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Noch blicken sie auf einen grünen Bolzplatz: Kurt Eder und Ralf Böhm fürchten zusätzliche Lärmbelastung durch eine Eishalle gegenüber ihres Wohnhauses an der Holzhofstraße.

Fürstenfeldbruck

Deshalb wehren sich Anwohner gegen geplante Eishalle

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Sie wohnen gegenüber des Eisstadions und haben die Nase gestrichen voll. Die lärmgeplagten Anwohner der Holzhofstraße fühlen sich von der Stadt und dem EV Fürstenfeldbruck hintergangen. Nun wollen sie verhindern, dass auf dem Bolzplatz eine Eishalle gebaut wird – notfalls mit rechtlichen Schritten.

Fürstenfeldbruck – Vom Balkon aus blicken Ralf Böhm und Kurt Eder direkt auf das Eisstadion beziehungsweise den benachbarten Bolzplatz. Unten rauscht der Verkehr auf der Schöngeisinger Straße vorbei. Ruhe ist hier selten. Doch bislang haben sie den Lärm von Verkehr und Eishockey-Fans geduldet. Doch damit ist nun Schluss. Die 75 Parteien umfassende Eigentümerversammlung hat beschlossen, sich gegen ein Eisstadion auf dem Bolzplatz zu wehren und den Olchinger Rechtsanwalt Ewald Zachmann eingeschaltet.

Angst vor Rockkonzerten in der Eishalle im Sommer

Ihre Begründung: Eine Eishalle passt nicht in die Innenstadt. Sie verursacht Lärm – durch den Betrieb und die vielen Nutzer, die Tag und Nacht mit ihren Autos zur Halle fahren. Auch im Sommer solle sie genutzt werden. Man stelle sich Rockkonzerte vor, sagt Böhm.

Das Argument eines Energieverbunds mit dem Hallenbad zählt für die Anwohner nicht. „Jede Eishalle wird außerhalb eines Wohngebietes gebaut“, ergänzt Eder. Hier geschehe genau das Gegenteil. Zudem werde der Blick aufs Kloster für immer verbaut. Dabei sei das Grundstück in zentraler Lage eher für Wohnungen geeignet.

Lärm vom Eisstadion über den Grenzwerten

Schon jetzt überschreitet der Lärm bei Eishockeyspielen die Emissionsgrenze für ein Wohngebiet deutlich. Bislang habe man versucht, mit dem EVF zu sprechen, sagt Böhm. Denn gegen den Eislauf an sich habe man nichts. Die Vereinsvorsitzenden hätten immer wieder versichert, den Lärm zu reduzieren, doch kurze Zeit später sei die Situation wieder die Alte gewesen. Nun aber ist der Ofen endgültig aus.

Der Knackpunkt: Die Anwohner fühlen sich von der Stadt und vom EVF hinters Licht geführt. Denn in einem Gespräch hätten EVF-Vertreter versichert, es komme ihnen darauf an, möglichst schnell eine Eishalle zu bekommen, sagt Böhm. Der Standort, so hätten sie gesagt, sei für sie nachrangig. Doch kurze Zeit später hätten sie verlauten lassen, sie favorisieren den Bolzplatz an der Schöngeisinger Straße – für ihn ein klarer Wortbruch. Und ein Beleg dafür, dass man sich bereits auf den Bolzplatz festgelegt hat, und die anderen Areale, etwa am Fliegerhorst, nicht mehr ernsthaft in Erwägung zieht.

Keine weiteren Gespräche

Die Anwohner fürchten, dass die Stadt mit dem EVF gemeinsame Sache macht. „Die Stadt hat mit dem Eislaufverein kooperiert“, klagt Eder. „Wir sind nie einbezogen worden.“ Das Lärmgutachten sei in Absprache und im Einvernehmen zwischen Stadt und Verein in Auftrag gegeben worden, gleiches befürchtet man bei der Standortuntersuchung. „Bei uns ist jetzt Ende“, sagt Eder. Man werde keine weiteren Gespräche führen.

Stattdessen hat Rechtsanwalt Zachmann bereits bei der Stadt angefragt, ob es für das Eisstadion eine Baugenehmigung gibt und ob Vorkehrungen in Sachen Lärmschutz getroffen wurden.

Sollte sich der Stadtrat wirklich auf den Standort festlegen, werde man akribisch auf Lärmschutz und alles andere achten, auch beim derzeit laufenden Stadionbetrieb, kündigt Böhm an. „Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen und auch vor Verboten nicht zurückschrecken.“

Auch der Straßenlärm sorgt an der Holzhofstraße für Unmut

Nicht nur in Sachen Eishalle gehen die Anwohner gegen die Stadt vor. Auch der Verkehr in der Holzhofstraße ist für sie eine große Belastung. Noch mehr, seit in der Landsberger Straße beidseitig Radschutzstreifen markiert wurden und der Bereich für den Schwerlastverkehr gesperrt wurde. Seitdem würden neben Lastern und – zu Erntezeit auch Traktoren – bis zu 300 Busse pro Tag durch die Holzhofstraße fahren, klagen Anwohner. Sie sprechen von einer „Lärmhölle“. „Wenn ein Schwerlaster vorbeifährt, zittern die Gläser“, sagt Ralf Böhm. Man solle zumindest für Linienbusse die Landsberger Straße wieder freigeben. Die Holzhofstraße ist als Staatsstraße 2054 gewidmet. 

Doch die Anwohner bezweifeln, dass die Widmung rechtmäßig erfolgt ist. Auch dazu will Rechtsanwalt Ewald Zachmann, der Anwohner vertritt, Unterlagen einsehen und eine Herunterstufung erreichen. Denn bei einer Gemeindestraße kann die Stadt verkehrsrechtliche Anordnung treffen – etwa eine Tonnagebeschränkung oder Tempo 30. Diese halten die Anwohner für dringend nötig. Zwar sei die Holzofstraße kein Unfallschwerpunkt. „Die Beinahe-Unfälle werden aber nicht gezählt“, sagt Böhm. Von den Stadträten fühlen sich die Anwohner im Stich gelassen. Bis auf einen hätte niemand auf ein Schreiben reagiert. OB Erich Raff verweist auf laufende Gespräche mit dem Straßenbauamt und dem Freistaat, auch über eine Verlegung der B 2. Die Situation sei schwierig.

Das Thema Eishalle schwelt in Fürstenfeldbruck schon seit Jahren. 2018 kam es sogar zu einer Demo vor dem Rathaus.

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