Eine S-Bahn auf dem Weg zum nächsten Bahnhof
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Eine S-Bahn auf dem Weg zum nächsten Bahnhof

Neue Idee?

Nahverkehr vor Fernzüge: Bürger fordern Vorfahrt für S4

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Zum dritten Mal durften die Brucker im Rahmen einer Bürgerwerkstatt Vorschläge zum Verkehrsentwicklungsplan einbringen. Dabei kam auch eine neue Idee zur Sprache, wie man den viergleisigen Ausbau der S 4 forcieren könnte.

Fürstenfeldbruck – Seit Jahren kämpfen diverse Initiativen um den viergleisigen Ausbau der S 4 zwischen Pasing und Geltendorf – vergeblich. „Ich glaube, dass der Ausbau auf diese Weise nie geschehen wird“, mutmaßte einer der Teilnehmer der Bürgerwerkstatt zum Verkehrsentwicklungsplan. Sein Vorschlag: ein Strategiewechsel.

„Man sollte sich darum bemühen, dass auf dem Abschnitt zwischen Pasing und Geltendorf die S-Bahn in beide Richtungen Vorfahrt vor dem Fernverkehr bekommt“, schlug der Brucker vor. Bei einer anderen Veranstaltung habe er erfahren, dass rechtlich nichts dagegen spräche. „Der Vorteil wäre, dass dann der Fernverkehr den viergleisigen Ausbau fordern würde“, vermutet der Bürger. Der Staffelstab im Kampf um den Ausbau wäre damit abgegeben.

Gebhard Wulfhorst vom Büro ASV Wulfhorst, das an der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplanes beteiligt ist, hält das für einen interessanten Vorschlag, den man in den weiteren Prozess mitnehmen könne. Der Verkehrsexperte sieht sogar Chancen, die Idee realisieren zu können, da der Nahverkehr in öffentlicher Hand ist, der Fernverkehr dagegen privatwirtschaftlich arbeite.

Kritik an B 471-Ausbau

Zur Sprache kam auch der vom Bund geplante vierspurige Ausbau der B 471 zwischen Neu-Esting und Fürstenfeldbruck. Einer der rund 30 Teilnehmer der Bürgerwerkstatt im Stadtsaal hält diesen für kontraproduktiv, wenn man den öffentlichen Nahverkehr stärken will. Brucks Vizebürgermeister Christian Stangl (Grüne) erläuterte, dass eine weitere Spur eine Forderung des Bundes sei, wenn man den Fliegerhorst weiterentwickeln will.

Neben diesen Punkten durften die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt je drei Vorschläge zu den schon früher behandelten zehn Leitzielen bewerten. Auch ein bis zwei eigene Vorschläge zu diesen Punkten waren möglich. Unter anderem sollten die Bürger ihre Meinung zu einem Umbau des zentralen Abschnitts der Schöngeisinger Straße in einen Shared-Space-Bereich, zu einer Umsetzung von quartiersbezogenen Mobilitätsstationen und zu zusätzlichen Querungshilfen an viel befahrenen Straßen abgeben.

Einige der Bürger bemängelten, dass die Vorschläge zu wenig konkret seien. „Ich bin enttäuscht, dass hier alles recht oberflächlich behandelt wird“, sagte eine Teilnehmerin. Brucks Verkehrsplanerin Montserrat Miramontes meinte dazu: „Über einzelne Kreuzungen zu sprechen, würde den Rahmen hier sprengen.“

Werkstatt auch online

Ab sofort können die Bürger auch online konkretere Vorschläge einbringen. Unter diesem Link können die Fragebögen der Bürgerwerkstatt bis 6. Oktober im Netz ausgefüllt werden. Die Angaben der Bürger werden anschließend ausgewertet. Danach soll eine Abstimmung mit zuständigen Beiräten, aber auch mit den Nachbarkommunen erfolgen. Bis der Verkehrsentwicklungsplan steht und umgesetzt ist, wird es aber noch dauern. Kerstin Knuth von Green City Experience, die ebenfalls an der Planung beteiligt ist, nannte einen Zeithorizont bis 2030.

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