Ihren dritten Frauenkalender zeigt Elisabeth Lang vor dem legendären Café Rodelbahn. Dessen frühere Wirtin Hedi Grey-Wargau ziert mit ihrem Hund das Titelbild des Kalenders über Persönlichkeiten aus dem Landkreis. Foto: weber
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Ihren dritten Frauenkalender zeigt Elisabeth Lang vor dem legendären Café Rodelbahn. Dessen frühere Wirtin Hedi Grey-Wargau ziert mit ihrem Hund das Titelbild des Kalenders über Persönlichkeiten aus dem Landkreis. Foto: weber

Fürstenfeldbruck

Ein Kalender voller Frauen-Geschichte

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Von der Räubermutter bis zur ersten Professorin Bayerns, von der streitbaren Adligen bis zur Krimiautorin – der Kalender „Frauen im Landkreis Fürstenfeldbruck 2021“ widmet sich spannenden Persönlichkeiten aus der Region. Zum dritten Mal hat Elisabeth Lang die Jahrhunderte durchstreift und zwölf Porträts zusammengetragen.

Fürstenfeldbruck – Anregungen bekam Elisabeth Lang aus Ortschroniken, von Fans ihrer Kalender und durch geschichtsträchtige Gebäude wie das Schloss Esting. „Ich wollte wissen, wer dort früher gelebt hat“, erzählt die 54-Jährige. Sie stieß auf die Adlige Euphrosina Schad von Mittelbiberach, die Ende des 16. Jahrhunderts auf dem Schloss ihren Alterssitz nahm. Im echten Leben hätte sie dieser Frau nicht begegnen mögen, ist sich Lang nach ihren Recherchen sicher.

Als Witwe eines hohen kaiserlichen Beamten entfaltete die Mutter von zwölf Kindern an ihrem schwäbischen Heimatort eine rege Bautätigkeit. Sie besaß das Recht, Blutgerichtsbarkeit auszuüben und machte davon auch Gebrauch – einen Angehörigen der Wiedertäufer-Sekte ließ sie hinrichten. Wenn man hört, dass sie wegen des Gestanks einen Nachbarn zur Entfernung seines Misthaufens zwang, klingt das erstaunlich nach der heutigen Zeit. Schad wurde fast 100 Jahre alt und überlebte alle ihre Kinder. Sie starb 1616 in Esting.

Legendäre Wirtin

Gerne kennengelernt hätte Elisabeth Lang die Frau, die das Titelblatt des Kalenders schmückt: Hedi Grey-Wargau (1922 bis 2003), legendäre Wirtin der Brucker Gaststätte „Café Rodelbahn“. „Auf sie wurde ich immer neugieriger, je mehr ich über sie erfuhr“, erzählt die Bruckerin, die als Freiberuflerin im Kultur- und Bildungsbereich tätig ist. Hedi Grey-Wargau war bekannt für ihre weltoffene Art, ihr großes Herz, ihren Optimismus und ihre Bratkartoffeln. Sie ging bei Streitigkeiten in ihrem Wirtshaus beherzt dazwischen und schaffte es meist schnell, den Frieden wiederherzustellen. Kaum ein Gast wollte es sich dauerhaft mit ihr verscherzen – man kam zu gerne wieder.

Ein Gasthaus bewirtschaftete auch die 1847 geborene Therese Kneißl, Mutter des Räubers Mathias Kneißl. Sie taucht im Frauenkalender ebenso auf wie die Biologin Marianne Plehn, die Bayerns erste Professorin war und in Grafrath lebte. Über einen antiquarischen Bildband von Ludwig Thoma stieß Elisabeth Lang auf dessen Schwester Katharina Hübner, von der zunächst kein geeignetes Foto aufzutreiben war. Erst, als Lang einen Enkel Hübners ausfindig machte, kam sie an ein Bild der Frau, die lange in Bruck in der Feldstraße wohnte.

Mit der in Gröbenzell lebenden Schauspielerin Monika Baumgartner, der Künstlerin Hilde Seyboth aus Wenigmünchen und der Polizistin und Krimiautorin Manuela Obermeier aus Moorenweis sind auch drei zeitgenössische Frauen im Kalender vertreten. Für Lang war es wichtig, „die Zeiten zu mischen“, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken.

Der Frauenkalender

ist erhältlich zum Preis von 14,95 Euro über den regionalen Buchhandel und über Elisabeth Langs Homepage www.textwerkstatt-ffb.de.

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