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Ein Modell des Fliegerhorsts.

Wohnungen und Gewerbe

Nach Abzug der Bundeswehr: Erster Schritt zum Stadtviertel Fliegerhorst

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Die Kommunen Bruck, Maisach, Emmering und Olching wollen das Gelände des Fliegerhorst Fürstenfeldbruck nach dem Abzug der Bundeswehr gemeinsam gestalten – mit Wohnungen, Gewerbe und Erholungsflächen. Erster Schritt ist die Gründung eines Zweckverbandes.

Fürstenfeldbruck/Maisach/Emmering/Olching – Mit einer blauen Linie ist auf der Grafik das über 500 Hektar große Areal eingerahmt, das weit über den alten Flugplatz hinaus geht und ein neues Stadtviertel von Fürstenfeldbruck werden soll. Teile liegen auf Maisacher, andere auf Emmeringer und Olchinger Flur. In vielen Gesprächen haben sich die vier Bürgermeister angenähert und darauf geeinigt, das Areal gemeinsam zu entwickeln.

Die Denkpause

Vorausgegangen ist ein einjähriges Moratorium – ein Stillhalteabkommen. Zwölf Monate haben die Kommunen alle ihre Planungen gestoppt und sich an einen Tisch gesetzt. Wichtigstes Ergebnis: Nicht jede Kommune kocht ihr eigenes Süppchen. „Wir wollen zu viert etwas für die Region entwickeln“, sagt Fürstenfeldbrucks OB Erich Raff.

Ein langer Weg, denn: „Anfangs sehr konträr denkende Gemeinden und Städte haben zusammengefunden“, erklärt Emmerings Rathauschef Michael Schanderl. So konnten Fürstenfeldbruck und Maisach sich auch über die Pläne von BMW zur Erweiterung der Driving Academy im Grenzgebiet zwischen den Kommunen einigen.

Unterstützung erhielten die Bürgermeister dabei von Landrat Thomas Karmasin. „Es war der Wunsch der Bürgermeister, dass der Landrat den Prozess als neutrale Stelle etwas moderiert“, sagt Karmasin. Und er beteuert, er habe die Aufgabe gerne übernommen. Inzwischen gehört er fest zur Arbeitsgruppe – und das soll auch so bleiben. Denn nicht nur die Kommunen, auch der Landkreis soll vom künftigen Fliegerhorst profitieren.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck: Die Entwicklung

Alle vier Kommunen bringen Grund in das Entwicklungs-Gebiet ein. Den Bärenanteil besitzt Fürstenfeldbruck. 85 bis 90 Prozent des Maisacher Grunds stehen als FFH-Gebiet unter Naturschutz, ein kleines Stück lässt sich aber auch gestalten. Olching bringt im östlichen Teil der Stadt landwirtschaftliche Flächen mit. Die sollen auch grün bleiben. „Aber wir werden einen Teil der Erschließung mittragen müssen“, sagt Bürgermeister Andreas Magg. Die B 471 werde eine Hauptroute werden und muss ausgebaut werden. Und auch die S 3-Bahnhöfe in Esting und Gernlinden liegen näher als die S 4 in Bruck. „Daher wollen wir auch ein bisschen mitsprechen.“

Ähnlich verhält es sich in Emmering, das ebenfalls grüne Flächen zwischen der B 471 und Fursty einbringt. Man habe schließlich das eigene Gewerbegebiet fünf Jahre zurückgestellt, sagt Bürgermeister Michael Schanderl. Die Interessen aller sollen nun berücksichtigt werden und alle sollen vom Fliegerhorst profitieren. Eine Arbeit, die Jahrzehnte dauern wird. „Das wird Generationen beeinflussen“, glaubt Maisachs Bürgermeister Hans Seidl.

Der Zweckverband

Bislang bezeichnen sich die Bürgermeister und der Landrat als Arbeitsgruppe. Um die Kräfte weiter zu bündeln, wollen sie eine Art Entwicklungsgesellschaft gründen – einen Zweckverband. „Das wäre ein gutes Instrument, um gestärkt gegenüber der Bima aufzutreten“, sagt Raff. Denn die veräußert den Bundeswehrgrund, sobald das Militär abgezogen ist.

