Von der Software-Entwicklerin zur Science-Fiction-Autorin: Theresa Hannig schreibt über künstliche Intelligenz.

Science-Fiction-Autorin aus Fürstenfeldbruck

Neuer Roman: Wenn Roboter Gefühle und Rechte bekommen

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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In wenigen Tagen erscheint das neue Buch der Science-Fiction-Autorin Theresa Hannig. Es geht um künstliche Intelligenz und eine totalitäre Bundesrepublik. 

Fürstenfeldbruck – Nach ihrem preisgekrönten Erstlingswerk „Die Optimierer“ legt die Brucker Science-Fiction-Autorin Theresa Hannig jetzt ihr zweites Buch vor. „Die Unvollkommenen“ erscheint am 28. Juni und führt den Leser erneut in die Optimalwohlökonomie der totalitären „Bundesrepublik Europa“, in der künstliche Intelligenz die Herrschaft übernommen hat.

Eigentlich hatte die 35-Jährige keine Fortsetzung ihres Debütromans geplant. Doch weil der Verlag eine wollte, machte sie sich an die Arbeit – und erlebte beim Schreiben eine Überraschung. Ihre Idee, über die Themen komplette Überwachung und Unsterblichkeit zu schreiben, entwickelte sich immer mehr zu einer natürlichen Weiterführung des ersten Buches. „Das war wie Magie“, sagt Hannig rückblickend und ist immer noch erstaunt.

Theresa Hannig erhielt positive Reaktionen auf ihren ersten Roman

Insgesamt fühlt sich die Bruckerin, die in ihrem früheren Leben als Software-Entwicklerin, SAP-Beraterin und Projekt-Managerin tätig war, in ihrer neuen Rolle als Autorin wohl. „Ich bin relativ gut im Literaturbetrieb angekommen.“ Die Verkaufszahlen ihres ersten Buches seien in Ordnung, die Reaktionen von Lesern überwiegend positiv. „Die Optimierer“ werden demnächst in tschechischer Übersetzung erscheinen.

Außerdem ist die Story vom Societaetstheater in Dresden für die Bühne adaptiert worden. Ein komisches Gefühl sei es gewesen, in der Aufführung zu sitzen, erzählt Hannig. Was wohl aus ihrem Text geworden war? „Ich hatte Bammel, dass es mir nicht gefallen könnte.“ Doch dann fand sie die Inszenierung des jungen Regisseurs Nicola Bremer großartig. „Er hat die gleichen Passagen benutzt wie ich bei meinen Lesungen und sie in seine eigene Bildersprache übersetzt.“ Hannig entdeckte dadurch an ihrem Buch noch einmal ganz neue Facetten.

Zwischenzeitlich geht sie auch auf Lesereisen. Ziele sind hauptsächlich Schulen in ganz Bayern. In der 9. bis 11. Klasse an Gymnasien passe das Thema Überwachung und Kontrolle gut in den Lehrplan. „In diesen Jahrgangsstufen werden Orwells ‘1984’ und ‘Brave New World’ von Aldous Huxley gelesen“, sagt Hannig. Neben diesen beiden recht betagten Werken würden „Die Optimierer“ als zeitgenössische Dystopie bei Lehrern und Schülern gut ankommen.

Theresa Hannig thematisiert vor allem die Risiken von künstlicher Intelligenz

In den anschließenden Diskussionen erlebt sie die Jugendlichen oft „überraschend gut informiert“, was die Gefahren sozialer Medien angeht. „Allerdings nutzen sie sie trotzdem, weil sie nicht im Abseits stehen wollen.“ Dann gibt die Autorin Tipps, wie man sich vor der totalen Transparenz schützen kann, etwa, indem man nicht alle seine Daten freigibt, die Kamera am Smartphone abklebt und alternative Dienste nutzt, die nicht solche Daten-Kraken seien wie Facebook.

In ihrem neuen Buch thematisiert Hannig noch stärker als im Vorgänger-Roman die Risiken, die sie mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz einhergehen sieht. Dass Roboter vom Gegenstand zum sich selbst bewussten Wesen weiterentwickelt werden könnten, hält sie für denkbar – und für höchst gefährlich. „Das Allerschlimmste wäre, ihnen eine Leidensfähigkeit zu implementieren, denn dann müssten wir ihnen Rechte einräumen – und mit den Konsequenzen leben.“

Die Autorin liest: Am Sonntag, 30. Juni, stellt Theresa Hannig gemeinsam mit Christina und Alexander Schmiedel ihr neues Buch „Die Unvollkommenen“ im Rahmen einer szenischen Lesung an der Neuen Bühne Bruck vor. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet zehn  Euro.

Lesen Sie hier alles über Theresa Hannigs ersten Roman. Im nächsten Jahr findet in Germering ein Roboter-Fußball-Turnier statt. 

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