Wartet auf Gäste: Inka Reger-Beltran vom Hotel Reger in Germering muss um ihre Existenz bangen, weil jetzt auch noch die Oktoberfest-Besucher wegfallen. Ähnlich geht es vielen Kollegen im Landkreis, für die das Wiesn-Geschäft enorm wichtig ist. Das Oktoberfest hat den Beherbergungsbetrieben gute Umsätze beschert. Diese fehlen den Hotels jetzt.
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Wartet auf Gäste: Inka Reger-Beltran vom Hotel Reger in Germering muss um ihre Existenz bangen, weil jetzt auch noch die Oktoberfest-Besucher wegfallen. Ähnlich geht es vielen Kollegen im Landkreis, für die das Wiesn-Geschäft enorm wichtig ist. Das Oktoberfest hat den Beherbergungsbetrieben gute Umsätze beschert. Diese fehlen den Hotels jetzt.

Fürstenfeldbruck

Wiesn-Absage trifft Hotels hart

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Erst der Lockdown, jetzt auch noch das Wiesn-Aus: Den Beherbergungsbetrieben im Landkreis geht durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie viel Umsatz durch die Lappen. Für einige wird die Lage sogar existenzbedrohend.

Fürstenfeldbruck – Bierzelt, Fahrgeschäfte, eine süffige Wiesnmaß – und jede Menge Gäste von außerhalb. Eigentlich hätte am Samstag das Oktoberfest beginnen sollen. Doch wegen der Coronakrise wurde das größte Volksfest der Welt heuer abgesagt.

„Zur Wiesnzeit waren wir immer gut gebucht“, sagt Inka Reger-Beltran vom Regerhof in Germering. Meist habe man von den Einnahmen in den eher schwierigen Wintermonaten von Januar bis März zehren können. Doch heuer fallen die fetten Wochen aus. „Aktuell sind wir komplett leer“, sagt Reger-Beltran mit Blick auf touristische Buchungen. Lediglich ein paar über die Jahre hart erarbeitete Stammgäste –meist Geschäftsreisende oder Monteure – steigen derzeit im Regerhof ab. „Aber die buchen auch nur von Woche zu Woche“, sagt Reger-Beltran. Für den Regerhof bedeutet das, dass es keinerlei Planungssicherheit gibt.

Erschwerend komme hinzu, dass auch die Münchner Hotels wegen fehlender Gäste mit den Preisen runtergehen. „Darum weichen viele nicht mehr ins Umland aus“, hat die Hotelierin beobachtet. Das Familienunternehmen bang deshalb um seine Existenz. „Ich weiß nicht, ob wir den Dezember überleben“, sagt Reger-Beltran.

Ein enormer Betrag wird fehlen

Ähnlich geht es dem Hotel Villa in Eichenau. Abrechnen kann Hotelier Jakob Pollinger freilich erst am Jahresende. Aber schon jetzt sei klar: „Uns wird ein enormer Betrag fehlen.“ Normalerweise sei das Hotel zur Wiesnzeit zu 90 Prozent ausgebucht. Außerdem können die Hotels und Pensionen in dieser Zeit auch höhere Preise verlangen. Das alles bricht nun weg. „Ich kann mit meinen Einnahmen schon noch die Stromkosten zahlen“, sagt Pollinger. In der Endabrechnung sei das laufende Jahr aber ein Verlustgeschäft. Da das Hotelgebäude nicht Pollinger gehört, hofft er noch auf ein Entgegenkommen des Eigentümers. „Ansonsten muss ich die Reißleine ziehen“, sagt er.

Rückgang um mindestens 50 Prozent

Auch das Hotel Schiller in Olching ist durch seine Lage nur drei Gehminuten von der S-Bahnstation entfernt eigentlich eine beliebte Übernachtungsmöglichkeit für Wiesnbesucher. Sowohl Firmen wie auch Einzelgäste sorgten für volle Hotelzimmer – nicht jedoch in diesem Jahr. „Auch von den Privaturlaubern haben wir kaum was abbekommen“, sagt Hotelchef Harald Schöffler. Dabei schlägt nicht nur das Wiesn-Aus zu Buche, sondern auch die Absage der für Hotels meist sehr lukrativen Messewochen danach. Schöffler hofft, dass noch Geschäftsbuchungen kommen, die den nun wegfallenden Wiesn-Aufschlag bei den Zimmerpreisen ausnutzen wollen. „Da müssen wir abwarten, was noch kommt“, sagt er. Dennoch rechnet Schöffler mit einem Umsatzrückgang von mindestens 50 Prozent.

Nichts mehr ist planbar

Das veränderte Buchungsverhalten bereitet auch Andrea Seidl vom Hotel „das Seidl“ in Puchheim Kopfzerbrechen. Nach dem Wegfall der Wiesn-Buchungen seien auch die Firmen noch sehr zurückhaltend. „Und wenn, dann kommen diese Buchungen meist sehr kurzfristig“, sagt Seidl. „Da ist nichts mehr planbar.“

Neben dem Wegfall der Wiesngäste beklagt die Puchheimerin auch den Ausfall von Veranstaltungen im Hotel. „Wir können die Einhaltung der Abstandsregeln nicht garantieren“, sagt sie. Deshalb fallen zum Beispiel Feiern aus. „Das tut uns richtig weh.“ Das Hotel hatte zwischen 31. Juli und 7. September sogar geschlossen, weil ein Betrieb nicht mehr wirtschaftlich war. „Seitdem kämpfen wir uns so durch“, sagt Seidl.

Die Konkurrenz aus München beklagt auch Gabriele Fruth vom Hotel Fruth in Germering. „Dort entstanden viele neue Hotels“, sagt sie. Die Hotels kämpfen vermehrt um die Gäste. „Der Kuchen wird nicht größer, nur anders verteilt“, sagt Fruth. Und die Oktoberfestbuchungen? „Die wurden bei mir größtenteils schon alle im Voraus getätigt, jetzt aber alle storniert.“

Neuigkeiten zur Corona-Entwicklung im Landkreis finden Sie hier.

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