Bald werden die Studenten des ersten Semesters die Gänge in der Landwirtschaftsschule in Puch entlang laufen können.

Sondergenehmigung vom Landwirtschaftsministerium

Es kann doch losgehen - Neues Semester fängt regulär an

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Das neue Semester an der Landwirtschaftsschule in Puch stand auf der Kippe: Weil sich nur 12 Schüler angemeldet haben, wäre es beinahe nicht losgegangen. Doch jetzt kommt die Rettung in letzter Minute.

Update vom 18. Oktober:

Sie können am Montag wie geplant in ihr Semester starten. Bis Freitagnachmittag war das nicht sicher. Es hatten sich zu wenige Schüler angemeldet.

Eigentlich hätten sich nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums mindestens 16 Teilnehmer einschreiben müssen. Es waren aber nur zwölf. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat deshalb am Freitag entschieden, dass es für die Schule in Puch für dieses Semester eine Ausnahmegenehmigung gibt. Die angehenden Landwirte wären „besonderen Härten“ ausgesetzt, wenn das Semester geplatzt wäre, heißt es aus dem Ministerium. Außerdem wolle man ein Zeichen der Solidarität mit jungen Landwirten setzen. „Wir können es nicht zulassen, dass sich unsere Junglandwirte entmutigt von den Höfen abwenden“, so Michaela Kaniber.

Politiker und Landwirte sind froh über die Last-Minute-Rettung

Kreis-Bauernobmann Georg Huber zeigte sich erleichtert nach den guten Nachrichten aus dem Ministerium. „Ich freue mich riesig“, so der Puchheimer Landwirt. Es sei wichtig, dass seine angehenden Kollegen vor Ort ihr Handwerk erlernen könnten. Das sei auch für die in letzter Zeit ohnehin gesunkene Motivation der Landwirte wichtig.

Auch der Landtagsabgeordnete Hans Friedl (FW), selbst Bauer im Nebenerwerb, freut sich über die Rettung in letzter Minute. Er wünsche sich aber, dass sich die Schulen in der Region künftig besser untereinander abstimmen, damit Engpässe vermieden werden können.

Friedls Kollegen von der CSU, Benjamin Miskowitsch und Alex Dorow, betonen, wie wichtig es sei, jungen Landwirten eine Perspektive gegeben. „Unsere schnelle Intervention bei der Ministerin hat so zu einem für die Schüler wichtigen Erfolg geführt“, erklären die beiden Abgeordneten.

Fällt das neue Semester aus? Landwirtschaftsschüler hängen in der Luft

(Erstmeldung vom 16. Oktober) Puch 16 Schüler sind im Regelfall das Minimum, damit der Unterricht an der Landwirtschaftsschule beginnen kann. Derzeit gibt es aber nur 12 Anmeldungen. Eigentlich eine ideale Gruppengröße für die EDV-Schulungen, sagt Schulleiterin Marianne Heidner. Aber für das Ministerium zu wenig: Ausnahmegenehmigungen gibt es nur für 15 Schüler. Puch, das Verwaltungstechnisch zur Stadt Fürstenfeldbruck gehört, bräuchte daher eine Ausnahme von der Ausnahme. Ansonsten können die Landwirte am Montag nicht mit dem Studium beginnen.

Ein Betroffener ist Florian Wolf. „Ich bin baff und sprachlos“, sagt der 20-Jährige vom Betrieb Spargel Wolf in Ebersried (Landkreis Dachau). Die Familie habe alles darauf ausgerichtet, dass er an die Landwirtschaftsschule gehe. „Wir haben Arbeiten vorgezogen, bei denen es besser wäre, noch etwas zu warten“, sagt sein Vater Manfred Wolf. Zudem wolle ein Mitarbeiter sich beruflich verändern, habe aber zugesagt, bis zum Ende der Ausbildung des Juniors zu bleiben. „Man hat alles seit Monaten geplant“, schimpft Wolf. „Und dann wird man Knall auf Fall vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Hat Angst, nicht mit den Studium beginnen zu dürfen: Florian Wolf von Spargel Wolf.

Alle haben sich auf das neue Semester gefreut

Was ihn besonders ärgert: Gerade jetzt - in schweren Zeiten - sei es nicht einfach, junge Leute für die Landwirtschaft zu motivieren. Sein Sohn wolle den Betrieb einmal übernehmen. „Man muss die jungen Leute einbinden, ihnen Verantwortung übertragen.“ Doch so werfe man ihnen Knüppel zwischen die Beine.

Schulleiterin Marianne Heidner musste die angemeldeten Landwirte am Dienstag über das drohende Aus informieren. „Sie waren alle enttäuscht, denn sie haben sich auf das Semester gefreut.“ Das Studium sei intensiv, die jungen Leute müssten viel selbst leisten, beim eigenen Betrieb würden Zahlen und Fakten durchgerechnet.

Auch in anderen Landkreisen fällt wohl die Landwirtschaftsschule aus

Ein weiteres Problem: Alternativen gibt es kaum. Die Landwirtschaftsschule in Pfaffenhofen ist eher zu voll. Denn dorthin gehen auch Landwirte aus dem Landkreis Dachau – obwohl sie von Amts wegen eigentlich nach Puch sollten. Doch Pfaffenhofen liegt für einige fahrtechnisch günstiger. „Wären die alle bei uns, hätten wir kein Problem“, sagt der Fürstenfeldbrucker Bauernobmann Georg Huber.

Andere Landwirtschaftsschulen können wohl ebenfalls nicht öffnen – wie die in Augsburg – oder bieten nicht die Kombination Ackerbau und Milchviehbetrieb an, die in Puch auf dem Stundenplan steht. Überall anders müsse man über eine Stunde hinfahren, dabei gebe es eine Schule in direkter Nachbarschaft, sagt Florian Wolf. „In Zeiten des Klimawandels ist es eigentlich eine Frechheit, sowas anzubieten.“ Nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums steht auch das Semester in Erding wegen geringer Anmeldezahlen ohne Ausnahmegenehmigung vor dem Aus.

Landtagsabgeordneter Hans Friedl fordert eine Ausnahmegenehmigung

Schulleitung, Bauernverband und Politiker machen Druck auf Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. „Wir haben alle politischen Kontakte in Bewegung gesetzt“, sagt Huber. Schließlich hätten die jungen Leute sich teilweise auch beurlauben lassen. „Die kurzfristige Absage ist eine Katastrophe.“ Auch Landtagsabgeordneter Hans Friedl (FW) fordert die Ausnahmegenehmigung. „Die landwirtschaftliche Ausbildung ist wichtig in Zeiten, in denen es mittlerweile 79 Millionen bessere Landwirte gibt, als die, die eine fundierte Ausbildung haben.“ Der Schulbetrieb müsse auch mit weniger Studenten beginnen dürfen. „Ich werde nicht locker lassen“, erklärt Friedl, der Nebenerwerbslandwirt aus Alling.

Laut Ministerium steht am heutigen Donnerstag ein Gespräch mit den Schulleitern der betroffenen beiden Fachschulen und den benachbarten Landwirtschaftsschulen an. Hierbei soll nach einer Lösung gesucht werden.

Florian Wolf hofft auf ein positives Signal. Ansonsten wisse er nicht, wie es weiter geht. Auf den Herbst 2020 warten bedeute ein verlorenes Jahr. Irgendwann wolle er fertig werden, sagt Florian Wolf. „Und keiner weiß, ob dann nächstes Jahr die Schule stattfindet.“

In der Landwirtschaftsschule lernt nicht nur der Landwirte-Nachwuchs, sondern auch die Hauswirtschaftsschüler

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