Die Lehrer an der Berufsschule Fürstenfeldbruck sind technisch gut ausgestattet. Anja Wöldering (oben) nutzt gleich drei Endgeräte, um allen ihren Elektrotechnikschülern gerecht zu werden. 
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Die Lehrer an der Berufsschule Fürstenfeldbruck sind technisch gut ausgestattet. Anja Wöldering (oben) nutzt gleich drei Endgeräte, um allen ihren Elektrotechnikschülern gerecht zu werden. 

Fürstenfeldbruck

In Zeiten der Pandemie: Berufschule meistert Fernunterricht kreativ

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Kreativ müssen die Lehrer der Berufsschule beim Distanzunterricht sein. Vor allem die praktischen Einheiten bergen besondere Herausforderungen. Dennoch läuft der Unterricht weitgehend problemlos.

Fürstenfeldbruck – Gleich drei Endgeräte stehen oder liegen auf dem Lehrerpult von Anja Wöldering: ein PC, ein Tablet und ein Smartphone. „Damit kann ich allen Schülern gerecht werden“, sagt sie. Wöldering unterrichtet Elektrotechnikschüler an der Brucker Berufsschule. Sehen tut sie aber die wenigsten ihrer Schützlinge. Sie bestreitet den Fernunterricht mit dem Programm MS Teams, das Bild- und Tonübertragung ermöglicht. Die meisten Schüler haben ihre Kamera aber nicht eingeschaltet.

Die Berufsschule hat in der Pandemie schon alle Unterrichtsmodelle gehabt: Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht. „Der Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen“, sagt Schulleiterin Andrea Reuß. „Aber er ist noch leichter umzusetzen als der Wechselunterricht.“

Streng nach Stundenplan

An der Berufsschule wird streng nach Stundenplan unterrichtet. „Keine Stunden fallen aus“, betont Reuß. Im Wechselunterricht bedeutet das, dass die Lehrer zwei Schülergruppen gleichzeitig bedienen müssen – eine vor Ort, die andere Zuhause. „Das ist anstrengend“, sagt Reuß. Komplett begeistert ist die Schulleiterin auch vom Distanzunterricht nicht. Aber sie kann sagen: „Er funktioniert in weiten Teilen.“

Auf die umstrittene Plattform Mebis hat Reuß dabei von Beginn der Pandemie an nicht gesetzt. „Wir hatten schon befürchtet, dass Mebis es nicht schaffen kann, wenn alle Schulen darauf zugreifen.“ Im ersten Lockdown kontaktierten die Lehrer ihre Schüler daher per E-Mail. Nun hat sich MS Teams bei der Berufsschule durchgesetzt – auch weil es den Datenschutzansprüchen von Reuß noch am ehesten gerecht wird.

Die Sache mit der Kamera

Wöldering hat gerade einen Arbeitsauftrag an ihre Schüler vergeben. Ob diese ihn alle ausführen, sieht sie aufgrund der abgeschalteten Kameras aber nicht. Zumindest ein Schüler arbeitet auf jeden Fall, denn er stellt übers Mikrofon eine Nachfrage. „Manche wollen die Kamera einfach nicht einschalten“, berichtet Reuß. Andere Schüler vor allem aus ländlichen Regionen haben aber auch eine weniger stabile Internetverbindung. Bei abgeschalteter Kameras läuft das Programm dann runder.

Es ist nicht das einzige Problem, mit dem sich die Lehrer herumplagen müssen. Auch fehlen oft Drucker zuhause bei den Schülern. „Zum Teil helfen dann die Betriebe aus, zum Teil können die Arbeitsblätter aber auch bei uns an der Schule abgeholt werden“, sagt Reuß. Viele Schüler würden zudem noch an Handys arbeiten und oft an den kleinen Bildschirmen scheitern. „Das haben einige offenbar unterschätzt.“

Gute EDV-Ausstattung

Doch die Berufsschule ist nach dem noch vor der Pandemie umgesetzten Umbau EDV-mäßig inzwischen sehr gut ausgestattet. Mehr als 800 Laptops und iPads stehen in den rund 2400 Schülern in etwa 90 Klassen zur Verfügung – darunter rund 100 Leihgeräte. „Dazu haben wir im Sommer jedes Klassenzimmer mit Kamera und Mikrofon nachgerüstet“, erzählt die Schulleiterin. Auch Arbeitsblätter können die Lehrer wie an einem Overheadprojektor bearbeiten. Lehrer Christian Gerum nutzt dazu einen sogenannten Visualizer, der das Bild des Arbeitsplatzes nicht an die Wand, sondern auf die heimischen Bildschirme der Schüler projiziert.

Ganz andere Probleme hat Manuel Bernstein. Er unterrichtet die angehenden Kfz-Mechatroniker, deren Ausbildung zu einem großen Teil von der Praxis lebt. „Wir arbeiten mit Animationen, um den Schülern die Praxis näherzubringen“, berichtet er. Und wenn einmal ein bestimmtes Motorenteil gezeigt werden muss? „Dann gehe ich mit der Kamera meines Laptops ran.“

Bei der Lernkontrolle ist angesichts der oft dunklen Kameras die Kreativität der Lehrer gefragt, wie Reuß berichtet. „Man weiß schließlich nie, was die Schüler gerade tun.“ Die meisten Lehrkräfte behelfen sich mit spontanen Fragen an ihre Schützlinge. Und die sollten dann möglichst schnell in irgendeiner Weise reagieren. Reuß: „Wer nach eine bestimmten Zeit nicht antwortet, bekommt ein Absenznotiz eingetragen.“

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