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Julia Zieglmeier sucht häufig Kontakt zu Schulen. 

Fürstenfeldbruck

„Begegnungen mit Überlebenden werden seltener“

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Der 27. Januar ist der Tag der Opfer des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass organisiert der Arbeitskreis Mahnmal Fürstenfeldbruck jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung am Todesmarsch-Mahnmal.

Fürstenfeldbruck –  Was der Arbeitskreis leistet und warum seine Arbeit heute wichtiger ist denn je, berichtet Sprecherin Julia Zieglmeier (70) im Tagblatt-Interview.

Frau Zieglmeier, wie viele Mitglieder hat der Arbeitskreis Mahnmal?

Im Moment sind wir nur noch zu dritt. Unser sehr aktives Mitglied Helmut Zierer ist leider im vergangenen Jahr verstorben. Das war ein herber Verlust für uns. Aber durch unseren intensiven Kontakt zu den Schulen im Landkreis hoffen wir auf Nachwuchs aus der Lehrerschaft. Außerdem werden wir sehr vom Büro des Landrats unterstützt.

Haben Sie noch Kontakt zu Überlebenden des Todesmarsches?

Das wird leider immer weniger. Viele sind inzwischen verstorben oder können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu den Gedenkveranstaltungen anreisen. Früher waren oft Zeitzeugen dabei und sind anschließend noch an Schulen gegangen. Das waren meist sehr intensive Begegnungen.

Welche Aktivitäten unternimmt der Arbeitskreis sonst noch?

Wir machen Info-Fahrten zu verschiedenen Schauplätzen in der Region. Wir sammeln die Geschichten der letzten Zeitzeugen, die wir noch ausfindig machen können. Zuletzt haben wir eine Bruckerin interviewt, die an der Todesmarschstrecke wohnte und damals von ihrer Mutter geschickt wurde, den Gefangenen Kartoffeln zu geben. Daraufhin stürmten SS-Schergen ins Haus und bedrohten die Mutter. Wir sind auf einen Münchner Filmemacher aufmerksam geworden, der einen Dokumentarfilm über den Todesmarsch dreht und auch von der Stadt Fürstenfeldbruck unterstützt wird. Wenn der Film Ende April fertig ist, wollen wir Schulen auf ihn hinweisen. Wir gehen auch jetzt schon viel an Schulen – dort ist man sehr froh über unser Engagement.

Wie erleben Sie die Schüler bei diesen Besuchen?

Erst einmal unwissend. Über das Thema Holocaust wird ja selbst in der dritten und vierten Generation nicht viel gesprochen. Ich erzähle ihnen dann, dass die Ereignisse zu der Zeit passiert sind, als ihre Urgroßeltern und Großeltern jung waren. Und dass die Opfer damals so alt waren wie sie heute. Dass sich diejenigen, die überlebt haben, älter gemacht haben, um ins Arbeitslager geschickt zu werden und nicht ins Vernichtungslager.

Wie reagieren die Kinder?

Das Ganze ist für sie ein spannendes Thema. Viele sind sehr interessiert, manche reagieren auch sehr bedrückt. Sie sind geschockt, wenn sie hören, was es für Essen gab und dass die Kleidung aus Sträflingsanzügen und Holzschuhen bestand, in denen kilometerweit gelaufen werden musste.

Was planen Sie mit dem Arbeitskreis als nächstes?

Ende April unternehmen wir mit der Realschule Puchheim eine Wanderung entlang der Todesmarsch-Strecke von Fürstenfeldbruck Richtung Emmering. Dabei kommen wir durchs Emmeringer Hölzl, wo die Gefangenen damals nächtigen mussten, bevor sie in Eisenbahnwaggons auf einem alten Industriegleis zum Bahnhof Allach transportiert wurden. Die Vergangenheit wird für die Schüler greifbarer, wenn sie auf solche Orte in ihrer Umgebung aufmerksam gemacht werden. Außerdem wollen wir dieses Jahr unsere Broschüre „Augenzeugen und Bilder berichten“ überarbeiten und in einer neuen Auflage herausbringen.

Warum ist es so wichtig, dass Gedenken aufrecht zu erhalten?

Unser Leitspruch heißt: Gegen das Vergessen. Man muss die Vergangenheit aufarbeiten, immer und immer wieder – erst recht angesichts der Zunahme von Antisemitismus und Fremdenhass. Da muss man etwas dagegenhalten. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, muss man wissen, was geschehen ist. Deshalb bin ich auch so froh, dass das Todesmarsch-Mahnmal mitten in der Stadt steht und von der Bevölkerung geachtet wird.  os

Das Gedenken am Todesmarsch-Mahnmal

Kurz vor dem Ende des Nazi-Regimes wurden im April 1945 jüdische Zwangsarbeiter aus den Konzentrationslagern Landsberg/Kaufering durch Bruck Richtung Alpenvorland getrieben. Daran erinnert das Brucker Todesmarsch-Mahnmal an der Dachauer Straße/Ecke Augsburger Straße. Dort findet am Montag, 27. Januar, dem Tag der Opfer des Nationalsozialismus, ab 11.30 Uhr ein öffentliches Gedenken statt. Schüler der Realschule Puchheim lesen Texte aus dem Buch „Mein Schatten in Dachau“. Für die musikalische Begleitung sorgt die Musikklasse der Realschule. Die Teilnehmer sind eingeladen, Blumen oder – nach jüdischem Brauch – Steine niederzulegen

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