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Ausgleich: In seinem Garten baut Christian Götz Gemüse an und hält dort auch Hühner. 

Porträt 

Der Bürgermeister-Lehrling

Christian Götz ist seit Kurzem neuer Zweiter Bürgermeister in Bruck. In der Kommunalpolitik ist er schnell aufgestiegen. Seine BBV-Kollegen trauen ihm zu, bei der nächsten Wahl den Rathaus-Thron zu erobern. Und auch er selbst ist einer, der sich nicht verstecken will.

Fürstenfeldbruck – Anfang Juli, Kloster Fürstenfeld. 270 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sammeln sich an einem Vormittag im Kurfürstensaal. Bruck ist Gastgeber der diesjährigen Münchner Metropolkonferenz. Zu Beginn soll Landrat Thomas Karmasin reden. Beim Weg auf die Bühne verzichtet er auf die Treppe. Stattdessen hüpft er aufs Podest. Das wirkt jugendlich. Karmasin sagt, er vermeide bewusst das Wort „Wohnungsnot“. Es sei schließlich nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand, dafür zu sorgen, dass jeder Bundesbürger, der möchte, in der Region München wohnen könne.

Dann kommt Christian Götz. Als Gastgeber vertritt der 47-Jährige OB Erich Raff, der im Urlaub weilt. Für Götz ist es einer der ersten größeren Auftritte als Zweiter Bürgermeister. Doch von Nervosität merkt man nichts. Er hält sich kurz. Seine Rede hat es trotzdem in sich. Er greift Karmasin an. Er sagt, er sehe schon eine „Wohnungsnot“ in der Region. Außerdem mangle es an Gewerbeflächen. Und überhaupt habe er den Eindruck, dass die Stadt München das Umland vernachlässige. Das bleibt hängen, genauso wie sein Abgang: Götz springt geradeaus von der Bühne. Es sieht aus, als parodiere er den Landrat.

Man könnte nun sagen: Nicht schlecht so ein Auftritt gleich zu Beginn einer Amtszeit, der traut sich was. Oder aber man findet, da ist einer, der übers Ziel hinausschießt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Klar ist: Der neue Vize-Bürgermeister von Fürstenfeldbruck ist keiner, der sich versteckt. „Ich bin kein unsicherer Mensch“, sagt Götz. Negative Meinungen anderer sind ihm nicht so wichtig. Gleichzeitig charakterisiert er sich selbst als Teamplayer, wenn es um Problemlösungen geht. „Man muss ja nicht der große Zampano sein“, sagt Götz. Und trotzdem sorgt er mitunter für Aufsehen.

In der Kommunalpolitik ist Christian Götz schnell aufgestiegen

In der Kommunalpolitik ist er schnell aufgestiegen. Erst seit der Stadtratswahl vor drei Jahren sitzt er für die BBV im Kommunalparlament. In seiner Zeit als Stadtrat ist er zwar nicht mit häufigen Wortmeldungen aufgefallen, doch wenn, dann äußerte er sich klar und bestimmt – zum Beispiel als er die Verkehrssituation am Brucker Bahnhof deutlich kritisierte.

Nun als Vize will er mehr sein als ein Grüß-August auf Geburtstagen und Goldenen Hochzeiten. Mit dem neuen Amt erfährt er mehr Infos, ist in Arbeitsabläufe der Verwaltung eingebunden. Zum Beispiel nimmt er jede Woche an der Besprechung der Amtsleiter im Rathaus teil: „Man kriegt mehr mit, man kann mehr nachfragen“, sagt er. Das gefällt ihm.

Es hat ihm auch Spaß gemacht, OB Erich Raff während dessen Urlaub zu vertreten. Götz war der Chef im Rathaus. Gleichzeitig war er sich nicht zu schade, sich helfen zu lassen. Als er erstmals eine öffentliche Sitzung leitete, hat er Karin Geißler, die Dritte Bürgermeisterin von den Grünen, gebeten, sich zu ihm nach vorne zu setzen. Bei Fragen bezüglich des Ablaufs der Sitzung schaute er mehrmals zu ihr rüber oder sicherte sich ab. Er will keine Fehler machen. Expertise einholen und befolgen, damit habe er sicher kein Problem, sagt Götz. Vielleicht kommt ihm die Erfahrung noch zugute, die er jetzt als Zweiter Bürgermeister sammelt.

Die BBV spekuliert auf das Amt des Oberbürgermeisters

Die BBV spekuliert freilich auf das Amt des Oberbürgermeisters. Götz ist neben Tommy Beer der einzige jüngere Kopf in der Stadtrats-Fraktion. Perspektivisch dürfte der Gedanke lauten, Götz als möglichen OB-Kandidaten aufzubauen und zu profilieren. Deswegen hatte sich die BBV natürlich gekringelt bei dem Vorschlag der CSU zum Vize-Bürgermeister: Treuherzig hatten die Christsozialen damals die älteren Herrschaften Karl Danke, Klaus Quinten und Stadtrat-Urgestein Jens Streifeneder vorgeschlagen.

Schon bei diesem OB-Wahlkampf war eine Kandidatur an Götz herangetragen worden, damals hatte er noch abgelehnt. Und auch für die Zukunft stehe noch nichts fest, wie er betont. Erst einmal sei ja in drei Jahren eine Stadtratswahl. „Da werden die Karten neu gemischt“, sagt er.

Natürlich spielt auch die Familie bei derartigen Überlegungen eine Rolle. Für den Posten als Stellvertreter hat sich Götz pro Woche einen freien Tag im Büro genommen. Aber nicht nur bei seiner Arbeitsstelle, auch bei seiner Frau und den Kindern fragte er nach, bevor er für den Posten kandidierte. „Ich bin mit Leib und Seele Papa“, sagt der Vater von drei Kindern (zwölf, neun und vier Jahre alt). Seine Familie habe bei solchen Entscheidungen genauso viel Stimmrecht wie er selbst.

Als Politiker muss sich Götz profilieren. Das tut er, etwa wenn er bei der Metropolkonferenz vor hunderten Landräten, Bürgermeistern und Verwaltungsmitarbeitern aus der ganzen Region den Brucker Landrat politisch angreift. Oder aber, wenn er beim Thema Radschnellwege nach München Karmasin indirekt vorwirft, zu zimperlich zu agieren: „Man darf nicht auf die 2000 Leute warten, die dastehen und das einfordern“, sagt der Umweltplaner Götz , der selbst so oft es geht nach München in die Arbeit radelt. „Man muss das Radl als Verkehrsmittel begreifen und nicht nur als Gaudi.“ Die Politik müsse den Bürgern proaktiv Lösungen anbieten. Vorlegen und Gestalten – das würde dem direkten und energischen Götz natürlich gefallen.

Von Fabian Dilger und Thomas Radlmaier

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