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Theresa Thoma (oben) ist 22. Sie sei eher der Bastlertyp, sagt sie von sich selbst. Deshalb funkt sie regelmäßig in die weite Welt hinaus.

Amateurfunk

Faszination Funk: Warum Menschen heutzutage morsen

In Zeiten von Facebook, Whatsapp und Co. ist Kommunikation schnell, einfach und grenzenlos. Und trotzdem gibt es Menschen, die heutzutage noch morsen. Über die Welt des Amateurfunks und ihre Fans.

Fürstenfeldbruck – „Delta Lima 0 Foxtrott Uniform, allgemeiner Anruf, CQ.“ Was wie ein militärischer Funkspruch wirkt, hört man nicht etwa auf dem Fliegerhorst, sondern im Klubheim der Amateurfunker auf dem Volksfestplatz Fürstenfeldbruck. In dem kleinen Dachbodenraum stapeln sich Schrauben, Bauteile, technische Basteleien und Funkgeräte aller Art. Es rauscht, blinkt und piept aus allen Ecken und Enden. „Zum Funken braucht man eigentlich nur eine Antenne, Sender und Empfänger, einen Lautsprecher und ein Mikrofon“, erklärt Wolfgang Förtsch, langjähriges Mitglied der Amateurfunker. „So kompliziert, wie es aussieht, ist es gar nicht.“

Rufzeichen: DK4MZ

Seit 1970 funkt Förtsch unter dem Rufzeichen DK4MZ mit Morse, Sprechfunk und anderen Funkvariationen auf Geräten verschiedenster Reichweiten. Seine Faszination für den Amateurfunk hat ihre Wurzeln jedoch noch viel weiter in der Vergangenheit: „Als ich zehn war, war ich mit meinen Großeltern im Urlaub bei Verwandten. Deren ältester Sohn hatte eine Funkstation, noch mit Geräten aus dem Zweiten Weltkrieg. Da wollte ich natürlich wissen: Wie funktioniert das?“

Die Frage ließ den heute 67-Jährigen nicht mehr los, bis er 1970 seine Funkprüfung ablegte. „Kommunikation um die ganze Welt, das war damals noch etwas Besonderes, Faszinierendes.“ Der Amateurfunk ermöglichte eine Verständigung über Grenzen hinweg.

Auf seinen Funkspruch bekommt Förtsch heute keine Antwort. Er wechselt das Funkgerät: Statt nur im süddeutschen Raum sucht er nun in ganz Europa nach einem Funkpartner. Es antworten Menschen aus ganz Europa, Juanfranco aus Spanien und Edmond aus Frankreich. „Es gibt kaum ein Land, in dem es keinen Amateurfunk gibt“, sagt Förtsch.

Während früher die Kommunikation das Spannende beim Amateurfunken war, ist sie für die „Generation Internet“ nebensächlich geworden. Der Reiz liege heute in der Technik, im Selbermachen von Geräten und Verbindung, ohne einen Drittanbieter dazwischen. Das kann Funkamateurin Theresa Thoma bestätigen: „Ich war schon immer eher der Bastlertyp. Schon als kleines Mädchen habe ich lieber mit Holz und Nägeln experimentiert, als mit Puppen gespielt“, sagt die 22-Jährige. Mit zwölf Jahren stieß sie zu den Brucker Funkamateuren. Angefangen bei kleinen technischen Bausätzen schraubte sie schon bald ihr eigenes Funkgerät zusammen – bis sie sogar den eigenen Herd zu Hause wieder funktionstüchtig machen konnte.

Doch neben diesem allgemeinen technischen Verständnis hat das Hobby Amateurfunk noch einen anderen Nutzen: „Wir sind die Letzten, die in Katastrophenlagen die Kommunikation aufrecht erhalten können“, sagt Thoma. Das üben die Funkamateure auf regelmäßigen Field Days: Die Funker sind 24 Stunden von sämtlicher Technik abgeschnitten und bauen „in der Wildnis“ autarke Notfunkstationen auf. Förtsch sagt: „Wenn alles andere ausfällt, ist wenigstens auf den Funk noch Verlass.“

Von Stefanie Mayer

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