Am prachtvollen Grill bereiten die Brüder Mazen (oben l.) und Kahled Hannen in ihrem Restaurant „Aleppo“ in der Hasenheide arabische Speisen zu. 
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Am prachtvollen Grill bereiten die Brüder Mazen (oben l.) und Kahled Hannen in ihrem Restaurant „Aleppo“ in der Hasenheide arabische Speisen zu. 

Arabische Küche als Nische

Mitten in Corona-Zeiten: Syrische Brüder eröffnen Restaurant - alles begann mit einer folgenschweren Entscheidung

  • vonDieter Metzler
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Von einem eigenen Lokal in Fürstenfeldbruck träumte Mazen Hannan schon seit vielen Jahren. Jetzt geht er in Erfüllung – auch weil sein Bruder eine schwere Entscheidung getroffen hat.

  • In der Brucker Hasenheide ist ein syrisches Restaurant eröffnet worden.
  • Angeboten wird arabische Küche.
  • Der Betreiber hat sich damit einen Traum erfüllt - und hat noch einen.

Fürstenfeldbruck – Es hätte wohl bessere Zeiten gegeben für die Eröffnung eines Restaurants. Das ist Mazen Hannan (43), Geschäftsinhaber einer großen Gebäudereinigungsfirma aus Eichenau, aber egal. Zu lange hat er sich darauf gefreut. „Ich trage die Idee seit 15 Jahren in meinem Kopf herum“, sagt er und erfüllte sich jetzt trotz Pandemie den Traum vom eigenen Restaurant. Im Gewerbegebiet Hasenheide eröffnete er kürzlich einen Imbiss und eine Shisha-Bar.

Restaurant Aleppo: Brucker Innenstadt klappte nicht

„Eigentlich wollte ich in der Brucker Innenstadt einen arabischen Imbiss eröffnen“, gesteht der Syrer. Immerhin leben im Landkreis seiner Schätzung nach etwa 1000 Menschen aus dem arabischen Raum. „Es gibt italienische, türkische, chinesische Restaurants und sogar ein indisches Lokal in der Stadt, aber keine arabische Küche“, sagt Hannan. Die Lücke wollte er schließen. „Aber nachdem ich mit etlichen Leuten von leer stehenden Geschäften Kontakt aufgenommen hatte und keiner bereit war, mir seinen Laden zu vermieten, konnte ich mir die Chance nicht entgehen lassen und pachtete die Edi-Bar II.“

Als er für die Geburtsfeier seiner Tochter im Mai eine Lokalität suchte, stieß er auf die seit einiger Zeit leer stehende Tanzbar in der Hasenheide. Mit dem Besitzer sei er sich schnell einig gewesen. Dass er jetzt überhaupt als Gastronom anfangen kann, hat auch mit einer politischen Entscheidung vor fünf Jahren zu tun.

Restraunt Aleppo und die Flucht vor dem Krieg

Bisher habe ihm die nötige Unterstützung für die Führung eines Restaurants gefehlt, sagt Mazen Hannan. Seine Reinigungsfirma verlangte zu viel Zeit ab, um das Projekt alleine anzugehen, erzählt der Syrer, der vor 20 Jahren aus seiner Heimatstadt Aleppo auswanderte. Nun hat Mazen Hilfe von seinem Bruder Kahled (37). Der verließ das Land erst, nachdem der Bürgerkrieg ausgebrochen war. Zu Fuß machte er sich auf den Weg in die Türkei. Mit der ersten großen Flüchtlingswelle kam er 2015 nach Deutschland. In einer Unterkunft in Schweinfurt wartete Kahled Hannan auf seine Anerkennung als Kriegsflüchtling. Als er die bekam, holte ihn Mazen Hannan zu sich nach Eichenau.

2018 folgten Kahleds Ehefrau und die beiden Kinder nach, die zunächst in Syrien geblieben waren. Kahled besuchte einen Sprachkurs und konnte dann Mazen bei der Erfüllung seines Traums vom eigenen Lokal helfen. Kahled ist gelernter Schneider, arbeitete in Syrien aber auch schon in der Gastronomie.

Bunte Auswahl im Restaurant Aleppo

Das Restaurant, zur Erinnerung an die Heimatstadt Aleppo genannt, präsentiert den Gästen eine bunte Auswahl aus der orientalischen Küche. Mit dem syrischen Mäsä, Spezialitäten vom Grill, aus der Pfanne und vom Ofen, alles frisch zubereitet, findet jeder Gast ein schmackhaftes Gericht, davon sind die Brüder überzeugt. „In Syrien nimmt man sich viel Zeit fürs Essen, das gilt auch für die Zubereitung“, sagt Mazen Hannan, der sich auf viele Gäste freut. Im „Fiftyfifty“, der direkt an den Imbiss angrenzenden Shisha Bar, sollen die Gäste bei Musik, leckeren Getränken und einladender Atmosphäre für ein paar Stunden abschalten können.

Und irgendwann, eines Tages, so hofft Mazen Hannan, kann er dann auch in der Innenstadt und in der Buchenau ein arabisches Restaurant eröffnen. Auch diesen Traum wird er so schnell nicht aufgeben.

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