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Holde Tietze-Härtl warnt vor der Klimakrise.

Klimakrise soll nicht vergessen werden

Bund Naturschutz erstellt Wunschliste für den neuen Stadtrat

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Der Bund Naturschutz hat einige Projekte aufgelistet, bei denen der Stadtrat tätig werden soll. Das Spektrum ist vielfältig und reicht von Blühwiesen über Energiewende bis zum Verkehr.

Fürstenfeldbruck – Trotz Corona-Pandemie sollten die Stadträte auch die Biodiversitäts- und Klimakrise nicht außer Acht lassen, schreibt die stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbands im Bund Naturschutz (BN), Holde Tietze-Härtl, in einem Brief an die Stadträte. „Während wir hoffen dürfen, dass die Pandemie irgendwann zu Ende geht und unser Leben unter normalen Bedingungen weitergeht, ist die Biodiversitäts- und Klimakrise viel gefährlicher, weil unumkehrbar.“ Das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zeige, dass die Bürger einen Wandel in Sachen Naturschutz von der Politik einfordern. In sogenannten Wahlprüfsteinen haben die Spitzenkandidaten bereits ihre Position zu Themen formuliert. Nun schlägt der BN Themenfelder vor.

Blüh- und Grünflächen

Zur Sicherung der Artenvielfalt dienen die Blühwiesen. So schlägt der BN vor, das südliche Drittel der Ochsenwiese entlang der Bahn nicht als Parkplatz für Großveranstaltungen, sondern als Biotop aufzuwerten. Die Pflege solle die Stadt übernehmen. Für Großprojekte wie die Gartentage sind Verkehrskonzepte, zum Beispiel mit Shuttlebussen vom S-Bahnhof zum Kloster, vorzulegen. Ebenfalls eine Blühfläche wünscht der BN auf der Wiese zwischen Amperstausee, Schöngeisinger, Fürstenfelder Straße und Minigolfplatz – genauer gesagt zwischen Stifterwäldchen und Bolzplatz.

Der Grüngürtel im Westen und Norden der B 471 soll im Sinne der Artenvielfalt und des Klimaschutzes ausgestaltet werden. Tietze-Härtl spricht von einem Mosaik aus Blüh- und Streuobstwiesen, Biotopinseln, Tümpeln, Kiesflächen, Hecken und Sträuchern sowie Feldlerchenfenstern. Aus den städtischen Wäldern sollen Mischwälder werden.

In puncto Flächenversiegelung fordern die Naturschützer ein Flächenkatastar, um diese zu regulieren. Gerade im Hinblick auf die Bebauung des Fliegerhorstes stelle sich auch die Frage, welche Flächen entsiegelt und renaturiert werden könnten.

Baumschutz

Baumfällungen wie zuletzt an der Industriestraße hat der BN aufs Schärfste kritisiert. Daher fordert der Ortsverband eine Baumschutzverordnung im Stadtgebiet. „Nicht nur die Bürger, auch die Stadträte sind in der Pflicht.“

Gewässer

Weiterhin möchte der BN den „Nasenbach“ – der Amperarm vom Wehr am Schwimmbad in die Innenstadt – revitalisieren. Dieser ist in der Regel ausgetrocknet, so dass die Nasen – eine heimische Fischart – nicht mehr laichen können. Hierfür müssten die Stadtwerke das Wehr dauerhaft ein wenig öffnen, damit eine Mindestmenge an Wasser durchfließen kann.

Auch die alte Fischtreppe am Amperwehr sei nicht mehr nutzbar. Der BN schlägt vor, direkt am E-Werk eine neue Fischtreppe zu errichten, und bietet seine Zusammenarbeit an.

Viehmarktplatz

„Es läge uns sehr am Herzen, wenn der Stadtrat die Viehmarkt- Bebauung in den nächsten Jahren voranbringen könnte“, schreibt Tieze-Härtl. Denn daran hängen auch mögliche Verkehrsberuhigungen in der Schöngeisinger- und Pucher Straße. Der BN kritisiert, dass die Pläne immer wieder verschoben werden. Eine weitere Tiefgarage unter dem Südteil des Viehmarkts wird abgelehnt. Denn dort hätten die Naturschützer gerne einen kleinen Wald als grüne Oase – ein Ausgleich für die hohe Verdichtung der westlichen Innenstadt.

Energiewende

Im Jahr 2012 ist die Stadt dem Konvent der Bürgermeister beigetreten. Das Ziel: Bis 2020 sollen 35 Prozent des CO2-Ausstoßes eingespart werden. „Das Ziel wurde nicht im Ansatz erreicht“, schreibt Tietze-Härtl. Da helfe nur klimaneutrales Bauen, Photovoltaik und energetische Sanierung des Altbestandes.

Verkehr

Eine Verkehrswende sei nur umsetzbar, wenn pro Jahr ein Radprojekt umgesetzt wird – vorrangig an den Hauptverkehrsstraßen. Hier wird eine ganze Liste aufgeführt. Auch der Öffentliche Personennahverkehr müsse schneller, attraktiver und pünktlicher werden. Der BN unterstützt den viergleisigen Ausbau bis Fürstenfeldbruck und einen verkehrsberuhigten Bahnhofsvorbereich. Wichtig sei auch, die Busse durch Vorrangschaltung der Ampeln zu beschleunigen. Weiter auf der Wunschliste stehen Mobilitätsstationen und Radlverleih in Zusammenarbeit mit dem Landkreis.

Um all das zu realisieren, brauche die Stadt ein umweltfreundliches Verkehrskonzept – vor allem für die Innenstadt. Tietze-Härtl nennt verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche in der Schöngeisinger- und Pucher Straße sowie ein Parkraumkonzept für die Innenstadt. „Weiteren Überlegungen zu natur- und stadtzerstörenden Umfahrungsstraßen erteilen wir eine klare Absage.“

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