Auf dem Volksfestplatz

Erster Auto-Gottesdienst: Blinken statt Amen

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Premiere auf dem Volksfestplatz: Die  Evangelisch-Lutherischen Erlöserkirche feierte dort einen Auto-Gottesdienst.  

FürstenfeldbruckDie hundert gedruckten Liedzettel haben nicht gereicht, denn fast so viele Autos versammelten sich am Sonntagvormittag vor der großen Leinwand des Autokinos auf dem Volksfestplatz. Der evangelische Dekan Markus Ambrosy hatte zur Autokino-Kirche eingeladen und die Gläubigen kamen in Scharen. „Wir sind eher seltene Kirchgänger, aber dieses Angebot hat uns neugierig gemacht“, sagten Susanne und Alex Storf, die das Autokino sonst nur von abendlichen Filmen kennen. „Wir finden es super, wie die evangelische Kirche mit der Zeit geht“.

Das Warm-up hatte der Dekan selbst vorgenommen, nachdem er auf der Ladefläche eines gelben Abschleppwagens zusammen mit Pfarrer Valentin Wendebourg und einem zum Altar umfunktionierten Biertisch über die Autodächer gehoben wurde. „Wer im Autoradio die Frequenz zu Gott nicht findet, lege seinen linken Arm auf das Autodach“, bat Ambrosy. Darum kümmerte sich Auto-Kino-Betreiber Markus Eisele dann persönlich.

Wegen der Hitze hielten es einige nicht im Auto aus, sondern saßen auf einer Decke davor oder im Schatten der geöffneten Heckklappe ihres Transporters. Sogar an die Radlfahrer war gedacht, weil die ein mobiles Radio leihen konnten. Einer wollte den Gottesdienst lieber zuhause verfolgen, was aber laut Eissele nur im Umkreis von 200 Metern um den Vielmarktplatz möglich sei.

„Die Bibel ist das Kino Gottes für die Menschen, da wie dort geht es um das Ringen des Guten mit dem Bösen“, so Ambrosy in seiner Ansprache – passend zum räumlichen Kontext des Platzes, an dem allabendlich Filme gezeigt werden. Viele biblische Themen seien cineastisch aufgegriffen worden, wobei sich nicht nicht immer der Glaube an das Gute durchsetze. „Keiner muss immer perfekt sein, ein Forest Gump bewegt mehr als Batman“, so der Dekan weiter.

Nach langen Monaten der Corona-Abstinenz freuten sich auch die locker vor dem Abschleppwagen verteilten Bläser der Erlöserkirche: „Das ist heute unser erster Auftritt“, erzählte Gunther Kuhn und stellte fest, dass er besser vorbereitet sei als sonst: „Das Homeoffice spart mir durch den Wegfall der Fahrerei viel Lebenszeit und die habe ich zum Üben genutzt“, so der Posaunist..

In bester Kino-Manier gab es von den beiden Pfarrern für die Gottedienstbesucher beim Rausfahren noch Popcorn aus der einen Hand und den Klingelbeutel in der anderen Hand. Markus Ambrosy war es anzumerken, dass ihm diese besondere Art der Verkündigung („Eventgottesdienst“) liegt – zumal er sich als Cineast outete. „Die Kirche hat nicht das Monopol auf die Verkündigung, und mancher Film ist besser als eine Predigt“, so der Pfarrer.

Einzig die Interaktion mit den Besuchern sei durch die blendenden Windschutzscheiben noch schwieriger als bei einem Gottesdienst mit den sowieso schon störenden Mund-Nasen-Masken. Um nicht ins völlige „Off“ zu predigen, konnte er wenigstens die Bläser ansprechen und sich an den durch Warnblinker artikulierten Reaktionen – die anstelle eines Amens kamen – erfreuen. Und erst recht an dem begeisterten Hupkonzert zum Schluss.

Rubriklistenbild: © Kronenbitter 

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