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Das Kreisklinikum in Fürstenfeldbruck.

Fürstenfeldbruck

Corona-Bilanz: Dramatische Tage in der Klinik

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Fast 100 Corona-Patienten, 16 Tote und ein komplett umgekrempelter Betrieb: So sieht die Zwischenbilanz der Kreisklinik zur Corona-Krise aus. Ärzte, Pfleger und Management haben viel gelernt. Klinik und Landkreis hatten aber auch viel Glück.

Fürstenfeldbruck – Anmerken ließ sich der Klinik-Chef kaum etwas. Mit ruhiger Stimme und wohl gewählten Worten berichtete Alfons Groitl über die vergangenen Wochen im Krankenhaus – über Treffen von Krisenstäben, die Beschaffung von Schutzausrüstung, Rationierung von Desinfektionsmittel oder erkrankte Mitarbeiter. Die Pandemie hat Ärzte, Pfleger und Management teils an ihre Grenzen gebracht. Explizit ausgesprochen hat Groitl das nicht. Seine Zwischenbilanz ist aber eindeutig.

Es sind dramatische Tage Mitte März. Innerhalb kürzester Zeit muss die Klinik große Teile des Hauses frei räumen, Behandlungen absagen, Operationen verschieben. Intensivstation und Notaufnahme bekommen Verstärkung aus dem OP-Bereich und der Anästhesie. Die Mitarbeiter müssen sich in kürzester Zeit auf die neue Situation einstellen. Vor der Notaufnahme werden ein Sanitäts-Container und ein Zelt aufgestellt. Schutzkleidung und Masken werden knapp. Täglich wird der Bestand überprüft, genauso oft tagt ein Krisenstab.

96 Menschen werden in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck stationär behandelt

Das große Grauen, wie es TV-Bilder aus Italien zeigen, bleibt zum Glück aus. Doch das Virus hat auch die Kreisklinik fest im Griff. Insgesamt werden im Landkreis bis Ende Juni 923 Menschen positiv getestet. Stationär werden 96 behandelt, auf der Intensivstation landen 17 Patienten. Neun von ihnen müssen künstlich beatmet werden. Für 16 Menschen gibt es keine Rettung mehr.

Weltweit müssen zwölf bis 20 Prozent der Erkrankten stationär behandelt werden, in Fürstenfeldbruck waren es 10,4. 25 Prozent davon benötigen im globalen Vergleich eine Intensivtherapie, in der Kreisklinik waren es 18. Die Sterblichkeit der Intensivpatienten lag dort mit 41 Prozent am unteren Ende der Durchschnittswerte.

Gewinn an Erkenntnissen in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck

Angesichts dieser Zahlen fällt es schwer, von Glück zu sprechen. Doch das hatten die Klinik und der gesamte Kreis, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Florian Weis. Durch den frühen Corona-Ausbruch bei der Stockdorfer Firma Webasto habe man früh die Möglichkeit zu Tests und zur Nachverfolgung von Infektionsketten geschaffen.

Der Mediziner berichtet zudem von einem enormen Gewinn an Erkenntnissen. „Wir haben jeden Tag dazu gelernt.“ Und auch menschlich habe die Krise die Mitarbeiter in der Klinik enger zusammengeschweißt. „Die Solidarität unter Ärzten und Pflegern war riesig.“

Wie groß deren Belastung ist, erlebt Wilhelm Huber täglich mit. Der Pflegedirektor berichtet von großen Personalumschichtungen. Und davon, dass immer wieder Mitarbeiter in Quarantäne mussten. Um zu verhindern, dass sich Personal unbemerkt infiziert und dann Patienten ansteckt, wird in der Unfall-Chirurgie eine Corona-Ambulanz für Mitarbeiter eingerichtet. Knapp 400 Tests werden durchgeführt. 19 davon sind positiv. Ein Mitarbeiter erkrankt schwer.

Wirtschaftlich trifft die Pandemie die Klinik hart. Die vom Bund versprochenen Kompensationen würden nur einen Teil abdecken. Die Zukunft sehe nicht rosig aus. Weniger belegbare Betten und mehr Personal würden für höhere Kosten sorgen.

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