Da durfte der Bachchor noch in der Klosterkirche singen. Im Dezember will er im Stadtsaal auftreten.
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Da durfte der Philharmonische Chor Fürstenfeld noch in der Klosterkirche singen. Im Dezember will er im Stadtsaal auftreten.

Wie die Sänger darunter leiden

Brucker Chöre weiter zum Schweigen verdammt

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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In Zeiten von Corona kann es gefährlich sein, wenn viele Menschen in einem geschlossenen Raum gemeinsam singen. Die drei großen Brucker Chöre haben deshalb weiter Zwangspause. 

FürstenfeldbruckDie aktuelle Gemütsverfassung der Laiensänger kann Helga Lindner kaum in Worte fassen. „Das ist ganz schwer zu erklären – wie ein erzähltes Schnitzel“, sagt die Vorsitzende der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck. „Es hat mit Emotionen zu tun. Unser gemeinschaftliches Singen fehlt uns so sehr, man fühlt sich wie amputiert.“

Claudia Frisch vom Philharmonischen Chor berichtet Ähnliches. Auch sie bekommt immer wieder die Rückmeldung, wie sehr die Mitglieder Proben und Auftritte vermissen. „Für viele ist dieser Chor mehr als Singen.“ Manche sind über 40 Jahre dabei und empfinden die Sängerkollegen wie eine zweite Familie.

Der Brucker Bach-Chor und sein Orchester mussten kurz nach Beginn der Corona-Einschränkungen ihr traditionelles Karfreitagskonzert absagen. Fast 800 Zuschauer im Stadtsaal, auf der Bühne 100 Sänger plus Kinderchor – „das ging halt nicht“, sagt Vorstandsmitglied Maria Hammer. Bitter war das vor allem für die 18 Profimusiker, die der Bach-Chor als Unterstützung engagiert hatte. Auch Chorgemeinschaft und Philharmonischer Chor mussten bereits Auftritte absagen.

Problem Aerosole: Über den Atem gelangen Tröpfchen in die Raumluft

Helga Lindner

Helga Lindner betont, dass es ihr bei allem Bedauern nicht um eine unangemessene Lockerung der Beschränkungen geht. Ihr ist klar, dass das Risiko beim gemeinschaftlichen Singen nicht von der Hand zu weisen ist. Über den Atem der Sänger gelangen Tröpfchen und Schwebepartikel, sogenannte Aerosole, in die Raumluft. „Man muss davon ausgehen, dass die infektiösen Tröpfchen in der Ausatemluft eines Infizierten für längere Zeit in seiner Nähe verbleiben und auch über sehr viele Minuten noch im Raum schweben und wandern können“, schreibt Professor Dr. Markus M. Hess, Ärztlicher Leiter der Stimmklinik Hamburg, in einem Aufsatz zum Thema „Chor-Singen und Gesangsunterricht in Zeiten von Corona“.

Deshalb ist derzeit für alle Singen allein zu Haus angesagt. Die Chorgemeinschaft trifft sich seit Neuestem mit ihrem Leiter Hans Peter Pairott zur Online-Probe vor dem Computer. Für den Bach-Chor stellt Dirigent Gerd Guglhör immer neue Einsing-Videos auf die Vereins-Homepage. Andreas Obermayer, Leiter des Philharmonischen Chors, schickt Übungen, Hörbeispiele und neuerdings jeden Montag einen „Schlager der Woche“, ein eingängiges neues Lied, das jeder für sich einstudieren soll. Zur Orientierung spielt Obermayer die einzelnen Stimmen am Klavier ein.

Alle drei Chöre hoffen, gegen Ende des Jahres wieder auftreten zu dürfen. Alle drei haben ehrgeizige Projekte in der Pipeline, die auf die Bühne sollen. Der Bach-Chor will im Dezember im Stadtsaal die Oper „Der Mond“ von Carl Orff aufführen – zumindest, „wenn wir ab September wieder proben dürfen“, sagt Maria Hammer. Darauf hoffen alle.

Hoffen auf ein Konzert im Herbst

Die Chorgemeinschaft plant die „Friedensmesse“ von Karl Jenkins, „ein riesengroßes Konzert“ (Lindner) mit Orchester, einem Gast-Chor aus Ungarn, dem Kirchenchor aus Emmering und weiteren Mitwirkenden. Insgesamt würden 250 Akteure die Bühne des Stadtsaals bevölkern – zu viele, um die aktuellen Mindestabstände einzuhalten. Ob da der Aufführungstermin im November gehalten werden kann? „Es gibt eine Chance – wenn sich die Reproduktionszahlen dermaßen verringern, dass man es riskieren kann“, sagt Lindner. „Ansonsten muss es im nächsten Jahr sein.“

Claudia Frisch

Der Philharmonische Chor hofft, im Herbst in der Kirche St. Bernhard ein A-Capella-Konzert in kleiner Besetzung geben zu können. Außerdem müsste man dringend anfangen, die Faschingskonzerte 2021 zu planen – neun Monate Vorlauf für die aufwändigen Produktionen sind normal. Doch die Mühe könnte vergebens sein. „Damit wir im Februar im Sparkassensaal auftreten können, müsste sich eine Menge ändern“, sagt die Vorsitzende Claudia Frisch. Dennoch will man nicht gleich aufgeben. „Wenn es die Möglichkeit gibt, die Faschingskonzerte aufzuführen, wäre es dramatisch, wenn wir keins vorbereitet hätten.“

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