Im Verband sollen die Beteiligten ein gemeinsames Konzept entwickeln. Es geht um Wohnungsbau, Gewerbe, aber auch Naherholung. Dazu soll ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden. Ideen sind gefragt. Und auch die denkmalgeschützten Gebäude wie der Kilometerbau und die Offizierschule müssen ins Konzept integriert werden. „Wir müssen uns eine gute Aufgabenstellung überlegen, denn es wird ein Stadtviertel werden, das anders ist als bisher in Fürstenfeldbruck“, sagt Stadtbaurat Martin Kornacher. OB Raff spricht von einem Viertel der kurzen Wege. So könne man auch Flächenversiegelung in den anderen Kommunen vermeiden, sagt Seidl.

Beim Thema Wohnen käme auch der Landkreis ins Spiel – etwa mit der interkommunalen Wohnungsbaugesellschaft, über die diskutiert wird. „Wir könnten partizipieren, etwa wenn es um das Gewerbe geht“, sagt Emmerings Rathauschef Schanderl. Dabei könne man an ein interkommunales Gewerbegebiet denken. Landrat Karmasin träumt von modernen Zukunftstechnologien.

Der Zeitplan

Das Heft des Handels liegt nun wieder bei Bruck. „Es ist die Frage, ob sie etwas von ihrer Planungshoheit abgeben“, sagt Maisachs Bürgermeister Seidl. Im November wurde der Zweckverband dem Stadtrat vorgestellt. Zudem sind im Haushalt vorsorglich für 2019 und 2020 je 400 000 Euro für einen Zweckverband eingeplant. Auch in Maisach sind 200 000 Euro im Etat für 2019. „Mein Gefühl sagt mir, der Gemeinderat wird dem offen gegenüber stehen“, so Seidl. Ähnlich sehen das seine Kollegen in Emmering und Maisach.

Sollten alle zustimmen, könnte man im Februar oder März den Zweckverband beschließen, glaubt Raff. Nächstes Thema wäre dann der städtebauliche Wettbewerb, den Bruck gerne noch vor der Kommunalwahl 2020 ausloben würde. Danach könnten die Gremien und der Zweckverband mit der Planung beginnen. „Der Stadtrat wird sich die nächsten zehn bis 15 Jahre damit befassen“, sagt Raff. „Es wird spannend.“

Der öffentliche Nahverkehr

Der Zweckverband ist der erste Schritt zum Stadtviertel Fliegerhorst. Parallel zu den städtebaulichen Überlegungen gilt es die Verkehrsanbindung zu bedenken. Eine Busverbindung von Bruck durch den Fliegerhorst nach Gernlinden ist schon lange gewünscht. Doch noch gibt das Militär die Strecke nicht frei. Sobald das der Fall ist, könnte die Stadtbuslinie 815 vom Bahnhof Fürstenfeldbruck, die derzeit vor der Hauptwache endet, noch eine Schleife durch den Fliegerhorst drehen, erklärt Hermann Seifert, Experte für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landratsamt. Auch zwei Express-Buslinien hat er schon in Planung: Die Buslinie 836 könnte vom Brucker Stadtteil Buchenau über das Viscardi-Gymnasium und das Gewerbegebiet Hasenheide durch den Fliegerhorst nach Gernlinden fahren. 

Über den Hagnkreisel, Esting und den Gewerbepark Geiselbullach ist es nicht mehr weit zum Gewerbegebiet Gada und nach Dachau. „Dann hätten wir einen Verbund von der Buchenau nach Dachau und zur S 2.“ Die Tangente zur S 3 ließe sich mit dem zweiten Expressbus schließen, der vom Bahnhof Bruck über die Dachauer- und von-Gravenreuth-Straße sowie Fursty bis nach Gernlinden fahren würde. Seiferts weitere Überlegungen reichen von einer Trambahn bis zu einer eigenen S-Bahnstation am Fliegerhorst. „Die könnte sich in die S 3 einschleifen und über den Nordring bis zum Forschungs- und Innovationszentrum von BMW fahren“, erklärt der ÖPNV-Experte. „Doch da reden wir von Jahrzehnten.“ Schneller realisierbar wäre eine Seilbahn, die auch immer öfter erwähnt wird. Doch dafür ist erst eine Machbarkeitsstudie nötig.

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