Häuser mit Denkmalstatus und geschützte Natur. Bei der Umgestaltung des Fliegerhorsts sind dicke Bretter zu bohren.

Es gibt viel zu tun

Fursty: Probleme mit neuem Schwung lösen

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Nach dem Abzug der Bundeswehr wird der Fliegerhorst zu einem Stadtviertel von Fürstenfeldbruck. Da ein Mix aus Wohnen und Arbeiten entstehen soll, setzt die Stadt auch auf Unterstützung durch die Industrie- und Handelskammer (IHK). Bei einem ersten Treffen wurden mutige Ansätze geäußert.

Fürstenfeldbruck – Ende 2023 sollen die letzten Einheiten der Bundeswehr Fursty verlassen. Dann fällt das 178 Hektar große Areal – eine Fläche von 200 Fußballfeldern – in die Planungshoheit der Stadtverwaltung. Das neue Viertel will man in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Maisach, Emmering und Olching gestalten, berichtete Stadtbaurat Martin Kornacher vor dem Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Viele schützenswerte Lebewesen haben ihr Zuhause auf dem Fliegerhorstgelände

In die Wege leiten soll den Übergang von militärischer zu ziviler Nutzung die neue Konversionsmanagerin Nadja Kripgans-Noisser. Seit März arbeitet sie im Brucker Rathaus – und sie lässt sich von Herausforderungen wie Natur- und Denkmalschutz nicht abschrecken.

Konversionsmanagerin Nadja Kripgans-Noisser

Ein Großteil der Flächen auf Fursty ist Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet. Für die Konversionsbeauftragte ist dies jedoch kein K.O.-Kriterium, da es unterschiedliche Schutzstufen gibt. Extrem schützenswerte Lebewesen wie den Jurtenkäfer habe man nicht gefunden, aber natürlich Fledermäuse, Kröten und andere Tiere. Doch: „Viecherl kann man umsiedeln“, sagte sie. Es koste Geld und Zeit, sei aber nicht unmöglich.

Denkmalgeschütze Häuser machen die Planung nicht einfacher

Kripgans-Noisser sprach von einer „21 Hektar großen Spielwiese“, die es zu gestalten gilt. Darauf stehen auch ettliche Baudenkmäler – eine Gesamtfläche von 82 000 Quadratmetern – darunter der Kilometerbau, das Offizierscasino und das Blaue Palais samt Landschaftspark sind denkmalgeschützt. Erfahrungen in Frankfurt, wo sie vorher gearbeitet hat, haben Kripgans-Noisser gezeigt, dass man auch Denkmäler überbauen und umgestalten kann. „Ich hoffe auf ein kleines bisschen Verhandlungsspielraum mit der zuständigen Behörde.“

Im Anschluss an die Driving-Academy auf Maisacher Flur will Fürstenfeldbruck hinter einem Lärmriegel – ein Gebäude – ein urbanes Gebiet entwickeln. Die Rede ist derzeit von 4000 bis 6000 Einwohnern, erklärte die Konversionsmanagerin auf Nachfrage. Denn zu wenige dürfen es nicht sein, wenn man eine soziale Infrastruktur mit Nahversorgung, Kindertagesstätten und womöglich einer Schule schaffen möchte. Die Stadt will erst Wohnungen und dann Gewerbe ansiedeln, um die Zahl der Auspendler nicht weiter zu steigern. Beim Gewerbe denkt man an Hightech- und technikaffine Unternehmen. Für mittelständische Betriebe sei die Fläche zu groß. Für die Offizierschule biete sich eine Hochschulnutzung an.

Arbeitsgemeinschaft soll Zusammenarbeit unter den Kommunen fördern

Andreas Fritzsche von der IHK sprach sich gegen starre Obergrenzen aus. Er riet Fürstenfeldbruck dazu, die Planungshoheit zu wahren. Daher habe man sich gegen den Zweckverband und für eine interkommunale Arbeitsgemeinschaft ausgesprochen, erklärte OB Erich Raff. Man warte nun auf Antwort der anderen Kommunen. „Es wäre verfehlt, an der Stadtgrenze mit dem Planen aufzuhören“, meinte auch Stadtbaurat Kornacher. Interkommunale Kooperation solle man durchaus belohnen, betonte Fritzsche.

Er forderte zudem ein bedarfsgerechtes Flächenmanagement und eine realistische Planung, welche Firmen verträglich seien. Michael Steinbauer, Vorsitzender des Regionalausschusses, erkundigte sich, wie die Stadt mit der Wirtschaft zusammenarbeiten wolle. Man werde überlegen, welche Wirtschaftsvertreter man für die Arbeitsgemeinschaft ins Boot hole, erklärte Raff. Klar sei: „Wir brauchen Ihre Ideen und Ihre Unterstützung.“

Städtebaulicher Wettbewerb kommt

Ein Vertreter erkundigte sich nach dem vierspurigen Ausbau der B 471. Laut Raff ist dieser bis zur Anschlussstelle FFB Ost/Emmering bis 2032 geplant.

Als nächsten Schritt soll ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden. Denn erst wenn das Nutzungskonzept steht, könne man mit dem Grundstücksbesitzer, der Bima, verhandeln – sowohl über den Verkauf von Grund, als auch über die Altlastensanierung. Auch die IHK will das Thema weiter verfolgen – am liebsten mit einer nächsten Sitzung und Rundfahrt auf dem Fliegerhorst.

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