Im Impfzentrum in der Buchenau ließ sich auch Dr. Wolfgang Decker pieksen. Er leitete früher die Kreisklinik. 	Foto: weber
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Im Impfzentrum in der Buchenau ließ sich auch Dr. Wolfgang Decker pieksen. Er leitete früher die Kreisklinik.

Fürstenfeldbruck

Impfungen schreiten langsam voran

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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  • Andreas Schwarzbauer
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In Altenheimen und im Zentrum in der Buchenau sind die Impfungen über die Feiertage weiter gegangen. Das Rote Kreuz hat an Silvester beispielsweise 95 Bewohner und Mitarbeiter des stark betroffenen Altenheims St. Anton in Gröbenzell gegen das Coronavirus immunisiert.

Fürstenfeldbruck/Gröbenzell – Else Feil sitzt mit freiem Oberarm auf einem Stuhl in der Cafeteria des Caritas-Altenheims St. Anton in Gröbenzell. Jan Okroy vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) verabreicht ihr eine Spritze. Die 86-Jährige lässt sich gegen das Coronavirus impfen. 44 Bewohner und 51 Mitarbeiter haben sich für die Impfung am Silvestertag freiwillig gemeldet. „Es besteht eine hohe Impfbereitschaft von rund 90 Prozent“, sagt Caritas-Sprecherin Bettina Bäumlisberger. Ein Grund sei vermutlich, dass im November fast 100 Bewohner und Mitarbeiter in dem Seniorenheim an Corona erkrankten. Insgesamt 18 Senioren mit Vorerkrankungen starben an oder mit Corona.

Auch Feil erzählt: „Meine Tischnachbarin beim Essen hat es auch erwischt und sie ist verstorben.“ Deshalb und weil sie hofft, dass sich so langsam alles wieder normalisiert, hat sie sich für die Impfung entschieden. Eleonore Börner wurde als erste Bewohnerin geimpft und wünscht sich, dass es nun wieder Besuchserleichterungen gibt. Derzeit dürfen Angehörige nur mit einem negativen Schnelltest und Maske in das Heim. „Ich empfinde das als schlimm“, sagt Börner. Ilona Wowereit wiederum erklärt: „Für mich ist es eine Vorsichtsmaßnahme, damit ich nicht an Corona erkranke.“ Eine weitere Bewohnerin sagt, dass ihr Sohn sie gebeten habe, sich impfen zu lassen. „Alle, die geimpft werden wollen, werden geimpft“, sagt Heimleiterin Susanne Uhl. Nur die Corona-Patienten seien noch nicht dran, da sie schon Antikörper hätten. Für die Mitarbeiter bedeutete die Impfaktion einen großen Organisationsaufwand. An den Weihnachtsfeiertagen mussten sie zwei Impfräume vorbereiten, die Bewohner aufklären und Corona-Schnelltests machen. Am Silvestertag selbst holen sie die Senioren in ihren Zimmern ab, begleiten sie zur Impfung und überwachen anschließend, ob es zu Impfreaktionen kommt.

Kritik an Eile

Caritas-Geschäftsführerin Doris Schneider, zuständig für 27 Altenheime in München und Oberbayern, begrüßt die Impfung zwar, kritisiert aber auch: „Der zeitliche und politische Druck hat es zu einer großen Herausforderung gemacht. Viele Leute, die eigentlich mal Ruhe gebraucht hätten, haben sich an den Weihnachtstagen engagiert.“ Schneider hätte es begrüßt, wenn die Impfungen erst im neuen Jahr gestartet wären. „Dann hätten wir eine Woche mehr Vorbereitungszeit gehabt und es wäre entspannter gewesen.“ Auch Heimleiterin Susanne Uhl spricht von einem „riesigen Aufwand“. Sie selbst lässt sich ebenfalls impfen: „Ich will einfach wieder normal leben und ein Vorbild für die Bewohner und meine Mitarbeiter sein“, sagt sie. Auch Pflegedienstleiterin Isabell Zimmermann sagt: „Der Wahnsinn sollte irgendwann ein Ende haben. Umso mehr sich impfen lassen, umso schneller geht es zurück zur Normalität.“

Die Impfaktion sei bisher reibungslos verlaufen, berichtet Okroy vom BRK am späten Vormittag. Bisher habe es bei niemandem eine Impfreaktion gegeben. Der Notfallsanitäter hat sich freiwillig für den Einsatz gemeldet. „Es ist eine schöne Geschichte, jemandem die lang ersehnte Impfung zu geben. Die Leute freuen sich, dass es endlich losgeht.“ In zwei bis drei Wochen wird das BRK-Team nochmal für die zweite Impfung vorbeikommen.

Auch im Senioren-Zentrum Maria Magdalena in Germering klang das alte Jahr mit den Impfungen gegen Covid-19 aus. Am Silvestertag wurden Bewohner sowie Mitarbeiter geimpft. Einrichtungsleiter Gero Engel: „Mit der Impfung gehen wir einen weiteren Schritt bei der Bekämpfung der Pandemie.“ Bislang sei es gelungen, die Bewohner im Senioren-Zentrum Maria Magdalena vor dem Corona-Virus schützen, sagt Engel. „Jetzt bitten wir alle Angehörigen um Verständnis dafür, dass alle Hygienemaßnahmen dennoch bis auf Weiteres in Kraft bleiben müssen.“

Im Impfzentrum in der Buchenau gab es zum Start am Neujahrstag ein Jubiläum: Der 1000. Landkreisbürger wurde geimpft. Insgesamt erhielten an Neujahr 160 Menschen ihre Impfung. Weitere werden folgen – vorerst bis 4. Januar. „Bis dahin reicht der Impfstoff“, sagt der ärztliche Leiter Matthias Skrzypczak. Nachschub wird spätestens am kommenden Wochenende erwartet.

Hotline geschlossen

Prinzipiell sind alle über 80-jährigen Bürger des Landkreises berechtigt, geimpft zu werden. Bis zum 31. Dezember haben die mobilen Teams 800 Impfungen in den Pflegeeinrichtungen des Landkreises durchgeführt. Ab dem 1. Januar 2021 wird dann parallel auch im stationären Impfzentrum gegen das Virus geimpft. „Dabei liegen wir im Plan, was den Beginn der Impfzahlen angeht“, so BRK-Sprecherin Anette Menke.

Ausgebremst würden derzeit jedoch die Anstrengungen durch die Verzögerung der Anlieferung des Impfstoffes und die damit verbundene Schließung der Hotline. „Leider ist derzeit keine Terminvereinbarung möglich, da sich die regelmäßige Lieferung des Impfstoffes im Januar verzögert.“

Bis zum 4. Januar seien aber 550 Impftermine im Zentrum gesichert. Menke: „Sobald wir wissen, wann die nächsten Impfungen stattfinden können, schalten wir die Hotline wieder frei und können sehr kurzfristig Termine vergeben.“ Das BRK weist auch nochmal darauf hin, dass im Impfzentrum vor Ort keine Termine vereinbart werden können. Das BRK möchte vermeiden, dass sich die Bürger unnötig auf den Weg ins Impfzentrum machen. Es können keine spontanen Impfungen stattfinden, persönliche Vorsprachen sind ebenfalls nicht möglich.

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