In der Linde in Puch lebte der Legende nach die Selige Edigna um die Wende zum 12. Jahrhundert herum. Ein Teil des Stammes könnte tatsächlich so alt sein.
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In der Linde in Puch lebte der Legende nach die Selige Edigna um die Wende zum 12. Jahrhundert herum. Ein Teil des Stammes könnte tatsächlich so alt sein.

Serie: Straßen und ihre Namenspatrone

Sie ist die Dorfpatronin von Puch

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Sie ist die Dorfselige, Patronin eines Vereins, vielfache Namensgeberin und Hauptfigur eines Theaterstücks: Seit die Selige Edigna in einer hohlen Linde neben der Pucher Kirche Zuflucht suchte, hat sie das Dorf geprägt. Und deshalb ist ihr nicht nur ein Theaterstück, sondern auch eine Straße gewidmet.

Der Edignaweg führt an der Linde vorbei.

Puch – Der Edignaweg führt vorbei an der Kirche St. Sebastian und an eben jener Linde, um die sich die Legende rankt. Edigna war eine Tochter des französischen Königs Heinrich  I. Sie floh vor einer geplanten Heirat. In Bayern nahm sie ein Bauer auf seinem Ochsenkarren mit. So saß sie neben einem Hahn und einer Glocke. Der Legende nach haben die Ochsen unterhalb des Dorfes Puch – damals noch kein Brucker Stadtteil – angehalten.

Der Hahn krähte und die Glocke läutete. Edigna deutete dies als Signal, abzusteigen. Sie blieb bis zu ihrem Tod in Puch und lebte in einer hohlen Linde. Die Bürger verehrten sie als Wundertäterin. Nach ihrem Tod am 26. Februar 1109 – dieses Datum ist überliefert – soll heiliges Öl aus der Linde geflossen sein. Als man versuchte, es aus Gewinnsucht zu verkaufen, versiegte es. Seitdem wurde die Selige Edigna verehrt.

Erste Erwähnung bei Aventin

Junge Ukrainer stifteten 1988 ein Edigna-Bild.

Erstmals berichtet Aventin im Zusammenhang mit dem Tod Kaiser Ludwigs des Bayern, der bei Puch bei der Bärenjagd verstarb, dass Edignas Gebeine hier begraben seien. Um 1600 wurden ihre Gebeine im linken Seitenaltar von St. Sebastian verwahrt. Der Altar ist Edigna geweiht, seitdem nahm die Verehrung zu. Im Jahr 1978 wurde in der Kirche ein Grab entdeckt, in dem sie bestattet gewesen sein könnte.

Die Pucher Kirche und die Selige Edigna waren und sind das Ziel vieler Wallfahrten. So wird auf einer Votivtafel aus dem Jahr 1639 von einem Mammendorfer Kind berichtet, das an „Roter Ruehr“ erkrankt war und über Nacht genesen ist. Auch ukrainische Wallfahrer kommen regelmäßig nach Puch – sogar der damalige ukrainische Staatspräsident Viktor Yushchenko im Jahr 2007. Denn Edigna wirkt auch in der Völkerverbindung Europas. Ihre Mutter Anna stammte aus der Ukraine. Daher wird sie bis heute dort verehrt. Auch Vertreter des Edigna-Vereins waren bereits zum Edigna-Anna-Fest in die Ukraine eingeladen.

Edigna gilt als Helferin in der Not

Ein Deckenfresko in St. Sebastian zeigt Edigna.

Edigna wird als Helferin in der Not noch heute angerufen – als Viehpatronin, bei Alltagsproblemen und Unglücksfällen, zur Wiedererlangung verlorener oder gestohlener Sachen, bei Krankheit und in der Sterbestunde. „Sie ist ein Vorbild und gilt als gemeinschaftsstiftend“, sagt Edigna Kellermann.

Auch die Vorsitzende des Edigna-Vereins sieht ihre Namenspatronin als Vorbild an. „Sie war eine starke Frau, die sich im Vertrauen auf Gott auf den Weg gemacht hat.“ Und sie sei für andere da gewesen.

Alle zehn Jahre wird die Legende mit den Edigna-Spielen zum Leben erweckt. Das Stück wird jedes Mal überarbeitet beziehungsweise neu interpretiert, so dass die Zuschauer stets neue Facetten ihrer Dorfheiligen entdecken. Erst im vergangenen Jahr hat Regisseur Marcus Everding die Legende in die Gegenwart gebracht. Erstmals aufgeführt wurde es im Jahr 1959, anlässlich des 850. Todestages der Seligen Edigna – auf Initiative des damaligen Kreisheimatpflegers Wolfgang Völk und des Pucher Gemeinderats. Das Stück schrieb Franz S. Wagner. Seitdem finden die Edigna-Spiele alle zehn Jahre statt – das nächste Mal 2029.

Edigna-Spiele bringen Pucher zusammen

Eine Edigna-Figur steht am Fuß der Linde.

Die Organisation ist eine der Hauptaufgaben des Edigna-Vereins, der 1969 gegründet wurde. „Durch die Spiele rücken die Bewohner zusammen“, erzählt Edigna Kellermann. Junge und alte, geborene und zugezogene Pucher wirken mit. So gelinge auch die Integration der Neubürger. „Wenn man sich einbringt, findet man auch eine Heimat.“ Daneben fördert der Verein die Verehrung der Seligen Edigna und engagiert sich im sozialen und kulturellen Leben.

Die Dorfgemeinschaft zu erneuern und zu stärken ist ein zentrales Ziel. Das geschieht durch eine Mutter-Kind-Grupe, die Malgruppe „Pucher Farbkreis“ und den vorweihnachtlichen Familiennachmittag, bei denen viele aus der Dorfgemeinschaft mitwirken. Zudem ist der Verein jedes Jahr mit dem Ochsenwagen und einer Fußgruppe bei der Leonhardifahrt dabei.

Auf ihre Dorfpatronin sind die Pucher stolz. Drei Frauen und Mädchen tragen ihren Namen, acht weitere führen Edigna als zweiten Vornamen – die jüngste Edigna in Puch ist gerade vier Monate alt. Noch mehr Edignas kommen jedes Jahr zu einem Festgottesdienst mit Empfang rund um den überlieferten Todestag zusammen. Und diese Erinnerung ist weitaus lebendiger als eine gewidmete Straße.

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