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Die Bürgermeister-Braumiller-Straße wurde im Jahr 2008 nach dem verdienten Pucher benannt. Sie liegt im Wohngebiet Puch Süd.

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Der letzte Bürgermeister von Puch

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Er war der letzte Bürgermeister im eigenständigen Puch. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges an bis zur Eingemeindung nach Fürstenfeldbruck lenkte Bernhard Braumiller die Geschicke des kleinen Dorfes an der B 2. Seine behutsame und tolerante Art wurde mit einer Straßenwidmung in seinem Heimatort gewürdigt.

Puch – Bernhard Braumiller erblickte am 22. Oktober 1912 das Licht der Welt. Er stammte aus kleinbäuerlichen Verhältnissen, berichtet Stefan Thiery, der viele Jahre sein Nachbar war. Der Landwirt und Bauarbeiter wurde von seinen Eltern traditionell katholisch erzogen. Im Zweiten Weltkrieg verlor der vierfache Familienvater ein Auge und erlitt einen Hüftschaden. Mürrisch wurde er deswegen jedoch nicht. Thiery beschreibt ihn als gelassen und humorvoll. „Für einen Dörfler seiner Generation war er sehr tolerant.“ Auch ehemaligen NSDAP-Mitgliedern gegenüber, die nach dem Krieg in öffentliche Funktionen des Dorfes zurückkehrten.

32 Jahre lang lenkte Braumiller die Geschicke Puchs

Bernhard Braumiller selbst war kein Gefolgsmann der Nationalsozialisten. Nach dem Friedensschluss führten zunächst die Franzosen drei Wochen lang in Puch das Regiment, erzählt Thiery. Dann suchten die Amerikaner einen geeigneten Bürgermeister. „Sie haben im Dorf durchaus gefragt, wer geeignet ist“, berichtet sein Weggefährte und letzter Stellvertreter Franz Bauer. Der Pfarrer schlug ihn als Neffen des bis 1933 amtierenden Bürgermeisters vor. Für die rund 500 Pucher gab es keinen Grund, ihn abzuwählen. „Sie bestätigten ihren pragmatischen, jedem politischen Gezänk abholden, die Menschen und die Entwicklung seines Dorfes behutsam behandelnden Bürgermeister immer wieder“, sagt Thiery. Gute 32 Jahre lang. Auch für Bauer kam nie in Frage, gegen den integeren Mann zu kandidieren.

Bernhard Braumiller kam nach dem Krieg ins Bürgermeisteramt.

In all den Jahren ging Bernhard Braumiller als ehrenamtlicher Bürgermeister äußerst behutsam mit der Dorfentwicklung um. Private Bauvorhaben setzte er vor allem in den Gärten und am Dorfrand um. Er kümmerte sich um die Wasserversorgung und setzte Straßen instand. Eine große Herausforderung war die Eingliederung der Vertriebenen, die er mit großem Geschick meisterte. Immerhin machte diese Gruppe um 1950 rund 30 Prozent der Bevölkerung aus. „In jedem dritten Haus mussten Flüchtlinge untergebracht werden“, erinnert sich Bauer an Erzählungen Braumillers. „Die mussten alle in Lohn und Brot gebracht werden.“ Die Integration gelang, viele Flüchtlinge heirateten hiesige Madln. „Er strahlte zur rechten Zeit Besonnenheit und Gelassenheit aus, das konnte ich mir von ihm abschauen.“

Braumiller initiierte die ersten Edigna-Spiele

Aufgrund seiner religiösen Erziehung war Bernhard Braumiller auch ein großer Förderer der Kirche St. Sebastian. Sei es eine anstehende Renovierung oder der Kauf neuer Glocken: In ihrem Bürgermeister fanden die Geistlichen immer einen ihnen wohlgesonnenen Ansprechpartner.

In Braumillers Amtszeit wurden 1959 erstmals die Edigna-Spiele unter Regie von Max Paintner aufgeführt. „Er hat sie maßgeblich auf den Weg gebracht und eine gute Grundlage für die Fortführung geschaffen“, berichtet Bauer. Mit Paintner und Georg Amann gründete Braumiller 1969 auch den heutigen Edigna-Verein, der erst in diesem Jahr wieder ein Edigna-Spiel auf die Bühne gebracht hat.

Nach seiner Amtszeit zog sich Braumiller auf seinen Hof zurück

Als sich die Zeit Puchs als eigenständige Gemeinde dem Ende neigte, nahm Bernhard Braumiller die Veränderungen pragmatisch hin. Etwa, als die Schule 1966 geschlossen und alle Kinder nach Bruck geschickt wurden. Das Schulhaus, das der Gemeinde gehörte, vermietete er zunächst. Kurz vor der Eingemeindung verkaufte er es. Mit dem Erlös konnte das Gemeinschaftshaus gebaut werden – ein großer Verdienst von Braumiller und Bauer. „Er war immer tatkräftig an meiner Seite“, erzählt Bauer. Die Idee, ein Grundstück vom Freistaat zu kaufen, stammte vom damaligen Landrat Gottfried Grimm. Mehrere Minister mussten eingeschaltet werden. Doch es gelang. „Für die Pucher ist es unbezahlbar“, sagt Thiery. Denn noch heute ist das Gemeinschaftshaus der Treffpunkt im Dorf, für Vereine und Veranstaltungen. „Es ist ganz wichtig für das Gemeinschaftsgefühl.“

Am 31. Dezember 1977 endete Bernhard Braumillers Zeit als Bürgermeister. Denn am 1. Januar 1978 wurde Puch nach Fürstenfeldbruck eingemeindet. Braumiller schloss den Eingemeindungsvertrag und leitete alles Nötige in die Wege. „Er ging mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, erinnert sich Bauer. „Er durfte Verantwortung abgeben, aber er hat es gerne gemacht.“ Danach zog er sich aus der Politik zurück und widmete sich wieder seinem Hof. Eine wichtige Aufgabe fand er zudem als Mesner in der Kirche St. Sebastian. Dieses Amt übte er von 1977 bis 1996 aus. Zwei Jahre später, am 16. Oktober 1998, verstarb Bernhard Braumiller, Puchs letzter ehrenamtlicher Bürgermeister. Im Jahr 2008 entschied der Stadtrat, ihm im Wohngebiet „Puch Süd“ eine Straße zu widmen.

Auch Teil der Serie: Der Richter von Nannhofen

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