Grundsicherung im Alter
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Das Sozialamt kann die genauen Mehrkosten, die durch die Covid-19-Pandemie entstehen, derzeit noch nicht abschätzen.

Aus dem Kreistag

Corona: Die sozialen Härten abfedern wird teuer

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Welche sozialen Auswirkungen hat die Corona-Krise im Landkreis? Einen ersten Überblick darüber hat das Sozialamt erarbeitet.

Landkreis – Fazit: Die Anträge auf Wohngeldzuschuss sind schon stark gestiegen, in anderen Bereichen wird ein Anstieg des Förderbedarfs prognostiziert – etwa durch den Wegfall von Minijobs. Große Probleme gibt es auch bei der Beratung von Asylbewerbern. Die SPD im Kreistag hatte den Bericht beantragt. Das Sozialamt weist daraufhin, dass er nur eine vorläufige Momentaufnahme sein kann.

Zur Abfederung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie habe der Bund den Zugang in die Sozialsysteme erleichtert, heißt es in dem Bericht des Sozialamts – und zwar in einem „nie dagewesenen und bisher nicht vorstellbarem Ausmaß“. Verlässliche Einschätzungen über die finanziellen Folgen für den Landkreis und den Anteil, den die kommunalen Kassen übernehmen müssen, seien derzeit aber nicht möglich. Allerdings zeichne sich ab, dass gerade die Haushaltsmittel für das Jobcenter nicht ausreichen werden.

Bei der konkreten Sozialhilfe sei derzeit keine eklatante Steigerung der Anträge zu erkennen, berichtet das Amt. Vorstellbar sei aber, dass in den nächsten Monaten bei Rentnern verschiedentlich Minijobs wegfallen. Personen, die auf dieser Basis etwa in der Gastronomie oder im Einzelhandel gearbeitet haben, könnten dann mehr Förderung brauchen.

Mehr Anträge im Jobcenter

Im Jobcenter, das für Grundsicherung von Arbeitssuchenden zuständig ist, hat sich die Zahl der Anträge auf aufstockende Leistungen zeitweise verdreifacht. Von März bis Mai wurden 791 Anträge gestellt. Die Entwicklung habe sich dann aber wieder abgeschwächt. 20 Prozent der Anträge entfallen auf Selbstständige, 40 Prozent auf Menschen in Kurzarbeit. Insgesamt würden wahrscheinlich die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Entwicklung lasse „leider nichts gutes“ erwarten, heißt es in dem Bericht. Stark zugenommen hätten auch die Anträge auf Wohngeld.

Das Frauenhaus meldet unveränderte Zahlen. Allerdings seien die Anfragen nach der Schließung von Schulen und Kitas stark zurück gegangen – ein Trend, der sich umkehrte, als die Einrichtungen wieder öffneten. „Es wird vermutet, dass Frauen im Moment länger bereit sind, Auseinandersetzungen und häusliche Gewalt zu ertragen, um ihr Zuhause nicht zu verlieren“, heißt es in dem Sozialbericht. Wenn der Partner immer da ist, sei es schwierig, auszuziehen oder sich im Frauennotruf beraten zu lassen. Während der Zeit der Kontaktsperre sei es verdächtig ruhig gewesen. Das ändert sich jetzt wieder.

Besonders schwierig sei die Lage für Menschen mit Behinderung auch wegen der Schließung von Einrichtungen. Eltern behinderter Kinder kämen an ihre psychische und physische Leistungsgrenze. Hier müssten Kontakte und Vertrauen neu aufgebaut werden.

Landkreis erhielt 60.000 Euro vom Freistaat

Wie jeder andere Landkreis erhielt auch der Brucker vom Freistaat gleich Anfang März 60.000 Euro für die Unterstützung speziell von Senioren, die im Lockdown keine oder kaum Hilfe aus privatem Umfeld hatten. Das Geld sei an die Gemeinden weiter gereicht worden, 9000 Euro gingen an die Tafeln.

Die Asyl-Sozialberatung berichtet unter anderem davon, dass kein oder kaum persönlicher Kontakt mehr möglich sei. Sprach- und Verständnisprobleme hätten sich dadurch verschärft. Es bestehe die Gefahr, dass sich Bildungsdefizite bei Kindern verstärkt hätten und nicht mehr aufholbar seien. An Lösungen werde aber gearbeitet.

Das Sozialamt selbst kämpft mit einer hohen Personalfluktuation und natürlich wie alle anderen auch mit den krisenbedingten Widrigkeiten (Behördenschließung, Mitarbeiterausfall wegen Kinderbetreuung als Beispiele). Trotzdem sei es gelungen, die Aufgaben zu bewältigen. Insgesamt sei noch nicht einzuschätzen, was auf den Landkreis zukomme.

In der Sitzung des Kreisausschusses, wo der Bericht vorgelegt wurde, ergänzte der Leiter der Sozialamts nach Hartz IV gefragt, dass man trotz erhöhter Bundesförderung mit dem Kreis-Haushalt nicht hinkommen werde. „Teurer wird es garantiert“, sagte er. Er vertraut aber auch darauf, dass der Bund schon auf den Weg bringen werde, was er versprochen habe. An der Stelle musste Landrat Thomas Karmasin spontan lachen.

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