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Corona-Demo: Mehr Zulauf, aber auch Gegenwind

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Gegendemonstranten zeigten Plakate.
Gegendemonstranten zeigten Plakate. © Weber

Erneut sind am Montagabend etliche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. In Fürstenfeldbruck ist die Zahl der so genannten Spaziergänger nochmal deutlich gestiegen – erstmals trafen sie auf Gegendemonstranten.

Fürstenfeldbruck – Die knapp 800 Gegner der Corona-Maßnahmen tarnten ihre Versammlung in Bruck wie gewohnt als Spaziergang. Die Aktion war bei den Behörden nicht angemeldet – die Gegendemo dagegen schon. An letzterer beteiligten sich laut Polizei um die 80 Personen. Sie standen am Volksfestplatz still Spalier und hielten Plakate vor sich, als die so genannten Spaziergänger aufbrachen.

Plakate in freundlichem Ton abgefasst

Organisiert hatte die Gegendemo Klubhouse-Betreiber und Stadtrat Florian Weber. Er habe Freunde und Bekannte mobilisiert, erzählte er. Sie alle stünden für das Gegenteil von Querdenkern. „Bitte lasst euch impfen – ich will meine Gaststätte wieder öffnen und euch als Gäste begrüßen“, „Mut zur Impfung, damit Konzerte wieder stattfinden können“, oder „Impfen schützt dich vor Infektionen – Solidarität nur denen, die sich nicht impfen lassen können“ stand auf den Plakaten. Auf dem stockdunklen Volksfestplatz kam es zu vereinzelten Debatten zwischen den beiden Lagern. Diese blieben friedlich.

An die 800 Gegner der Corona-Maßnahmen marschierten durch Bruck.
An die 800 Gegner der Corona-Maßnahmen marschierten durch Bruck. © Weber

Polizei ermahnt Teilnehmer

Danach zogen die Gegner der Corona-Maßnahmen durch die Innenstadt von Fürstenfeldbruck. Gekeife, Getrillere und Geschrei begleitete den Zug. Polizisten, die auf Ruhe drängten, hatten stets auch ein wachsames Auge auf die Fotografen der Lokalpresse, um diese vor denkbaren Übergriffen zu schützen. Wiederholt mussten die Beamten zudem die so genannten Spaziergänger auf die Einhaltung der Abstandsregeln hinweisen. Eine 22-jährige Münchnerin klebte Flyer an Straßenlaternen. Dies gilt als Sachbeschädigung und wird der Staatsanwaltschaft vorgelegt.

Sorge um Sicherheit und Appell

Insgesamt sei der Aufzug aus polizeilicher Sicht aber weitgehend störungsfrei verlaufen, heißt es. Man habe nur vereinzelt den Straßenverkehr reguliert, damit es zu keinen gefährlichen Situationen kam. Versammlungsteilnehmer wurden aufgefordert, sich an die Verkehrsregeln zu halten und Fußwege zu nutzen. Am Hauptplatz stauten sich die Fußgänger wiederholt an roten Ampeln. Polizeioberrätin Nina Vallentin, Leiterin der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck betonte, dass die Dienststelle auf die Versammlungslagen gut vorbereitet gewesen sei. „Wir appellieren dennoch an die Veranstalter der unangemeldeten Versammlung, diese vorab anzuzeigen und mit den Behörden den Ablauf zu besprechen, wie es das Versammlungsrecht vorsieht.“

Zunehmender Demo-Tourismus

Der Fürstenfeldbrucker OB Erich Raff war am Montag wieder vor Ort dabei. Nach seiner Beobachtung stammte mindestens die Hälfte der so genannten Spaziergänger nicht aus der Stadt. Der Rathauschef würde die Erlassung einer Allgemeinverfügung mit genau festgelegten Hygieneregeln für das Stadtgebiet begrüßen, um die Proteste einzudämmen. Damit würde man den Leuten klar sagen: „Ihr bewegt Euch auf rechtsfreiem Raum.“ Andererseits habe eine Verfügung keinen Sinn, wenn man sie nicht durchsetzen könne, so Raff.

Gegensteuern ist schwierig

Auch Landrat Thomas Karmasin steht so einer Verfügung, die anderenorts bereits erlassen wurde, skeptisch gegenüber. Dabei dürfte die Frage der Durchsetzbarkeit zumindest vordergründig kein Gegenargument sein. Allerdings könne man nicht scharf darauf sein, eine noch schwierigere Situation mit Gewalt herbeizuführen.

Ein generelles Verbot der sogenannten Spaziergänge hält Karmasin für juristisch nicht haltbar. Nach einer wohl erfolgreichen Klage dagegen, „würden die noch mehr aufdrehen“, meinte er. Ärgerlich sei, dass auf diese Weise die Polizei beschäftigt werde, die genug anderes zu tun habe.

Friedlich verlief laut Polizei der Corona-Spaziergang rund ums Gröbenzeller Rathaus. Sogar die Abstände seien von den etwa 60 Teilnehmern überwiegend eingehalten worden. In Germering waren über 100 Corona-Gegner unterwegs. Die Polizei registrierte keine Zwischenfälle. Unklar ist unterdessen, ob es in Bruck eine weitere Gegendemo geben wird. Mit seiner Aktion an diesem Montag war Stadtrat Florian Weber aber sehr zufrieden.

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