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Lockerungsübungen im Publikum: Moderatorin Constanze Lindner animierte die Zuschauer im Stadtsaal zur gegenseitigen Rückenmassage und verteilte Busserl.

Paulaner Solo im Stadtsaal

Kabarettpreis: Jury und Publikum einig

Gregor Pallast heißt der Sieger des diesjährigen Kabarettwettbewerbs Paulaner Solo. Das Besondere: nach mehreren Jahren waren sich Jury und Publikum wieder einig. Auch der Publikumspreis ging an den Bonner Kabarettisten.

FürstenfeldbruckVier Nachwuchskünstler hatten sich in den Vorrunden für das Finale im Stadtsaal qualifiziert. Und sie machten es dem Publikum nicht leicht. Denn Lachsalven und zustimmender Beifall gründeten sich auf völlig unterschiedlichen Motiven. Während Florian Wagner sich als hochtalentierter Chansonnier und Gregor Pallast sich als politischer Sozialkritiker präsentierten, überzeugten die Damen Christina Baumer und Mia Pittroff als freche Beobachterinnen unterschiedlicher Gesellschaften in München, Berlin und der Oberpfalz.

In diesem Stadt-Land Spannungsbogen schlüpfte Baumer in zwei Rollen: Während sie als notgeile Chris ein Tattoo mit der Schrift „guests welcome“ samt Pfeil nach unten auf ihrem unteren Bauch präsentierte und sich über die Posts wie Essen teilende „Sharing-Generation“ lustig machte, haderte sie als Kellnerin Tina über gewandelte Essgewohnheiten, die über Veggie-Burger und Smoothies sogar so weit gehen, dass Frutarier nurmehr das essen, was von Bäumen fällt.

Eine Oberpfälzerin aus Berlin macht Witze über Fürstenfeldbruck

Mia Pittroff, eine nach Berlin ausgewanderte Oberpfälzerin, zeigte sich von den aktuellen, sommerwetterbedingten Massenwanderungen in Fürstenfeldbeach beeindruckt, wünschte sich aber eher ein herbstliches Publikum, dass sich „dreistündige Architekturdokumentationen in Französisch auf Arte reinzieht“ statt „der Helene Fischer unter den Jahreszeiten“ (Sommer) hinterherläuft. In Berlin komme man auch als „Baumlegasthenikerin“ durch, weil es ohnehin nur den Kaka-Baum vom Kotze-Baum zu unterscheiden gilt. Wären da nicht noch die Kastanien, deren Früchte ihre Kinder tütenweise nach Hause schleppen, die Mutter nötigend, schöne (gelogen) Kastanienhunde zu basteln.

Mit Boxershorts und Jackett („Sie finden es gewagt, weil dunkelblau nicht zu schwarz passt?“) agierte der Kraillinger Comedian Florian Wagner virtuos am Klavier – zumindest bei seinen späteren Songs. Der erste sollte bewusst schlecht sein, um sich vor den Augen der Jury dann grandios zu steigern. Dies gelang besonders bei „Atemlos“, das er so präsentierte, wie Mozart es gespielt hätte.

Mit aktuellen Themen punktete Sieger Gregor Pallast

Superaktuell und extrem kritisch giftete Gregor Pallast über die (Klima-)Politiker, die das Benzin drei Cent pro Liter verteuern und dann die Pendlerpauschale um fünf Cent pro Kilometer steigern wollen. Oder die Verbraucher, die importiertes Fidschi-Wasser kaufen und ihren fiesen Charakter nur im Oldtimer auf der Autobahn, nicht aber im 2,5 Tonnen SUV bei Tempo 300 unterdrücken können. Überhaupt: Die Autoindustrie ist eindeutig sein Lieblingsfeind, denn der wird es ohne Probleme gelingen, bis 2030 37 Prozent weniger CO2 freizusetzen, weil sie nur den tatsächlichen Spritverbrauch um 42 Prozent auf den angegebenen senken muss.

Polit-Kabarettist Gregor Pallast holte sich den Paulaner-Solo-Titel.

Am Ende überzeugte er Jury und Publikum: „Sehr gute Bühnenpräsenz, zeitkritische und intelligente Texte“, stellte Jury-Sprecher Wolfgang Frei bei der Siegerverkündung fest. Der zweifach prämierte Bonner war ob seines Erfolges sichtlich ergriffen: „Ich war schon einige Male im Finale, aber gewonnen habe ich noch nie“, bekannte der Gymnasiallehrer für Sozialwissenschaft. Zudem sei das Paulaner Solo sein erster Auftritt in Bayern gewesen.

Moderatorin Constanze Lindner heizte in den Pausen dem Publikum ein

Weit mehr als eine Nummern-Ansagerin war die – natürlich außer Konkurrenz laufende – Moderatorin und Kabarettistin Constanze Lindner. Bis zur Auszählung der rund 625 abgegebenen Zuschauer-Stimmzettel unterhielt sie als Cordula Brödke mit schrägen Zaubertricks das Publikum. Nicht nur „bei den üblichen Deppen in der ersten Reihe“ sorgte die Betriebsnudel mit Bussi-Attacken auch persönlich für rote Köpfe und beste Stimmung.

von Max-Joseph Kronenbitter

Das war vergangenes Jahr beim Kabarettpreis Preis Paulaner Solo los. Auch auf dem Brucker Starkbierfest sind derbe Reden und Satire gang und gäbe. 

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