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Eine Hommage an den Namenspatron: Grundschüler spielten die Geschichte des berühmten Posthalters Philipp Weiß nach. So hat er etwa den Bauern auf die Kartoffel gebracht – eine solche hält Leopold in die Höhe.

Theaterstück für Brucker Posthalter

Schule würdigt ihren Namenspatron

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Seit 50 Jahren trägt die einstige Knabenschule offiziell den Namen Grundschule an der Philipp-Weiß-Straße. Für die Schulfamilie war das Anlass genug, ein Stück über den Namensgeber auf die kleine Bühne des Veranstaltungsforums zu bringen. Geschrieben hat es eine Lehrerin.

Fürstenfeldbruck – „Und das ist eine Kartoffel.“ Leopold, der den von 1764 bis 1824 lebenden Brucker Posthalter Philipp Weiß spielt, hält den Erdapfel vor den skeptisch blickenden Bauern hoch, die zu jener Zeit nichts mit dieser Knolle anfangen können.Am Ende des Stücks wandert eine Chipstüte in die Höhe. „Ohne Philipp Weiß gäbe es diese Tüte nicht und auch keine Pommes“, rufen die Kinder.

Zwei Szenen, bei denen man merkt, wie viel Herz Gertraud Schmitt in das Theaterstück „Straßen, Pferde, Glockengeläut – die Philipp-Weiß-Geschichte“ gelegt hat. Seit 40 Jahren ist sie Lehrerin an der Schule, die Theater-AG ist ihr Ding. „Und dieses Stück ist mein geliebtes Kind“, sagt Schmitt. Mit viel Gespür, wie man Grundschülern trockene historische Geschichte lebendig vermittelt, hat sie die Chips und Pommes in ihr Stück eingebaut. Das sei wie ein Aha-Effekt für die Kinder. „So begreifen sie besser, warum es so wichtig war, dass Philipp Weiß den Bauern die Kartoffel nahegebracht hat.“ Und so begreifen es auch die Zuschauer, die zu den beiden Vorstellungen anlässlich des 50. Namenstags der Schule ins Veranstaltungsforum gekommen sind.

Lange Monologe waren eine Herausforderung für die Kinder

Trotzdem legt Schmitt Wert darauf, dass es ein historisches Stück ist. Mancher zwei Minuten lange Monolog ist dabei, in dem Philipp Weiß etwa darüber sinniert, wie er die Anfang des 19. Jahrhunderts marode Klosterkirche retten könne. Hilfe in Form eines Souffleurs gab es dabei für keines der 40 Kinder aus allen Klassenstufen. „Die müssen das schon drauf haben“, betonte Schmitt im Vorfeld. Allzu oft hakte es bei den beiden gut besuchten Vorstellungen auch nicht.

Zwei Monate liefen die Proben. Sogar aus dem Unterricht konnten Schüler dafür geholt werden. „Von unserer Rektorin gab es volle Unterstützung“, so Schmitt. Auch der Rest der Schulfamilie packte mit an. Eltern kümmerten sich um Requisiten, so dass etwa ein alter Leiterwagen über die Bühne rollen konnte. Die zeitgemäßen Kostüme haben die Kinder und Eltern selbst angefertigt.

Die Mamas und Papas hatten sogar noch während der Aufführung hinter der Bühne eine ganz wichtige Aufgabe. „Die Kinder beruhigen, die gerade nicht auftreten.“ Stellvertretend für alle daran Beteiligten dankte Schmitt den beiden Elternbeirats-Vorsitzenden Petra Fischer und Danuta Wolf. „Alle zusammen haben wir es so gut geschafft“, freute sich Schmitt. In ihr Lob schloss sie auch den aus 30 Kindern bestehenden Chor ein, der den Kartoffelboogie schwungvoll zum Besten gab – musikalisch begleitet von den Lehrkräften Johannes Kretzinger und Stefanie Schiebel.

Seit 2013 wird das Stück bereits aufgeführt

Allen gönnte die scheidende Lehrerin (siehe Kasten) am Ende des Stücks noch ein paar emotionale Momente. Nicht nur, weil alle Darsteller namentlich genannt wurden, wie Fabian, der einen Postboten spielte oder Annalena als Frau des Posthalters. Auf die Bühne geholt wurde auch Maxi Gschwinder, der vor sechs Jahren den Philipp Weiß gespielt hat. Denn seit 2013 führt die Schule das Stück alle zwei Jahre in ihren eigenen vergleichsweise kleinen Räumlichkeiten auf. „Dort geht das nur in abgespeckter Form“, berichtete Schmitt.

2013 war auch das Geburtsjahr des Stücks. Denn ein Jahr zuvor hatte die Stadt bei den Schulen nachgefragt, ob sie sich am Bildungsfest mit einem Beitrag beteiligen, der auch einen Bezug zum Motto „750 Jahre Fürstenfeld“ hat. Für Schmitt passte das Thema hervorragend. „Wir verdanken Philipp Weiß ja den Erhalt der Klosterkirche.“ Und letztendlich den Namen der Schule. Oder wie es die Schüler in dem Stück ausrückten: „Die Rektorin wüsste dann gar nicht, welchen Schulnamen sie auf das Briefpapier schreiben soll.“

Lehrerin geht in den Ruhestand

Nach dem letzten Applaus hielt Gertraud Schmitt einen Augenblick ruhig inne: „Es ist so ein wunderbarer Moment.“ Sie habe jede Minute der beiden Aufführungen genossen und die Begeisterung der Kinder. „Dafür bin ich sehr dankbar und für all die Jahre an der Schule.“ Die 65-Jährige, die zuletzt eine zweite Klasse geleitet hat, geht nun in den Ruhestand. Mit den Kollegen gab es am letzten Schultag eine Abschiedsfeier. Ihrem Stück „Straßen, Pferde, Glockengeläut – die Philipp-Weiß-Geschichte“ bleibt Schmitt verbunden, als künftige Besucherin. „Ich hoffe es sehr, dass es an der Schule weitergeführt wird.“

Gertraud Schmitt hofft, dass das Stück weiterlebt.

Lesen Sie hier, warum dem Posthalter Philipp Weiß in Fürstenfeldbruck eine Straße gewidmet wurde.

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