Den neuen Standort vor Augen: Stefan Scheibl vor den Plänen für die OSLw in Roth.	Fotos: mjk (2)
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Den neuen Standort vor Augen: Stefan Scheibl vor den Plänen für die OSLw in Roth.

Fliegerhorst FFB

Neuer Fursty-Kommandeur: „Die Arbeitsgruppe Umzug ist schon tätig“

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Die Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) hat einen neuen Kommandeur: Brigadegeneral Stefan Scheibl (57) wechselte zum vierten Mal in seiner Karriere zur „Wiege der Luftwaffe“, wo er auch 1988 die Pilotenausbildung begann.

Fürstenfeldbruck – Fliegerische Verwendungen als Alpha-Jet- und Tornadopilot führten Scheibl – neben vielen Auslandseinsätzen – auch auf das Lechfeld, wo er als Kommodore das Jagdbombergeschwader 32 führte. Nach mehreren Stationen im Verteidigungsministerium diente der Berufsoffizier zuletzt zwei Jahre als Stellvertretender Director der European Air Group in England. Als Chef der OSLw ist der Brigadegeneral gleichzeitig sogenannter Standortältester, also Verbindungsmann und Ansprechpartner für die örtliche Politik und zivile Verwaltung. Scheibl lebt im Nachbarlandkreis Aichach-Friedberg, ist verheiratet und hat drei Kinder. Im grünen Pilotenkombi und mit einem leichten Dialekt seiner oberpfälzischen Heimat spricht er im Interview über die Umzugspläne der Luftwaffe, Corona auf dem Fliegerhorst

Herr General, nach sechs Jahren kehren Sie wieder an die Offizierschule zurück, wo Sie zuletzt zwei Jahre als Kommandeur der Lehrgruppe Ausbildung und Leiter Schulstab dienten. Hat sich seitdem etwas verändert, spürt man schon etwas von dem bevorstehenden Aufbruch zum neuen Standort Roth?

Eine große Neuerung wurde im Bereich der Lehre in dieser Zeit erfolgreich eingeführt: die kompetenzorientierte Ausbildung. Dabei stehen der Auszubildende und das aktive Erlernen von Fähigkeiten und Kenntnissen im Mittelpunkt. Der Lehrende hält sich dabei im Hintergrund und lässt den Schülern den Freiraum für eigenes Handeln, Selbsterfahrung und Reflexion. Für einen konkreten Aufbruch ist es etwas zu früh, dennoch wurde kürzlich die schon seit mehr als einem Jahr tätige Arbeitsgruppe Umzug auf knapp zehn Mann aufgestockt.

Wie sehen die Umzugspläne der OSLw nach Roth aktuell aus?

Bevor wir die logistischen Fragen des Umzugs klären, muss die Arbeitsgruppe mit vielen Partnern, zum Beispiel dem IT-Dienstleister des Bundes (BWI) sicherstellen, dass alles so eingerichtet wird, wie wir das für den Lehrbetrieb brauchen. Letzte Woche war ich persönlich auf der Baustelle in Roth. Das zentrale Hörsaalgebäude befindet sich noch im Rohbauzustand, die Unterkünfte sind kurz vor der Fertigstellung. Ziel ist, dass wir im Oktober 2023 die ersten Lehrgangsteilnehmer in Roth empfangen – ohne dass in diesem Jahr ein Lehrgang ausfällt.

Geht das gesamte Lehrpersonal mit und findet es auch Platz in Roth?

Die Unterkunftspflichtigen, also die Lehrgangsteilnehmer können auf jeden Fall in der Kaserne untergebracht werden, das Stammpersonal wird sich sicher – wie hier ja auch – etwas auf dem privaten Wohnungsmarkt suchen. Aber zunächst müssen wir die verbleibenden drei Jahre nutzen, um eine verlässliche Personalplanung zu machen.

2023 ist nicht die erste Verlängerung, und Verzögerungen sind bei einem staatlichen Millionenprojekt auch nicht ungewöhnlich. Welche Unsicherheitsfaktoren sind bei dem Termin noch enthalten?

Derzeit liegt alles im Zeitplan, wir sind optimistisch, dass es dabei bleibt.

Sie sind aber nicht der letzte, der das Licht am Fliegerhorst ausmacht. Welche Dienststellen bleiben länger als die OSLw?

Vor uns verlassen die hiesigen Teile des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin und die Schule des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr den Fliegerhorst. Vorbehaltlich der Fertigstellung der notwendigen Infrastruktur dürften mit der Verlegung des Ausbildungszentrums für Abbildende Aufklärung der Luftwaffe nach Kropp in Schleswig-Holstein und des Führungsunterstützungssektors 1 auf das Lechfeld dann die letzten Dienststellen Fursty Ende 2026 verlassen haben. Wenn die Truppe die Liegenschaft verlassen hat, ist es Aufgabe des Bundeswehrdienstleistungszentrums, die Liegenschaft an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zurückzugeben.

