Sind stolz auf ihre Linde: Für Edigna Kellermann und Andreas Lohde vom Edigna-Verein ist der knorrige Baum neben der Kirche St. Sebastian eine Brücke in die Vergangenheit. Ein Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert ist eine der ältesten bekannten Darstellungen der Ankunft Edignas (l.). Gepflegt wird der Baum bereits seit vielen Jahrzehnten. Den Stamm mit Steinen zu untermauern ist heute aber nicht mehr zeitgemäß. Fotos tog
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Sind stolz auf ihre Linde: Für Edigna Kellermann und Andreas Lohde vom Edigna-Verein ist der knorrige Baum neben der Kirche St. Sebastian eine Brücke in die Vergangenheit. Ein Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert ist eine der ältesten bekannten Darstellungen der Ankunft Edignas (l.). Gepflegt wird der Baum bereits seit vielen Jahrzehnten. Den Stamm mit Steinen zu untermauern ist heute aber nicht mehr zeitgemäß.

Puch

Die Edigna-Linde zieht Menschen magisch an

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Sie ist der bedeutungsvollste und wahrscheinlich auch ältestes Baum im Landkreis: Seit Jahrhunderten zieht die Edigna-Linde in Puch Menschen in ihren Bann. Für den Brucker Stadtteil und weit darüber hinaus hat der knorrige Baum eine historische, religiöse und spirituelle Bedeutung.

Puch – Wenn Bäume erzählen könnten – die Edigna-Linde in Puch hätte einiges zu berichten. Weltkriege, Revolutionen, Industrialisierung, Währungsreformen, Pandemien, Aufstände, Digitalisierung: Die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Denn die Sommerlinde vor der Kirche St. Sebastian hat schon viele Jahrhunderte auf ihrem knorrigen Buckel. Wie viele es genau sind, weiß niemand.

Geht es nach der Legende der Namensgeberin, ist die Linde mindestens 1000 Jahre alt. Edigna kam im 11. Jahrhundert als geflüchtete Tochter des französischen Königs nach Puch. Ein hilfsbereiter Bauer hatte sie aufsteigen lassen. Als das Gespann an der Linde vorbeirollte, blieben die Ochsen stehen, eine Glocke bimmelte und ein Hahn krähte. Edigna interpretierte das als göttliches Zeichen – und lebte von da an im hohlen Stamm der Linde. In den 35 Jahren, die der Baum ihr Zuhause war, heilte sie Mensch und Tier, schlichtete Streitigkeiten und erzählte von Gott. Ihr Leben wirkt bis heute nach. Noch immer wird sie in Puch und weit darüber hinaus verehrt. Und noch immer tragen Frauen in dem Brucker Stadtteil ihren Namen.

Pilger brachen Äste ab

So wie Edigna Kellermann. Die ist ein Pucher Urgestein, Vorsitzende des Edigna-Vereins und wie die meisten anderen Bewohner des Dorfes mächtig stolz auf die alte Linde in ihrem Ort. „Der Baum bedeutet mir sehr viel“, sagt Kellermann. Für sie ist das knorrige, von Rissen und Beulen überzogene Gewächs auch eine Brücke in die Vergangenheit.

Das sahen offenbar bereits frühere Generationen so – und versuchten, dem Baum so gut es geht unter die Äste zu greifen. Schon im 19. Jahrhundert wurde ein Zaun um den Stamm errichtet. Denn Pilger brachen immer wieder Zweige und Blätter ab und nahmen sie mit. Von Versuchen, den Baum zu stützen, zeugt noch heute eine Mauer in einem Hohlraum – frühe Versuche der Baum-Chirurgie.

Gehegt und gepflegt wird die Edigna-Linde auch heute noch. Zwei Mal im Jahr kommt ein Gutachter – und prüft das greise Gewächs einmal mit, einmal ohne Blätter. Beauftragt wird der Experte von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Denn die Edigna-Linde gilt seit 1983 als Naturdenkmal. Die Behörde hat auch die so genannte Verkehrssicherungspflicht. Sie ist dafür zuständig, dass den Friedhofs- und Kirchenbesuchern keine Äste auf den Kopf fallen.

Pilzbefall

Der Zahn der Zeit nagt kräftig an der Edigna-Linde. Aktuell muss sie sich mit dem so genannten Brandkrustenpilz herumschlagen, erklärt Michaela Schleicher, im Landratsamt für die Naturdenkmäler zuständig. In den vergangenen Jahren wurden deshalb Teile der Krone zurückgeschnitten, damit mehr Sonne an den Stamm gelangen kann.

Wie alt genau die Edigna-Linde ist, wissen auch die Experten in der Kreisbehörde nicht. Um das festzustellen, müsste man den Baum fällen – eine Option, die von vornherein ausscheidet. „Es bleibt also ein Geheimnis der Linde“, sagt Michaela Schleicher.

Doch gerade das Geheimnisvolle scheint eine magische Anziehungskraft auf einige Menschen auszuüben. Von nah und fern kommen sie, um die Edigna-Linde zu erleben, beobachtet Andreas Lohde. Der CSU-Stadtrat und Vize-Vorsitzende des Edigna-Vereins wohnt direkt nebenan. Immer wieder würden Autos mit unterschiedlichsten Kennzeichen im Pucher Zentrum Halt machen. Die Insassen ziehe es dann magisch zur Linde. „Die Menschen suchen die Spiritualität des Baumes“, sagt Lohde. Umschreiten, berühren oder die Energie spüren – die Edigna-Linde hat eine magische Anziehung, weit über die Landkreisgrenzen hinaus.

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