Ein Polizeibeamter vor einem Streifenwagen
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Ein Polizeibeamter vor einem Streifenwagen.

Landkreis FFB

Corona-Sommer: Partylärm auf Rekordniveau

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Der Corona-Sommer 2020 neigt sich seinem Ende entgegen. Er war nicht so heiß wie seine Vorgänger – dafür besonders laut. Mehr als 550 Mal musste die Polizei wegen Ruhestörung ausrücken. Und es sind längst nicht nur junge Menschen, die lärmtechnisch über die Stränge schlagen.

Fürstenfeldbruck – Eine laue Nacht, Mitte August. Die Uhr zeigt weit nach Mitternacht. Wo normalerweise nur das Zirpen der Grillen in der Stille wabern sollte, wummern Bässe durch die Nacht. In einem Germeringer Garten feiern junge Leute ausgelassen eine Party. Als von verärgerten Nachbarn gerufene Polizisten an der Tür klingeln, hören sie das gar nicht. Das Verhalten der Gastgeber beschreiben die Beamten später als „unkooperativ, uneinsichtig und respektlos“.

Fälle wie diese sind zwar die Ausnahme, erklären die Verantwortlichen der Polizeiinspektionen im Landkreis. Fest steht jedoch: Die Beamten mussten heuer wesentlich öfter ausrücken, weil sich jemand in seiner Ruhe gestört fühlte – insgesamt 565 Mal. Zum Vergleich: 2019 waren es weniger als 400 Einsätze. Die Hauptursache für diesen Anstieg ist wie so oft in diesem Jahr das Coronavirus. Die Rechnung ist einfach. Der Urlaub in fremden Gefilden wurde bei vielen heuer gestrichen. Bars, Clubs und Diskotheken waren zu. Also organisierte man sich im Privaten. Viele Jugendliche feierten auf öffentlichen Plätzen, ältere Semester in Gärten oder auf Terrassen.

Deutliche Steigerung

Für einige Nachbarn war das offenbar zu viel. „Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir eine deutliche Steigerung bei den Ruhestörungen“, sagt Michael Fischer, stellvertretender Leiter der Brucker Polizei. Die meisten, die es mit der Lautstärke übertrieben haben, würden sich einsichtig zeigen, wenn die Beamten anrücken. Ein echter Party-Hotspot wie in manchen Großstädten habe sich im Zuständigkeitsgebiet der Fürstenfeldbrucker Inspektion, zu der weite Teile des westlichen Landkreises gehören, nicht entwickelt. Fischers Fazit: „Wir hatten Störungen wie immer, nur mehr davon.“

Ähnlich sieht es Hartwin Lang, Chef der Olchinger Polizei. Die meisten Einsätze wegen Ruhestörung gab es dort in den dicht besiedelten Gebieten Olchings und Gröbenzells. „Oft wohnen die Nachbarn sehr nah aneinander“, meint Lang. Das führe schnell zu Konflikten. Mit Blick auf die immer stärkere Nachverdichtung in Wohngebieten prophezeit der Polizeichef in Zukunft mehr Probleme wegen Ruhestörung – unabhängig von Corona.

Eine weitere Herausforderung zeichnet sich für Andreas Ruch, stellvertretender Inspektionsleiter in Germering, ab. Die Corona-Krise und die damit verbundene steigende Anzahl privater Feiern ließen ein Phänomen stärker zu Tage treten, das Ruch schon länger beobachtet: „Die Konfliktfähigkeit nimmt ab.“ Anstatt die Nachbarn zu bitten, ein wenig leiser zu sein, werde immer häufiger die 110 gewählt.

Corona-Verstöße

Allerdings sei es gerade zu Beginn der Pandemie manchmal doch besser gewesen, dass die Staatsmacht eingeschritten sei. Wie Andreas Ruch berichtet, hätten Meldungen über Ruhestörung die Beamten mehrmals zu privaten Partys geführt, die in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen nicht erlaubt waren. Für die Feiernden gab es dann noch eine Anzeige nach dem Infektionsschutzgesetz. Und auch als vieles wieder gelockert war, mussten die Germeringer Ordnungshüter vereinzelt zu harten Bandagen greifen.

Ein paar ganz Unbelehrbaren wurde nach mehreren Ermahnungen kurzerhand ihre Lärmquelle weggenommen. Sprich: Die Beamten stellten einfach die Musikanlage sicher. Und für Wiederholungstäter wird es tatsächlich teuer. Polizeisprecher Andreas Ruch: „Da gibt es dann saftige Bußgelder vom Landratsamt.“

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