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Stofftaschen für ein besseres Leben: Die in Kabul hergestellten Stofftaschen helfen dabei, den Plastikmüll zu reduzieren. 

Fürstenfeldbruck

Diese Taschen aus Afghanistan helfen der Umwelt

1981, zwei Jahre nach dem Einmarsch Russlands in Afghanistan, floh Jamal Farani aus seiner Heimat. Vor 33 Jahren kam er nach Bruck – und blieb. Die Menschen in Afghanistan hat der 59-Jährige aber nie vergessen. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für sie. Sein aktuelles Projekt vor Ort heißt „Stoff statt Plastik“.

Fürstenfeldbruck 20 Nähmaschinen, 2000 Meter Stoff, zehn Kartons Faden und ein Zimmer im Haus eines Freundes für 20 Näherinnen und zwei Schneiderinnen: So startete das Projekt vor gut einem Jahr in der afghanischen Hauptstadt Kabul mit dem Vorhaben, Stoffbeutel vor Ort herzustellen und zu verkaufen. Zwei Ziele verfolgt Jamal Farani damit: „Ich will einerseits den Frauen in Afghanistan helfen, andererseits den Gebrauch von Plastiktüten in Kabul reduzieren.“

Geld an Bedürftige in Afghanistan

Schon vor 30 Jahren begann der 59-Jährige mit seiner Hilfe für Familien in Afghanistan, indem er Geld an Bedürftige schickte oder kriegsverletzte Kinder zur ärztlichen Behandlung nach Deutschland holte. Auf die Idee „Stoff statt Plastik“ kam er vor zwei Jahren, als er in einem Kabuler Fernsehsender einen Beitrag über Plastikmüll verfolgt hatte. „Meine Frau und ich sagten uns: Da können wir etwas machen!“

Das nötige Geld für die Anschaffungen generiert der Brucker neben Spenden unter anderem aus selber gestalteten Kalendern mit Bildern von seinen Afghanistan-Besuchen und dem Verkauf eines Kochbuches, das seine Frau gestaltet hat. „Das bieten wir zum Beispiel immer auf den Weihnachts-Basaren von St. Bernhard oder der Gnadenkirche an“, so Farani. Außerdem fließt das Honorar in das Projekt, das der Brucker für seine Vorträge in Oberbayern und demnächst in Baden-Württemberg bekommt.

Erzählung von der Flucht aus Afghanistan

Dabei zeigt er die schönen Seiten von Afghanistan wie die blühenden Mandelbäume und die tiefblauen Seen im Hindukuschgebirge, erzählt aber auch von seiner Flucht, wie er über ein kleines Dorf in Osthessen über Paderborn und Hamburg schließlich vor 33 Jahren nach Fürstenfeldbruck gekommen ist und im Krankenhaus eine Ausbildungsstelle zum Elektroinstallateur begonnen hatte.

Mittlerweile arbeitet der 59-Jährige als Medientechniker bei der Firma „Spie“ in München. „Die Firma unterstützt mich in meinem Projekt sehr“, sagt Farani, der auch auf die Unterstützung des Brucker Forums und der Caritas zählen kann. In Afghanistan helfen ihm einer seiner zwei Brüder und ein Freund, der beim Fernsehen arbeitet. Im Sender wurden schon zwei Werbespots über das Projekt ausgestrahlt und Farani hatte schon Auftritte vor der Kamera.

Frauen bekommen eine Perspektive

Inzwischen arbeitet der Brucker in Kabul mit anderen Organisationen, die sich um Frauen und Straßenkinder kümmern. Etwa 50 Näherinnen wirken derzeit am Stoffbeutel-Projekt mit, auf mindestens das Doppelte soll die Anzahl anwachsen. Das Logo für die Stofftaschen hat Faranis Tochter Madina entworfen. „Viele der Frauen, die dort beschäftigt sind, sind verwitwet oder psychisch angeschlagen“, so Jamal Farani. Die Tätigkeit biete ihnen Abwechslung und die Frauen könnten ihr eigenes Geld verdienen. „Damit haben sie eine Perspektive, dass sie sich etwas aufbauen können.“

Neue Nähmaschine mit Generator

Bei seinem letzten Afghanistan-Aufenthalt Ende März hat der 59-Jährige eine neue Nähmaschine gekauft sowie einen Generator, „weil der Strom in Kabul oft ausfällt“. Nun überlegt er, die Taschen auch in den deutschen Markt zu bringen und hofft, dass sich Firmen und Unternehmen finden, die diese anbieten. So wie es jetzt ein neu eröffnetes Einkaufszentrum in Kabul tut. Auch hofft Jamal Farani, dass er gemeinnützige Vereine mobilisieren kann, die das Projekt fördern, damit er den Frauen in Kabul noch besser helfen kann. Und damit den Menschen in seinem Heimatland, in das er 2007 nach 26 Jahren erstmals wieder, seitdem aber regelmäßig gereist ist und die Vielseitigkeit des Landes erst richtig kennenlernte. Bayern will er trotzdem nicht mehr verlassen. „Ich habe hier in Fürstenfeldbruck viele Freunde und Bekannte.“ (seo)

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