Seine erste große Aufgabe war vor 20 Jahren die Begleitung der umfangreichen Veränderungen auf dem Klosterareal. Als Martin Kornacher zum Stadtbaurat gewählt wurde, lief dort gerade der Bau des Veranstaltungsforums. FOto: Weber
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Seine erste große Aufgabe war vor 20 Jahren die Begleitung der umfangreichen Veränderungen auf dem Klosterareal. Als Martin Kornacher zum Stadtbaurat gewählt wurde, lief dort gerade der Bau des Veranstaltungsforums.

Fürstenfeldbruck

Der oberste Stadtplaner nimmt Abschied

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Kloster Fürstenfeld, der Geschwister-Scholl-Platz, der Marktplatz: An all diesen Orten hinterlässt Martin Kornacher Fußabdrücke. 20 Jahre gestaltete er als Stadtbaurat die Entwicklung Fürstenfeldbrucks. Anfang Dezember geht er in den Ruhestand.

Fürstenfeldbruck – Immer, wenn Martin Kornacher mit Familie oder Freunden über das Gelände des Veranstaltungsforums läuft, denkt er an seine Anfänge in Bruck zurück. Als er vor 20 Jahren erstmals zum Stadtbaurat gewählt wurde, lief der Bau des Veranstaltungsforums gerade. Kornacher begleitete die entscheidende Phase. Die alte Schmiede stand noch, viele Freiflächen mussten freigelegt werden. „Es war ein spannender Prozess“, sagt der 62-Jährige im Rückblick.

Leitung der Genehmigungsbehörde

Nach dem Studium der Architektur und des Städtebaus arbeitete Martin Kornacher zunächst in einem privaten Stadtplanungsbüro. Dann setzte er die Ausbildung zum Regierungsbaumeister oben drauf – diese ist nötig, um in einer Baugenehmigungsbehörde federführend arbeiten zu können. „Da braucht man neben dem städtebaulichen und architektonischen Wissen auch Verwaltungs-Knowhow.“ Nach dieser Phase war er im Planungsreferat München mit dem Projekt in Freiham betraut. Danach wechselte er als Leiter der Stadtplanung nach Freising. Der nächste Schritt auf der Karriereleiter war der Wechsel nach Fürstenfeldbruck.

Als Stadtbaurat begleitete Kornacher städtebauliche Entwürfe über mehrere Ebenen bis zur Umsetzung. Er gab Rat und Empfehlungen für die Pläne, dachte nach, wo man in Bruck neu bauen oder nachverdichten könnte. Alle Fäden liefen in seiner Hand zusammen. „Eine spannende Aufgabe“, sagt Kornacher. Die aber auch zu mancher Diskussion im Stadtrat führte. Denn man müsse sicherlich die historische Entwicklung der Stadt betrachten, aber auch nach vorne denken. Das sei ihm manchmal vorgehalten worden.

Verständnis hat er dafür: „Was man für die Zukunft denkt, ist natürlich noch nicht bei allen angekommen.“ Dennoch: „Der Stadtrat hat sich bei wichtigen Sachen zusammengerauft und Lösungen gefunden.“

Der Geschwister-Scholl-Platz

So ist Kornachers Handschrift nicht nur in Fürstenfeld lesbar. Am Geschwister-Scholl-Platz ist aus einer riesigen Garage ein ansehnlicher Platz geworden – auch wenn es gedauert habe. Und der Marktplatz erinnert mehr an Italien, sein Lieblingsland, das er immer wieder als Vorbild sieht. Besonders in einem Punkt: „Mehrere Nutzungen im öffentlichen Raum nebeneinander stören nicht.“ Man könne auf der Piazza einen Espresso trinken, während die Mopeds vorbei fahren.

So ähnlich ist die Situation in der Hauptstraße, die von einer vier- in eine zweispurige Bundesstraße umgebaut wurde. Entstanden sind neben Parkplätzen auch Freischankflächen. „So ist vielleicht ein bisschen Italien nach Bruck gekommen.“

Das Thema Nachverdichtung

Überhaupt war die Nachverdichtung – also der Weg weg vom Bau auf der Grünen Wiese – ein zentrales Thema. Mit dem Projekt „Leben findet Innenstadt“ entstand im Zentrum mehr Wohnraum. Auch der Stadtrat habe immer mehr die Innenentwicklung favorisiert, sagt Kornacher. In Puch entstand das Grüne Zentrum und im Westen wurde durch die Soziale Stadt ein Wohngebiet vergrößert und attraktiver. Zudem versucht man, überall einen Teil von geförderten Wohnungen zu sichern, damit nicht in einer Ecke ein Ghetto entstehe. „Das tut dem sozialen Gefüge in der Bevölkerung nicht gut.“

Eines der letzten Projekte, die Martin Kornacher begleitet, ist das städtebauliche Konzept für Lände und Aumühle, wo ein Wohn- und Kreativviertel entstehen soll. Auch eine bürgerliche Baugenossenschaft will hier einen Platz finden und mitgestalten. Die Genossenschaften haben ihn bereits im Studium beschäftigt, erzählt Kornacher. Die mögliche Realisierung wird er aus der Ferne mitverfolgen.

Sechs Bienenvölker

Auch wenn er sich bei manchen Projekten gewünscht hätte, mehr Einfluss auf die Bauherren zu haben, bilanziert der 62-Jährige: „Fürstenfeldbruck ist gut aufgestellt.“ Es sei gut gewesen, in der Verwaltung den Personalstand mit Fachleuten für Landschaftsplanung, Verkehrsplanung oder Radverkehr aufzustocken. So habe sein Nachfolger die Chance, gut weiterzumachen. Einmischen will er sich nicht, nur einen Tipp hat er, wenn die Wünsche auf ihn einprasseln: „Er muss genau hinschauen, wie es wirklich wird.“

Martin Kornacher freut sich auf den Ruhestand. Er wolle erst einmal schauen, wie es sich anfühle. Ein Studium, kleinere Projekte, all das schwebt ihm für die Zukunft vor. Aber erst einmal will er sich um seine fünf Enkel kümmern. „Ein Opa, der öfter mal Zeit hat, ist gern gesehen.“ Und um die sechs Bienenvölker, die bei ihm daheim und am Starnberger See leben.

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