Wie arbeitet es sich in einem Baudenkmal? Die Bundeswehr hat den Ruf, Gebäude und Liegenschaften in gutem Erhaltungszustand zu verlassen. Stehen noch Sanierungen im „Blauen Palais“ an?

Meine Vorgänger haben immer eingefordert, dass das Gebäude bis zuletzt funktionstüchtig bleibt. So wurde im vergangenen Jahr noch für das gesamte Gebäude das WLAN eingerüstet, das wir für die Ausbildung und das Selbststudium dringend benötigen. Auch der Bauunterhalt läuft normal weiter.

Wie ist die Corona-Bilanz auf dem Fliegerhorst?

Wir hatten einige Corona-Fälle, was angesichts der derzeit rund 500 Lehrgangsteilnehmer aus ganz Deutschland nicht überraschend ist. In Zusammenarbeit mit der Überwachungsstelle für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdiensts der Bundeswehr haben wir zu Beginn der Corona-Pandemie ein Hygienekonzept erarbeitet. Obergrenzen bei den Lehrgangsteilnehmern und in der Hörsaalbelegung, oder auch E-Learning und Fernlernen, sind zum Beispiel Maßnahmen, die wir ergriffen haben.

Örtliche Vereine können Gebäude und Sporteinrichtungen im Fliegerhorst derzeit nicht nutzen. Ist eine Lockerung in Sicht?

Nein, leider. Aufgrund des Hygienekonzepts und den damit verbundenen Einschränkungen lasten wir selbst derzeit unsere Sportanlagen voll aus. Uns ist bewusst, dass wir innerhalb der Kaserne strengere Auflagen haben als die zivile Gesellschaft draußen. Aber wir haben hinsichtlich der Laufbahnlehrgänge für die Offiziersanwärter auch eine besondere Verantwortung.

Die Politik erarbeitet fieberhaft Konversionspläne. Wie sind sie involviert?

Relativ wenig, das ist Sache der Anlieger-Gemeinden. Wir unterstützen aber bei Anfragen gerne, so wie zum Beispiel bei einer Anfrage der Brucker Industrie- und Handelskammer, die den Fliegerhorst besichtigen will.

Welche derzeit noch militärisch genutzten Teile der Kaserne könnten vor Abzug der OSLw abgegeben werden?

Der neue Chef am Standort ist ein Rückkehrer: Brigadegeneral Stefan Scheibl begann in Fursty 1988 seine Fliegerausbildung. Jetzt leitet er die Offizierschule der Luftwaffe.

Die Frage muss andersherum gestellt werden, denn es ist nicht die Frage was wir abgeben können, sondern welche konkreten Flächen oder Bauwerke von den Gemeinden angefragt werden. Ich meine, die Bundeswehr war in der Vergangenheit bei derartigen Anfragen immer sehr kooperativ. Wobei genauer gesagt nicht die Bundeswehr darüber entscheidet, sondern die BImA. Als Standortältester schreibe ich dazu nur eine Stellungnahme. Wichtig ist dabei, dass vorzeitige Teilabgaben von Flächen nur dann erfolgen können, wenn sie zusammenhängende Flächen im Randbereich betreffen, dass diese eine Verkehrserschließung aus dem öffentlichen Raum zulassen und dass deren versorgungstechnische Autarkstellung wirtschaftlich möglich ist.

Nochmal zurück zur Offizierschule: Vor der Corona-Krise hatte die OSLw steigende Schülerzahlen. Fruchtet die Attrakivitätsoffensive des Verteidigungsministeriums oder haben Sie ganz einfach die Mindestanforderungen an den Offiziersberuf nach unten geschraubt?

Die Nutzung der neuen Medien hat sicher dazu beigetragen, dass es uns besser gelungen ist, zu vermitteln was wir machen. Der Offiziersberuf ist attraktiv – daran hat im Übrigen die vorübergehende Einstellung des Lehrbetriebes im März auch nichts geändert. Kein einziger Offiziersanwärter hat abgebrochen, alle haben den Lehrgang trotz der schwierigen Rahmenbedingungen geschafft. Corona bedeutete keinen Einbruch der Absolventen, der Trend zur Steigerung der Zahlen wird anhalten.

Gibt es schon Pläne für eine Fliegerhorst-Abschiedsparty? Das Lufttransportgeschwader 61 Penzing hat sich ein halbes Jahr vor Auflösung mit einem ,Tag der Bundeswehr’ für 50 000 Besucher verabschiedet – wäre das nicht auch eine Idee für die Bürger von Stadt und Landkreis Bruck?

Noch gibt es keine Pläne, aber ich bin dankbar für den Hinweis, den ich mal in unsere Arbeitsgruppe trage. Aber diesbezüglich werde ich sicherlich noch auf die Bürgermeister der umliegenden Gemeinde zugehen.

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