So könnten die Schnelltests ablaufen: Dr. Stefan Gross und sein Team führten am Parkplatz des Veranstaltungsforums einen Probelauf durch.
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So könnten die Schnelltests ablaufen: Dr. Stefan Gross und sein Team führten am Parkplatz des Veranstaltungsforums einen Probelauf durch.

Fürstenfeldbruck

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Stadt tüftelt an Schnelltest-Konzept

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Fürstenfeldbruck möchte eine Corona-Modellstadt in Bayern werden. Doch auch wenn das nicht klappt, will man Schnellteststationen aufbauen.

Fürstenfeldbruck – Ein erster Testlauf am Parkplatz des Veranstaltungsforums war erfolgreich. Über eine Software und einen QR-Code ließe sich auch ein Tagesticket für einen Kultur- oder Lokalbesuch realisieren. Über die Ostertage ist viel passiert in der Stadt. Alle ziehen an einem Strang: Vertreter der Stadt und des Stadtrats und auch Fachleute und Ärzte. Zum einen wurde die Bewerbung als eine von acht Modellstädten in Bayern abgegeben, um Corona-Lockerungskonzepte auszuprobieren – nach dem Vorbild Tübingen. Zum anderen stellen das HNO-Zentrum und die Firma „Die Systementwickler“ von Markus Ströhle eine Schnellteststation am Veranstaltungsforum auf die Beine.

Das Modell-Konzept strickten die Stadträte Andreas Lohde (CSU), Jan Halbauer (Grüne), Christian Götz und Andreas Rothenberger (BBV), OB Erich Raff sowie Ströhle, HNO-Ärzte und Fachleute bei einem Treffen am Gründonnerstag. Eine Woche Zeit war für die Ausarbeitung des mehrseitigen Konzepts nach den Anforderungen eines fünfseitigen Leistungskatalogs – und das über Ostern. Sportlich, sagt Lohde. „Aber wir haben uns nicht abschrecken lassen.“ Am Dienstag wurde die Bewerbung fristgerecht eingereicht.

Die Teststation

Die Teststation kommt in jedem Fall – unabhängig vom Zuschlag als Modellstadt. Das Projekt entstand durch Zufall, wie Dr. Sandra Kainzinger vom HNO-Zentrum erzählt. Im Gespräch mit einer Bekannten, der Schauspielerin Christina Schmiedel, war man sich einig, man müsste etwas tun. Doch für einen war das kaum zu stemmen. Schmiedel knüpfte den Kontakt zu Markus Ströhle und brachte ihn und die Ärzte an einen Tisch. „Die Aufgaben wurden verteilt und es erschien machbar“, erzählt Kainzinger. Die Idee trugen sie auch OB Erich Raff vor und liefen offene Türen ein.

Ströhle entwickelte eine Software – die über alle Endgeräte funktioniert und nicht nur als App. Die Nutzer können sich mit ihren Daten anmelden und sich über einen QR-Code authentifizieren. „Innerhalb von 15 Minuten wird das Ergebnis mitgeteilt“, erklärt Ströhle. Und sie lässt sich um ein Tagesticket erweitern: „Der Nutzer erhält auch einen QR-Code, der etwa am Eingang von Restaurants, Konzertsälen oder anderen Lokalitäten gescannt werden kann.“ Damit wären Besuche möglich – wenn die Inzidenz das zulassen würde und das Landratsamt das auch genehmigt.

Am Mittwoch vor Ostern gab es auf dem Veranstaltungsforums-Parkplatz einen ersten Testlauf der Drive-in-Station. „Es hat super funktioniert“, sagt Sandra Kainzinger. Voraussichtlich am Montag soll die Teststation erstmals öffnen. Noch gilt es, Details zu klären. Das THW muss das Zelt aufstellen. Und man muss Personal anlernen. Hier habe die Corona Nachbarschaftshilfe bereits Freiwillige mobilisiert, so Kainzinger. 50 Tests pro Person und Stunde könne man machen, schätzt sie. Doch gestartet wird erstmal langsam, um zu sehen, wie der Bedarf ist.

Modellstadt

„Wir werden schauen, wo wir in Fürstenfeldbruck weitere Stationen aufbauen können“, sagt Raff. So wie es der Stadtrat auch beschlossen hat. Im Konzept sind als Optionen eine Immobilie an der Hauptstraße und der Volksfestplatz aufgeführt. Denn als Modellstadt müssten zehn Prozent der Bevölkerung pro Tag getestet werden – das sind um die 3800 Einwohner. Und das sei mit großen Kosten verbunden, so Raff.

Als Testbereich wurde die Innenstadt plus Fürstenfeld gewählt. Man sei mit Ehemaligen des Flugmedizinischen Instituts am Fliegerhorst im Gespräch, um genug Helfer zu haben, berichtet Lohde. Und auch mit Landrat Thomas Karmasin sei man im Austausch, ergänzt Halbauer. Denn das Gesundheitsamt muss die Nachverfolgung der Kontaktpersonen stemmen. „Mehr Tests bedeuten auch mehr positive Ergebnisse.“ Hier könnte Personal vom Veranstaltungsforum einspringen. Auch eine wissenschaftliche Begleitung über die Uni Augsburg ist geplant.

In zwei Wochen fällt die Entscheidung im Gesundheitsministerium, ob die Stadt den Zuschlag bekommt. „Es wäre eine Auszeichnung, aber auch eine große Herausforderung“, sagt Raff. Doch auch bei einem Nein wollen die Beteiligten weitermachen. Denn gescheitert sei das Modell Tübingen nicht – trotz inzwischen steigender Inzidenz, sagt Halbauer. Man wolle sich nicht von Lockdown zu Lockdown hangeln. „Wir wollen mit dem Konzept sichere Perspektiven geben.“ Selbst wenn die Inzidenz Öffnungen derzeit nicht zulasse, habe man etwas in der Schublade, ergänzt Lohde. Damit vielleicht im Sommer wieder Biergarten-, Konzert- und Museumsbesuche möglich sind.

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