Das Asylheim in Eichenau.
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Das Asylheim in Eichenau.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Auch wegen der Corona-Pandemie: Knifflige Platzverteilung in Asylheimen

Mehr Platz für Asylbewerber in den Unterkünften: Das fordert der Integrationsbeauftragte des Kreistags. Er wirft dem Landratsamt vor, Geflüchtete unter viel zu engen Umständen unterzubringen. Das Ausländeramt tritt dem entgegen.

Fürstenfeldbruck - Hans Sautmann wirft dem Landratsamt vor, die Belegungsdichte in den Heimen im vergangenen Jahr trotz der Corona-Pandemie sogar noch erhöht zu haben. Sozial- und Lernräume seien in Wohnräume umgewandelt worden – und dann seien in diesen eng belegten Räumen auch noch von Corona betroffene Asylbewerber in Quarantäne gesetzt worden.

Sautmann bezieht sich in seiner Kritik auf die Belegungsrichtlinie des bayerischen Innenministeriums für eine nach zeitgemäßen humanitären Maßstäben angemessene Unterbringung von Asylbewerbern. Darin sei vorgesehen, dass pro vorgehaltenem Platz eine durchschnittliche Wohn-/Schlafraumfläche von sieben Quadratmetern nicht unterschritten werden soll.

Vorgaben des Innenministeriums

Ferner heißt es dort: „Sofern in der Unterkunft Kinder untergebracht sind, sind zusätzlich ein Spielzimmer in ausreichender Größe (…) sowie Räumlichkeiten für die Erledigung der Hausaufgaben vorzusehen.“ (…) „Weitere Räumlichkeiten (…) sollen insbesondere für die Flüchtlings- und Integrationsberatung sowie für ehrenamtliches Engagement zur Verfügung gestellt werden.“

Diese Vorgaben würden in den Unterkünften des Landkreises nicht erfüllt, sagt Sautmann. Auf entsprechende Anfragen beim Landratsamt hätten die Verantwortlichen aber keine Verbesserungen auf den Weg gebracht.

Eine Sprecherin des Landratsamts weist die Kritik allerdings zurück. Wo genau die Richtlinie eingehalten wird und wo nicht, könne man jetzt noch gar nicht sagen. „Wir sind gerade dabei, alles zu vermessen.“ Ganz so einfach seien die Regeln nicht, weil auch berücksichtigt werden müsse, wie viel Raum jemand benutzen könne. Vielleicht gebe es Bereiche, wo die Situation hinsichtlich der Belegungsrichtlinie nicht ganz ok sei. Aber da sei man dran. Sozialräume seien übrigens teils sehr wohl wieder als solche nutzbar. Das sei allein wegen des Home-Schoolings wichtig.

Heime für Infizierte

Die Sprecherin erinnert an die drei Unterkünfte, die man für Corona-Infizierte als Quarantäne-Heime geschaffen habe. Jetzt seien sie so gut wie leer, 2020 sei das anders gewesen. Das System habe gut funktioniert. Allerdings sei es für die Mitarbeiter sehr aufwändig gewesen, weil die Asylbwerber in den Quarantäne-Heimen ja hotelartig versorgt werden mussten. Daher sei die Umsetzung der Richtlinie nicht so schnell möglich gewesen.

Insgesamt betreibt der Landkreis derzeit 37 Asylunterkünfte in verschiedenen Gemeinden. Im Jahr 2015 waren es sogar über 100. 2020 seien acht Unterkünfte weggefallen, aber auch drei neue dazugekommen. Vier der acht seien allerdings jetzt privat an Flüchtlinge vermietet, die dort vorher als Fehlbeleger gewohnt hatten. In anderen Fällen hätten Vermieter den Vertrag nicht verlängert. Ein Haus sei außerdem abgerissen worden.

50 Prozent Fehlbeleger

Insgesamt sind 50 Prozent der Asylbewerber in den Landkreis-Heimen sogenannte Fehlbeleger. Das heißt: Sie dürfen in Deutschland bleiben und müssten die staatlichen Unterkünfte eigentlich verlassen, finden aber keine Wohnung. Daher dürfen sie bleiben, weil ihnen sonst Obdachlosigkeit drohen würde. Diese Fehlbeleger werden teils noch in die Aufnahme-Quote eingerechnet – aber das ist zeitlich befristet.

Im Moment übererfüllt der Kreis seine Quote deutlich (140 Prozent), da auch die rund 1000 Plätze am Fliegerhorst eingerechnet werden. Fällt das Ankerzentrum dereinst weg, wird es eng mit der Quote – und neue Zuweisungen gibt es immer wieder, etwa im Rahmen des Familiennachzugs. Wobei der Landkreis sich hier soweit möglich weigert, die Nachkommenden in den Heimen aufzunehmen.

In einem sind sich Sautmann und die Sprecherin komplett einig: Die Objektbetreuer haben 2020 in der Corona-Pandemie Außerordentliches geleistet, als es darum ging, Menschen mit Nahrung und den Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen.

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