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Die Familien bleiben zu Hause. Das hat Anne Kaiser mit ihrem Fotoprojekt dokumentiert. 

„Menschen hinterm Gartenzaun“

Familienszenen als Sinnbild der Corona-Krise

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Eine Brucker Fotografin hat die Corona-Krise in beeindruckende Bilder gepackt. 

Fürstenfeldbruck – Eigentlich wäre Anne Kaiser jetzt in Nepal. Einmal im Jahr stellt die Brucker Fotografin ihr Talent in den Dienst einer guten Sache – diesmal hätte es ein Spendensammelprojekt für den Bau von Brunnen und Schulen sein sollen. Dafür wollte sie mit einem buddhistischen Mönch durch seine Heimat wandern und Bilder machen.

Weil die Reisebeschränkungen dazwischen kamen, wurden aus der Fernreise nach Nepal Spaziergänge durch Bruck. Hier hat Anne Kaiser Menschen hinter Gartenzäunen fotografiert. Die Idee kam der promovierten Kulturwissenschaftlerin eines Morgens beim Semmelholen. Überall sah sie im Vorbeigehen Menschen in ihrem Zuhause, wurde Zeugin vieler idyllischer Familienszenen.

Aufruf in sozialen Medien führt zum Erfolg

Ein Aufruf über Facebook und Whatsapp, wer Lust hatte, sich fotografieren zu lassen, brachte schnell die ersten Anfragen. Anne Kaiser machte sich zu Fuß mit ihrer Kamera auf den Weg durch die Stadt. Von der Straße aus porträtierte sie Menschen an ihren Fenstern und auf Balkonen, Familien auf der Haustreppe oder im Garten. Die Fotos halten fest, was es dieser Zeit Positives abzugewinnen gibt – das intensive Zusammensein von Familien, die guten Dinge des Alltags, besondere Momente des Zusammenrückens.

Über die Zäune hinweg führte Kaiser viele Gespräche – über die Herausforderungen und Chancen der Krise und darüber, was sich in die Zeit danach mitzunehmen lohnt. „Begegnungen von Menschen sind rar geworden“, sagt Anne Kaiser. „Und erst jetzt, da sie wegfallen, lernen wir sie zu schätzen.“

Spenden statt Bezahlung

Die Fotografin Anne Kaiser lebt in Fürstenfeldbruck.

Anstelle einer Bezahlung sammelt die Fotografin Spenden „für Menschen, die nicht das Glück eines sicheren Zuhauses haben“, zum Beispiel für die Frauenhäuser in der Region und für den Münchner Verein Zeltschule, der Kindern in syrischen Flüchtlingslagern Schulunterricht ermöglicht. Kaiser würde sich freuen, wenn ihre Idee sich ausbreiten und Fotografen in ganz Deutschland ihre eigenen Gartenzaun-Projekte starten würden. Auf ihrer Homepage hat sie zwei Links eingestellt, um Interessierte miteinander zu vernetzen – Fotografen, die mitmachen wollen, und Menschen, die gerne fotografiert werden möchten. Nach Nepal will die Bruckerin übrigens immer noch. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

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