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Berthold Goerdeler  sprach auf Einladung von Anna Ulrike Bergheim, der Vorsitzenden des Historischen Vereins.

Fürstenfeldbruck

Erinnerungen an einen Widerstandskämpfer

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 „Wehret den Anfängen“, sagte die erste Vorsitzende des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck (HVF), Anna Ulrike Bergheim, am Donnerstag bei der Begrüßung von Berthold Goerdeler, dem Enkel des Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdeler. 

Fürstenfeldbruck –Und in Anspielung auf die denkwürdige Ministerpräsidentenwahl in Thüringen am Vortag ergänzte Bergheim: „Wir wollen keine Weimarer Zeiten.“

Die Weimarer Republik steht heute auch für eine Zeit politischer Instabilität, in der es letztlich den Nationalsozialisten möglich war, die Macht zu ergreifen. Zu betonen, dass sein Großvater nicht zu denen gehörte, die das zunächst begrüßten, ist Berthold Goerdeler wichtig. In seinem Vortrag widersprach er vor rund 40 Zuschauern, durchwegs älteren Semesters, der vorherrschenden Meinung, sein Großvater wäre anfangs den Nazis positiv gegenübergestanden.

„Er hat Hitlers Machtergreifung nie begrüßt“, sagte Berthold Goerdeler. Er habe damals lediglich geäußert, aufgrund ihrer Mehrheit im Reichstag hätten die Nationalsozialisten die Chance, wieder Ordnung ins Land zu bringen. „Das haben sie aber nicht getan, insofern begann der Widerstand meines Großvaters vom ersten Tag an.“

Carl Friedrich Goerdeler war einer der führenden Köpfe des zivilen Widerstandes. Wäre das Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 geglückt, so wäre der 1937 als Leipziger Oberbürgermeister zurückgetretene Carl Friedrich Goerdeler anschließend Reichskanzler geworden, erfuhren die Zuhörer.

Goerdeler verstand es, im Laufe der Jahre ein Widerstands-Netzwerk von Politikern, Gewerkschaftern, Unternehmern und Militärs aufzubauen. Nach seinem Rücktritt als Leipziger Oberbürgermeister unternahm Goerdeler in drei Jahren 18 Auslandsreisen, um der Welt vor Hitler die Augen zu öffnen.

So verweigerte er als Oberbürgermeister zahlreiche Anordnungen Hitlers, wenn diese dem Rechtsstaat widersprachen. „Er selber lehnte aber ein Attentat auf Hitler ab. Das widersprach seinem christlichen Glauben. Er wollte dessen Verhaftung und einen rechtsstaatlichen Prozess“, betonte Bertold Goerdeler, der selbst Jurist ist.

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Berthold Goerdeler, Jahrgang 1947, mit der Geschichte seines Großvaters, der im Februar 1945 in Berlin-Plötzensse hingerichtet wurde. Dabei stellt er fest, dass man sich heute wieder in manchen Situationen in einer ähnlichen Lage befinde. „Das Auseinanderdividieren, den anderen schlecht machen, die Hetze, das sind die Dinge, die nach meiner Überzeugung dazu aufrufen, doch bei Zeiten zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Irgendwo ist die Grenze.“

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