Hoffen auf viele Stimmen (v.l.): Monika Fritz, Marlene Wolf, Ricarda Prenzel, Martina Nusser, Monika Märk, Monika Graf, Sabine Rose, Susanne Ruhland, Elke Raff und Katrin Birkmann vom Organisationsteam der Corona-Nachbarschaftshilfe.
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Hoffen auf viele Stimmen (v.l.): Monika Fritz, Marlene Wolf, Ricarda Prenzel, Martina Nusser, Monika Märk, Monika Graf, Sabine Rose, Susanne Ruhland, Elke Raff und Katrin Birkmann vom Organisationsteam der Corona-Nachbarschaftshilfe.

Fürstenfeldbruck

Corona-Helfer für Preis nominiert - jetzt hoffen sie auf viele Unterstützer-Stimmen

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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Seit dem Lockdown unterstützt die Corona-Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck die Bürger. Aus einer kleinen Facebook-Gruppe ist ein riesiges Netzwerk mit über 1600 Helfern geworden. Der Dank für die unzähligen Einsatzstunden: Die Gruppe ist für den Deutschen Nachbarschaftspreis nominiert. Nun zählt jede Stimme.

  • Eine Bruckerin hat vor Monaten eine Corona-Hilfe gegründet
  • Die Gruppe fand großen Zulauf
  • Jetzt könnte sie einen Preis bekommen

Fürstenfeldbruck – Es ist der Abend des 12. März: Monika Graf verfolgt die Nachrichten. Es ist absehbar, dass die Schulen und Kindergärten geschlossen werden – der Lockdown steht unmittelbar bevor. Man muss etwas tun, denkt sich die Eventregisseurin. Ihre Branche hat keine Arbeit, sie hat Zeit. „Ich dachte mir, ich richte eine Facebookgruppe für die Stadt und den Landkreis ein, wo sich Menschen melden können, die Hilfe brauchen und geben möchten.“

Um 21.30 Uhr drückt sie den Startknopf. „Über Nacht ist es explodiert.“ 350 Helfer haben sich gemeldet. Die ersten Anfragen laufen ein. Menschen, die zum Arzt müssen, jemand für den Einkauf suchen, Fragen haben. Auch die Personalabteilung des Brucker Klinikums ist dabei. Denn ohne Schule und Kita haben Ärzte und Krankenschwestern niemanden mehr, der sich um ihre Kinder kümmert. „Die Notbetreuung war angekündigt, aber ein paar Stunden reichten nicht aus“, sagt Monika Graf. 17 Kinderbetreuer – alles Privatpersonen – melden sich spontan.

Erleichterung für Klinik

Sie betreuen die Mädchen und Buben – natürlich immer in gleichbleibenden Gruppen, wie es die Corona-Bedingungen fordern. Für das Krankenhaus ist das eine riesige Erleichterung. Nun kann das Personal in Ruhe weiter arbeiten.

Eigentlich will Monika Graf nur eine Plattform bieten. Doch nach vier Tagen ist ihr klar, das reicht nicht. Über 1000 Helfer bieten ihre Dienste an. Also schaltet sie eine Telefonhotline, bei der es bald rund geht. Die 43-Jährige ist die „Einsatzzentrale“, wie sie sich mit einem Lachen bezeichnet, die Helfer warten nur auf ihren Anruf. Sie weiß, dass sie jeden nachts um eins aus dem Bett klingeln kann, um in der Notapotheke ein Medikament zu holen und zum Patienten zu bringen.

Eines ist Monika Graf wichtig: „Das Ganze ist eine Gruppenleistung. Es hätte nichts gebracht, wenn ich das alleine gemacht hätte.“ 1600 Frauen und Männer – vom Student bis zum Senior – haben bis jetzt rund 6500 Stunden ehrenamtlich gearbeitet. 28 Institutionen und über 2000 Einzelhilfsaktionen kann sie aufzählen. Die Freiwilligen fahren Senioren und Risikopatienten zum Arzt, gehen Einkaufen, führen Hunde Gassi, und telefonieren mit Menschen, die sonst vereinsamen würden – und das mehrmals in der Woche. Und sie beraten bei allen möglichen Fragen. „Ich kenne mich jetzt aus mit Pflegegraden und Sozialanträgen“, sagt Graf.

Kittel für die Pfleger

Dann werden in den Alten- und Pflegeheimen die Kittel knapp. Auch hier zögert die Corona-Nachbarschaftshilfe nicht. Es müssen Kittel genäht werden. Menschen aus dem ganzen Landkreis spenden 1,8 Tonnen an Stoffen. „Ich glaube, es gibt keine alte Bettwäsche mehr in den Kleiderschränken“, sagt Monika Graf. Nach und nach werden Klinik, Pflegeeinrichtungen und Nachbarschaftshilfen ausgestattet. Bei jeder Patientenrückführung gibt es zwölf Kittel obendrauf. „Es ist unfassbar, was geleistet wird.“

Bei ihrem Einsatz spüren alle Helfer die Dankbarkeit ihrer Schützlinge. Was Graf noch mehr fasziniert, ist die Freude der Helfer selbst. „Sie sind so dankbar, dass sie eine Chance haben, etwas zu tun und nicht ohnmächtig zu sein.“ Viele erzählen ihr, welche netten Menschen sie kennengelernt haben. „Jetzt kann ich entspannt aufs Alter schauen“, meinte etwa eine Helferin, die einen 95-Jährigen zum Arzt fährt.

Umso mehr freut sich das Team über die Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis. Das Brucker Rathaus hat die Bürgergruppe vorgeschlagen, sie musste nur die Bewerbungsunterlagen liefern. „Wir konnten es gar nicht glauben“, sagt Graf. Die Bewerbungsurkunde ist schon angekommen. „Jetzt schauen wir, dass wir den Pott nach Bruck holen.“

Preisgeld täte gut

Und auch das Preisgeld täte der Gruppe gut. Denn alles Engagement war – bis auf Unterstützung der Bürgerstiftung für den Landkreis und Spenden für Nähbedarf – bisher Eigenleistung. Und auch wenn die Corona-Pandemie einmal überstanden sein wird, soll es die bürgerliche Nachbarschaftshilfe weitergeben. Denn auch bei niedrigen Infektionszahlen klingelt das Telefon weiter. Die Senioren können weiter auf Betreuung setzen. Monika Graf und ihre Helfer versprechen: „Es wird weitergehen.“

Abstimmen

kann man ab Dienstag, 22. September über den Link https://www.nachbarschaftspreis.de/de/publikumspreis/. Weitere Infos findet man auf der Internetseite www.corona-ffb.de. Dort steht auch die Nummer der Hotline.

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