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Rund 300 Menschen wollen Christian Lindner (vorne, 4. v. l.) reden hören.

Im Kloster Fürstenfeld

FDP-Bundesvorsitzender lässt Bayerns Liberale hoffen

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Christian Lindner, Spitzenkandidat der FDP bei der Bundestagswahl, hetzt derzeit von Termin zu Termin. Er soll die Liberalen zurück in den Bundestag führen. Kürzlich ist er im Kloster Fürstenfeld aufgetreten.

Fürstenfeldbruck – Es ist ein langer Weg für Christian Lindner. Und die Zeit ist knapp. Am frühen Freitagabend hat der 38-Jährige gerade unter dem Applaus von 300 Menschen seine Rede im Kloster Fürstenfeld beendet. Nun muss er sich durch ein Selfie-Gewitter zum Ausgang kämpfen. Hier ein Foto, da ein Handschlag, dort ein Autogrammwunsch. Die Menschen würden ihn am liebsten da behalten. Doch Lindner weiß: Er muss jetzt wirklich los. „Ich will nicht genervt wirken, aber ich stehe unter Zeitdruck“, entschuldigt er sich und verschwindet durch eine Seitentür. Der FDP-Bundesvorsitzende, eine Lichtgestalt.

Es ist ein fast absurdes Programm, das Lindner derzeit abklappert. Sein Terminplan am Freitag: 12.30 Uhr Startup-Lunch in München, 14.30 Uhr ein Vortrag an der Uni Augsburg, 17.30 Uhr die Rede in Fürstenfeldbruck. Um 20 Uhr soll er im Münchner Café Luitpold über eine „neue Epoche der Freiheit“ sprechen. Dazwischen hat er dem Münchner Merkur noch ein Interview gegeben.

Er kämpft um das Wiedererstarken seiner FDP. Bei mehreren Landtagswahlen sind die Liberalen erfolgreich gewesen. Nun soll Lindner sie zurück in den Bundestag führen. Im Veranstaltungsforum überreicht man ihm als Geschenk vier Flaschen eines Bieres aus Maisach. Er schaut aufs Etikett und sagt: „Ah fünf Prozent“. Das viermal mache „20 Prozent“. 20 Prozent wird die FDP bei der Bundestagswahl wohl verfehlen. Aber die Hoffnung auf eine Rückkehr in den Reichstag nach der Schlappe von vor vier Jahren ist groß bei der Partei.

Der Brucker Kreisverband der FDP hat am Freitag im Kloster 220 Stühle für Besucher aufstellen lassen. Doch viele Gäste müssen stehen. Sogar Liberale aus Landshut und Miesbach sind extra angereist. Auch einige jüngere Menschen sind gekommen. Da es recht schwül im Raum ist, wedeln sich viele mit Flyern der Jungen Liberalen frischen Wind ins Gesicht. Bundestagskandidat Andreas Schwarzer sagt angesichts der vielen Besucher: „Das zeigt, dass es der FDP wieder gut geht.“ Doch natürlich wollen viele einfach nur Christian Lindner sehen, den Eichenaus FDP-Bürgermeister Peter Münster einen „Publikumsmagneten“ nennt.

Münster und Schwarzer warten gegen 17.30 Uhr vor dem Veranstaltungsforum auf Lindner. Sie wirken ein wenig nervös. Sie wissen ja selbst um die Termindichte ihres Bundesvorsitzenden. Da kann theoretisch immer etwas schief gehen. „Wenn er sich arg verspäten würde, würde er sich sicher melden“, sagt Schwarzer und schaut auf sein Handy.

Wenig später ist Lindner schon da. Beim Brucker Kreisverband sei er noch nie gewesen, dafür aber früher einmal in der Offiziersschule, sagt er und schüttelt Hände. Lindner ist Hauptmann der Reserve der Luftwaffe. Derzeit ist er ein Parteisoldat und hetzt für die FDP von Termin zu Termin.

Die Strapazen gleichwohl merkt man ihm beim Auftritt in Bruck nicht sonderlich an. Er redet frei, zuerst über die Wende der Bundesregierung in der Türkei-Politik („die EU-Beitrittsgespräche müssen beendet werden“) und den G20-Gipfel in Hamburg, der „Immerhin-Ergebnisse“ geliefert habe. Später spricht er sich für ein Einwanderungs-Gesetz aus („wann, wenn nicht jetzt sollten wir moderner werden?“) und fordert, mehr in Bildung zu investieren („Bildung vor Rüstung“). Nach wie vor möchte die FDP Steuervereinfachungen, doch die Liberalen haben sich für die Bundestagswahl inhaltlich breiter aufgestellt. Lindner spricht von einem „Bildungsurlaub“, den die Wähler der FDP vor vier Jahren verpasst haben.

Um kurz nach sieben drückt er auf die Tube und beendet die Rede. Er hat länger gesprochen, als er eigentlich wollte. Nun muss er sich beeilen. In weniger als einer Stunde beginnt der nächste Termin. Es wird nicht der letzte sein.

rat

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