Mit viel Qualität, nachhaltig und fürs Gemeinwohl will Stadtbaurat Johannes Dachsel Fürstenfeldbruck weiterentwickeln. Ein Beispiel hierfür wird die Gestaltung des Areals um den alten Schlachthof auf der Lände werden. Foto. weber
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Mit viel Qualität, nachhaltig und fürs Gemeinwohl will Stadtbaurat Johannes Dachsel Fürstenfeldbruck weiterentwickeln. Ein Beispiel hierfür wird die Gestaltung des Areals um den alten Schlachthof auf der Lände werden.

Fürstenfeldbruck

Neuer Stadtbaurat tritt seinen Dienst an - das hat er vor

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Ein halbes Jahr hat Johannes Dachsel Fürstenfeldbruck kennengelernt. Eine Kommune mit Charme, aber ohne durchgängiges Konzept zur weiteren Stadtentwicklung. Jedes Quartier braucht eine Identität, fordert der neue Stadtbaurat. Besonders drei Aspekte sind ihm wichtig.

Fürstenfeldbruck – Qualität, Nachhaltigkeit und Gemeinwohlorientierung: Diese drei Schlagworte umschreiben für Johannes Dachsel die Stadtplanung. Und an diesen drei Prinzipien orientiert sich der neue Stadtbaurat. „Fürstenfeldbruck hat eine aktive Stadtgesellschaft und eine engagierte Bürgerschaft.“ Das nimmt er mit aus ersten Gesprächen mit Stadträten, Kollegen im Rathaus, den Beiräten und den Aktivisten von Fridays for Future. Sie alle will er in die Teamarbeit – denn das ist für ihn Stadtentwicklung – einbinden. Ideen gebe es viele. „Meine Aufgabe ist es, sie umzusetzen.“

Qualität schaffen und bewahren

Bei dieser Aufgabe kann er auf vieles zurückgreifen. Die Lebensqualität an der Amper sei hoch. Und auch am Flair in der Hauptstraße mit den Straßencafés könne man sich orientieren. „Das ist identitätsstiftend für die Stadt.“ Sein Anspruch: Wohnungen und Arbeitsumfeld haben in jeder Straße ein Recht auf Qualität. „Baukultur“ nennt Dachsel das. Auch Themen wie die Beteiligung an der Internationalen Bauausstellung und die Bewerbung um die Landesgartenschau können Impulse liefern.

Als Beispiel für so ein Quartier mit Qualität nennt er das künftige Aumühlen- und Ländeareal. Man will die graue Energie nutzen – sprich Bestandsgebäude sanieren statt abreißen. Am Wasser könne man Aufenthaltsqualität schaffen. Und Wohnen und Arbeiten vereinen. „Das kann ein Vorzeigeprojekt werden.“ Auch für das Thema genossenschaftliches Wohnen auf der Lände ist der 39-Jährige offen. So gab es schon Gespräche mit der IG Aumühlenpark, die dort ein Wohnprojekt verwirklichen möchte. Für Dachsel kein Neuland. Denn vor seinem Wechsel nach Bruck war er bei der Stadt München mit der Entwicklung von Freiham betraut – und mit genossenschaftlichem Bauen. „Ich sehe da viel Potenzial, ein Stadtquartier zu aktivieren.“

In der Innenstadt fehlt so ein identitätsstiftender Ort. Das sollte eigentlich der Viehmarktplatz werden. Doch hier herrscht Stillstand. Gerade der südliche Bereich sollte im Sommer als städtischer Platz nutzbar sein. „Um die Stadt wieder zurückzuerobern“, sagt Dachsel. Und für den nördlichen Bereich will er einen Anstoß geben, damit sich alle Parteien nochmal zusammensetzen und auf einen Nenner kommen. „Es wäre zu schade, wenn es so liegen bleibt, wie es ist.“

Nachhaltigkeit als Pfand für die Zukunft

Nicht nur für den Viehmarktplatz muss ein Konzept her – sondern für die ganze Stadt. Daher will der neue Stadtbaurat ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) erstellen. Stadtentwicklung müsse nachhaltig sein, Entscheidungen von heute haben langfristige Auswirkungen. „Wir brauchen Mut, um Veränderungen zuzulassen“, sagt der 39-Jährige.

Noch vor der Sommerpause soll es eine erste Klausur mit dem Stadtrat geben. Später sollen auch Bürger, Vereinsvertreter und Unternehmer eingebunden werden. Die Frage: Wie soll Fürstenfeldbruck im Jahr 2040 aussehen? „Ich sehe großen Bedarf, diese Diskussion zu führen“, sagt Dachsel. „Es geht um das Selbstverständnis, wo wollen wir hin?“ Wie soll der Stadtrand aussehen? Wo will man nachverdichten, wie geht man mit der grauen Energie um? Und welche Bauprojekte haben Vorrang?

Münden wird ISEK in den vielfach von Stadträten geforderten Flächennutzungsplan für die Stadt. Drei bis fünf Jahre dauert so ein Prozess normalerweise. Unter anderem mit dem Verkehrsentwicklungsplan ist viel Vorarbeit gemacht. Daher hofft Dachsel, dass es schneller geht.

Auch der Fliegerhorst muss ins Konzept eingebunden werden. Die Stadt solle eine aktive Rolle einnehmen, fordert Dachsel. Er spricht von kooperativer Stadtentwicklung, auch in Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen. Daneben gebe es eine emotionale Herausforderung. „Der Fliegerhorst ist historisch geprägt, mit den Zeitschichten muss man umgehen.“ Dass die finanziellen Mittel der Stadt begrenzt sind, ist für ihn zwar schade, aber kein Hindernis. „Man muss umso kreativer sein.“

Orientierung am Gemeinwohl

Bei all dem hat der zweifache Familienvater stets die Interessen der gesamten Stadtbevölkerung im Blick. Junge Familien, Menschen mit Handicap, wohlhabende Bürger, Kinder – sie alle haben Ansprüche. Und das führe zu Zielkonflikten: „Man kann es bei der Stadtentwicklung nicht immer allen recht machen.“ Dennoch sollte es das Ziel sein, so viele wie möglich zufriedenzustellen. „Stadtentwicklung sollte man nicht nur für die machen, die am lautesten rufen.“

Aus diesem Grund sieht sich Johannes Dachsel als Generalist, der „die Stadt aus ganz vielen Blickwinkeln betrachtet“. Ist so einer nie zufrieden? Klar setze man sich immer mit der Frage auseinander, wie man etwas weiter entwickeln kann. „Wir können aber auch mit manchen Sachen einfach zufrieden sein“, sagt der Hobbymusiker. „Man muss nicht am Kloster rumbauen, damit es noch besser wird.“

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