auf dieser Tour von den Einheimischen ins Herz geschlossen wurde. „Die haben uns gleich eingeladen.“ Weihnachten verbrachten Julia und Christopher in San Pedro de Atacama mit einem Pärchen aus Santiago, das sie kennengelernt hatten und das sie anschließend zu einem Besuch in die chilenische Hauptstadt einlud. Und im peruanischen Arequipa trafen die beiden auf Freunde der Brucker Heimatgilde, die zu der Zeit vier Wochen Urlaub machten. „Das sind Erlebnisse, die mir immer im Gedächtnis bleiben und mich an Julia erinnern werden“, sagte Christopher bewegt. „Wir hatten auch schon geplant, nach Studium und Ausbildung, nochmals eine Reise nach Südamerika zu machen, und uns danach den Wunsch von einer eigenen Familie zu erfüllen.“

Update vom 19. Februar 2020: Eine große Trauergemeinde hat am Mittwoch Abschied von Julia Reitbauer genommen. Im Waldfriedhof hat sie ihre letzte Ruhestätte gefunden. „Abschied nehmen von Julia – so wie wir sie kannten, und nicht in Schwarz“ - darum hatten Familie und enge Freunde für die Beerdigung am Mittwoch gebeten. Ein Wunsch, dem viele Freunde nachkamen. Diakon Martin Stangl nahm diese Stimmung auf: „Auch Julia würde sich wünschen, dass wir mit einem Lächeln an sie denken.“ Die Aussegnungshalle hatte die Menge an Trauergästen gar nicht aufnehmen können. Bis fast zum Friedhofseingang reichte die Reihe der Freunde, die die am 3. Februar im Alter von 25 Jahren während einer Südamerikareise verstorbene junge Frau auf ihrem letzten Weg begleiten wollten. 

Trauer um Julia Reitbauer: Zahlreiche Wegbegleiter nahmen Abschied von der 25-Jährigen

Bei allen war ehrliche Trauer zu erkennen und der Schock über den unerwarteten Tod. Spieler der Razorbacks, wo Reitbauer bei den Chearleaders gewesen ist, nahmen sich bei den Händen, um sich gegenseitig beizustehen. Der Tränen schämte sich keiner. Andere verharrten viele Sekunden in stiller Umarmung. Gestaltet war die Trauerfeier ganz im Sinne der Verstorbenen. Es wurde keine getragene Musik gespielt, sondern Stücke, die eher daran erinnerten, dass Julia der Heimatgilde auch als Tänzerin und den Razorbaacks als Cheerleader verbunden war. „Julia, welchen Weg wirst du wählen? Julia, Ich möchte es gerne wissen, Julia, nur der Mond und die Sterne, Julia, Wissen wo du bist.“ Das Lied, das der britische Sänger Chris Rea 1993 seiner Tochter gewidmet hatte, verband Erinnerung, Gedenken und Abschied nehmen. 

Die Gedanken, die die Familie bewegten, fasste Diakon Stangl zusammen. „Julia hat von Anfang an alle in den Bann gezogen“, sagte er im Namen der Familie. Sie sei so lebenshungrig gewesen, dass sie damit alle angesteckt habe. Beschrieben wurde auch die große Geschwisterliebe zwischen ihr und Bruder Tobi. Und für die Eltern bleibt eines bestehen: „Als Eltern sind wir so stolz, dass es keine Worte dafür gibt es auszudrücken“, trug Diakon Stangl vor. Das gleiche gelte auch für die Großeltern. 

Julia Reitbauers Sarg schmückten zwei Kuscheltier-Einhörner 

Julia Reitbauer war auch ein großer Einhornfan. So schmückten zwei Kuscheltiere den Sarg. Das Kinderlied „Ich bin ein Einhorn“ begleitete sie auf ihrem letzten Weg. Zuvor hatte Stangl um ein paar Momente der Stille gebeten. „Sagen Sie Julia etwas in Gedanken, das sie ihr auf diese Reise mitgeben wollen.“

Hans Kürzl

Erstmeldung vom 14. Februar 2020: 

Fürstenfeldbruck – Am dritten Dezember traten Julia und ihr 33-jähriger Freund Christopher Schütze voller Freude ihre Reise nach Südamerika an. Drei Monate wollte das junge Paar – sie waren seit acht Jahren zusammen – den südamerikanischen Kontinent bereisen. 

Tragödie im Urlaub: Im Dezember starteten Julia Reitbauer und ihr Freund nach Südamerika

Nachdem sie bereits Chile, Bolivien und Peru mit Bus und Flugzeug erkundet hatten, musste Julia mit einer Lungenentzündung in der 3500 Meter hoch gelegenen Andenstadt Cusco für acht Tage ins Krankenhaus. 

Julia Reitbauer muss mit Lungenentzündung auf 3500 Metern Höhe ins Krankenhaus

„Dann ging es ihr eigentlich wieder gut“, sagt ihr Freund Christopher stockend. Die beiden setzten ihre Reise fort. Doch in La Paz bereitete eine Lungenembolie Julias jungem Leben am 3. Februar ein jähes Ende.

Todes-Tragödie in Südamerika: Nach anfänglicher Erholung stirbt Julia Reitbauer plötzlich

„Sie ist ein echtes Brucker Kind“, erzählt Mutter Gisi. Kindergarten, Schulzeit, Ausbildung, alles hat Julia in Bruck absolviert. Viele Freundschaften bestanden aus dieser Zeit. Nach einer Friseurausbildung hängte Julia eine weitere Ausbildung als Rechtsanwalts-Fachangestellte dran und schloss als Beste ab. Im April sollte sie ihre Weiterbildung zur Rechtsfachwirtin antreten.

Große Trauer bei Brucker Vereinen EVF und Razorbacks

Das Schlittschuhlaufen hat Julia bei Conny Schober beim EV Fürstenfeldbruck gelernt, wo auch heute noch ihr Vater Sepp und Bruder Tobi aktiv sind. Später wirkte Julia selbst als Trainerin im Verein. 

Bei den Fursty Razorbacks war sie als Cheerleader dabei und ebenfalls als Trainerin aktiv. Als aktive Tänzerin schloss sie sich der Heimatgilde an, wo sie mit den ehemaligen „No Limits“-Tänzerinnen eine eigene Gruppe gründete.

Die Vereine, denen Julia angehörte, haben die Nachricht von ihrem Tod mit großer Bestürzung aufgenommen und ein gemeinsames Spendenkonto eingerichtet, um der Familie zu helfen, auf die mit der Überführung und Beerdigung enorme Kosten zukommen. „Wir können den Angehörigen den Schmerz nicht nehmen, aber in finanzieller Hinsicht die Familie wenigstens unterstützen“, so der Aufruf von Heimatgilde, Razorbacks und EVF.

Am Mittwoch können alle von Julia Abschied nehmen und sie auf ihrem letzten Weg begleiten – so, wie sie alle kannten, und nicht in Schwarz, wünscht sich die Familie. Um 10 Uhr beginnt auf dem Waldfriedhof die Trauerfeier, anschließend findet die Beerdigung statt.

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