Glasfaserkabel sorgen für schnellen Zugang ins Netz. Die Schulen müssen sich aber noch gedulden. symbolFoto: dpa
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Glasfaserkabel sorgen für schnellen Zugang ins Netz. Die Schulen müssen sich aber noch gedulden.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Schulen warten weiter aufs Turbo-Internet

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Bis die Schulen des Landkreises ans Glasfasernetz angeschlossen sind, wird noch einige Zeit vergehen. Eine erste Ausschreibung der Arbeiten verlief im Sande. Jetzt gibt es einen zweiten Anlauf. Ergebnisse gibt es wohl erst in vier Monaten.

Fürstenfeldbruck - Es ist nicht so, dass die Schulen über keine Internet-Verbindungen verfügten. Oftmals reicht die vorhandene Bandbreite aber nicht aus, um den Anforderungen gerade jetzt in Zeiten des teilweisen Digitalunterrichts gerecht zu werden. Der Landkreis wollte seine 17 Schulen daher mit schnelleren Glasfaser-Verbindungen ausstatten. Das ist aber nicht so einfach, wie ein Sprecher der Bauverwaltung jetzt auf Nachfrage von Kreisrätin Sandra Meissner (FW) berichtete.

Die Anschlüsse seien ausgeschrieben worden, nur zwei von vier Anbietern hätten sich für den Auftrag interessiert. Schließlich habe sich herausgestellt, dass die Angebote ungültig waren. Sie entsprachen nicht den inhaltlichen Erwartungen. Ums Geld ging es nicht. Das heißt: Die Ausschreibung muss wiederholt werden. Und das dauert – Ergebnisse werden wohl in vier Monaten vorliegen. „Wir hätten es gerne abgekürzt. Aber dann würden wir Fördergelder verlieren“, sagte der Sprecher. Ein Teil des Problems sei die Auslastung der Anbieter. Zwischen Auftragserteilung und Auftragserfüllung lägen 45 bis 60 Wochen – selbst nach der neuen Ausschreibung also dauert es.

CSU-Sprecher Emanuel Staffler bezeichnete es als höchstbedauerlich, dass es jetzt zu bürokratischen Irrungen komme. Aber ohne staatliche Förderung seien die Glasfaser-Anbindungen einfach nicht finanzierbar. Der Sprecher der Bauverwaltung betonte dabei, dass man immer versuche, Einzellösungen zu finden, wenn eine Schule Engpässe habe. Zuletzt sei das an der Realschule Maisach der Fall gewesen. Dort wurde offenbar das Internet im Hausmeister-Haus angezapft.

SPD-Sprecher Christoph Maier indes sprach von „Scheitern“. Für ihn wäre es sinnvoll gewesen, nach der ungültigen Ausschreibung mit einer freien Vergabe weiter zu machen. „Wir sollten einen anderen Weg suchen. Wir verlieren nur Zeit“, so der Sozialdemokrat. Die Förderstelle verweise auf die Ausschreibungsrichtlinien, hielt der Sprecher der Bauverwaltung des Landkreises entgegen. Insgesamt stellte Sitzungsleiterin Martina Drechsler (CSU) abschließend fest: Die Sache ist dringend. Man werde nach Verbesserungen suchen.

Zur Beschaffung von Geräten

Über neun Millionen Euro stehen dem Landkreis für die Digitalisierung an Schulen zur Verfügung. Und das Geld fließt tatsächlich – wobei es an einigen Stellen auch noch hakt. „Ich muss mich beeindruckt zeigen, wie das Landratsamt den Schulen zur Seite steht“, sagte CSU-Kreisrat und Lehrer Andreas Lohde im Kulturausschuss des Kreistags, wo das Thema zur Sprache kam. Geld investiert wurde laut Kreisverwaltung in den Wlan-Ausbau, den Kauf mobiler Endgeräte (Ipads), Leihgeräte für Schüler (ebenfalls Ipads oder Laptops) und Digitaltafeln, in Dienstgeräte für Lehrer und weitere Ausstattungsgegenstände.

Das Geld stammt großteils aus Fördertöpfen von Bund und Freistaat, und genau deshalb hatte anfangs Sorge um einen drohenden Förderwirrwarr geherrscht. Das sei aber nicht der Fall, sagte jetzt Günter Sigl vom Kulturamt. „Wir haben es auseinander klamüsert. Die Frage ist gelöst.“

Rolf Ertl (AfD) unterdessen störte sich daran, dass in der Sitzungsvorlage gerade in Finanzierungsfragen sehr häufig das Wort „soll“ vorkomme. Zudem erinnerte er daran, dass die Geräte eine kurze Lebensdauer hätten. Sigl indes glaubt, dass „soll“ gleichbedeutend mit „wird“ ist. Es sei damit zu rechnen, dass versprochene Fördersummen wirklich kommen. „Alles was sonst versprochen wurde, ist gekommen.“ Dass man eine Anschlussfinanzierung für die Geräte brauche, bestätigte Sigl. Ohne eine solche bekomme der Kreis ein Problem.

Ungeliebter Wlan

Schulreferent Christian Stangl (Grüne) dagegen sprach von einem Gezerre in den vergangenen sieben Monaten, das den Verdacht nähre, dass Deutschland zu wenig entschlussfreudig sei. Bei der Beschaffung der Lehrergeräte sei eine falsche Zahl zugrunde gelegt worden. Folge: Nur 59 Prozent seien mit Dienstgeräten versorgt worden. Insgesamt tue sich schon was, sagte auch Stangl. „Aber nicht in dem Umfang, wie es notwendig wäre.“

Andreas Lohde (CSU) erinnerte an frühere Versuche, Schulen mit Wlan auszustatten, und die Aussage mancher Eltern, dass man die Kinder dem nicht aussetzen wolle. Die Pandemie wirke teils auch als Beschleuniger, meinte Lohde, der vor allem beim Wlan noch Luft nach oben sieht. Dies weniger bei der Ausstattung, sondern vielmehr beim Ausbau der Leistung der Leitungen, so dass die drahtlosen Netzwerke auch nutzbar werden. Insgesamt müsse man den Verantwortlichen Anerkennung zollen. Der Ausschuss stimmte der Umsetzung der Förderprogramme einstimmig zu. st

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