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Den Grund- und Mittelschullehrern reicht es. Der Bayerische Lehrer und Lehrerinnenverband (BLLV) richten ihre Forderungen direkt ans Kultusministerium. (v.l.) Vorsitzender Christian Franke, Schulleitersprecherin Cathrin Theis, Iris Gotzig vom Jungen BLLV und BLLV-Mitglied Anita Müller. 

Verfehlte Personalpolitik und Gehaltssorgen

Lehrer am Limit: Pädagogen protestieren gegen mehr Arbeit

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Weil die Arbeit immer mehr wird und keine Entlastung in Sicht ist, richten die Grund- und Mittelschullehrer nun ihren Unmut direkt ans Kultusministerium. 

Landkreis – Die Grund- und Mittelschullehrer gehen auf die Barrikaden. Sie beklagen längere Arbeitszeiten und ein geringeres Einstiegsgehalt als ihre Kollegen an den weiterführenden Schulen. Dazu flattern monatlich neue Lehraufträge vom Kultusministerium rein. Inklusion, Digitalisierung und Ganztagesunterricht sollen auch noch erledigt werden. Auch im Landkreis arbeiten die Lehrer nach eigenem Bekunden im roten Bereich. Mit der Aktion „Lehrermangel: So nicht!“ wehren sich jetzt Pädagogen bayernweit.

Das Fass zum Überlaufen brachten Anfang Januar neue Vollzugsbestimmungen aus dem Kultusministerium. Darin enthalten ist ein so genanntes Arbeitszeitkonto. Das bedeutet, dass Grund- und Mittelschullehrer zukünftig zu ihren 28 Unterrichtswochenstunden (Vollzeit) nun fünf Jahre lang noch eine Unterrichtsstunde pro Woche mehr arbeiten müssen. Nach den fünf Jahren und einer dreijährigen Wartezeit, sollen die angesammelten Stunden über fünf Jahre wieder zurückgegeben werden.

Grund- und Mittelschullehrer arbeiten etwa 50 Stunden in der Woche

Für Cathrin Theis, Schulleitersprecherin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) Fürstenfeldbruck, ist das eine Zumutung. „Gymnasiallehrer haben in Vollzeit nur 23 Unterrichtswochenstunden.“ Außerdem käme mit Nach- und Vorbereitungszeit noch einmal die selbe Stundenzahl dazu. So kommen die Lehrkräfte regelmäßig auf 45 bis 50 Wochenstunden, so Theis. Bei jungen Pädagogen in der Einarbeitungszeit seien es häufig noch mehr Stunden. Theis ist außerdem Schulleiterin an der Grundschule Graßlfing, wo gerade die Bauarbeiten zum Teilneubau im vollen Gange sind. 

Lehrerinnen und Lehrer aus dem Landkreis auf dem landesweiten Protesttag in Eichstätt.

Außerdem wurde die Antragsteilzeit von 21 Unterrichtswochenstunden auf 24 plus der einen zusätzlichen Stunde erhöht. Dies gilt zwar nicht für Teilzeitlehrer mit minderjährigen Kindern oder zu pflegenden Angehörigen. Doch besonders für ältere Pädagogen bedeute das eine enorme Erhöhung der Arbeitszeit. „Bis vor ein paar Jahren betrug die Mindestarbeitszeit in Teilzeit 14 Stunden. Das heißt, die Kollegen haben jetzt auf einen Schlag elf Unterrichtsstunden mehr pro Woche“, kritisiert Theis.

Geringes Gehalt lockt keine Studenten an

Dazu komme noch das geringere Einstiegsgehalt. „Für viele Studenten ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Lehramtsstudiums“, sagt Iris Gotzig, Vertreterin der Jungen BLLV. Vielleicht würden bei mehr Gehalt auch mehr Männer Grund- und Mittelschullehrer werden wollen. Derzeit liegt die Frauenquote bei den beiden Schultypen bei 90 Prozent.

Generell habe die Mehrbelastung zugenommen und neue Regelungen machten den Beruf immer unattraktiver, sagt Theis. Auch versprochene Entlastungen von Kultusminister Piazolo seien nicht eingelöst worden. Jetzt haben sich viele Lehrkräfte im Landkreis zusammengetan und zahlreiche Postkarten mit ihren Forderungen ans Kultusministerium geschrieben. „Wir machen unseren Job ja gerne, aber so kann es nicht weitergehen“, betont Theis.

Was den Landkreis noch bewegt: Sturmtief Sabine hat für einige größere Schäden gesorgt.

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