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Hermann Bernreiter (links) bietet wertvolle Gläser an.

Flohmarkt

Geliebte Schätze wechseln den Besitzer

Ob Opas alte Plattensammlung oder Omas feines Teeservice – alles muss raus. Das war auch das Motto auf dem diesjährig zweiten Flohmarkt auf dem Volksfestplatz.

Fürstenfeldbruck – Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich auch am Samstag wieder unzählige Sammler, Kleiderkistendurchwühler und Schnäppchenjäger auf dem traditionellen Flohmarkt der Evangelischen Jugend der Erlöser und Gnadenkirche Fürstenfeldbruck ein. Wieder einmal haben sich viele Menschen in ihre verstaubten Keller oder auf ihre stickigen Dachböden gewagt um alte Schätze auszugraben und sie zum traditionellen Flohmarkt auf dem Volksfestplatz zu bringen.

Bei dem einen oder anderen Fundstück fällt es den Verkäufern jedoch besonders schwer loszulassen. Andere Sachen waren über Jahre hinweg in Familienbesitz und sollen nun ein neues Zuhause finden. Das Tagblatt hat bei einigen Standbesitzern nachgefragt, ob es Stücke gibt, an denen ihr Herz hängt und von denen sie sich schwer trennen können.

Stefan Winkler verkauft mit Michaela Wolf, Luisa Sauer, Lucy Wörl und Carmen Dobroka vor allem Elektronik. 

Gleich am Eingang des Geländes gegenüber des Marthabräu-Biergartens haben Stefan Winkler aus Bruck und seine Familie ihre Tische aufgebaut. Gut gelaunt sitzen er und seine vier Verkäuferinnen auf Barstühlen um einen kleinen Stehtisch und warten auf Kundschaft. „Die Stühle und der Tisch sind übrigens auch zu verkaufen“, begrüßt er uns und zeigt uns die Schätze auf seinem Tisch.

Hauptsächlich Elektrogeräte sind dort zu finden und im ersten Moment kann man nicht davon ausgehen, dass ihm etwas davon besonders ans Herz gewachsen ist. Doch weit gefehlt. Voller Stolz öffnet er eine kleine Pappschachtel, die randvoll mit alten Mini-Discs und einem ebenso alten Recorder ist. „Zu dem Recorder gibt es auch eine Geschichte“, sagt Winkler, als er die Kiste öffnet. „Ich hab ihn damals 2000 kurz vor meinem Geburtstag gekauft und meine ganze Musik drauf gespielt. Da hängt sehr viel Erinnerung dran.“

Als es um den Preis geht, sagt er überzeugt: „Ich will für die ganze Kiste 70 Euro und da kann mir auch einer 69 Euro bieten, dann behalt ich’s lieber. Ehrlich gesagt will ich’s gar nicht verkaufen, vielleicht pack’ ich es wieder ins Auto.“ Gesagt, getan – die Kiste verschwindet wieder vom Tisch.

Manchmal ist loslassen doch schwerer als man denkt. Ein wenig später treffen wir Hermann Bernreiter aus Germering an seinem Stand. Er ist ein alter Hase und kommt häufiger auf den Flohmarkt. Sein liebstes Stück ist ein altes Bierglas von seinem Schwiegervater. „Das ist ein Schaustück, das mein Schwiegervater selber gemacht hat“, erklärt Bernreiter.

Die Schwestern Renata Jemali und Anita Mustapi haben unter anderem ein wertvolles Kleid von Renata im Angebot.

Der aus blauem Bleiglas gefertigte Bierkrug zieht schon Aufmerksamkeit auf sich, erzählt der Germeringer: „Es waren schon einige Interessenten da, doch es war noch keiner bereit die 70 Euro für den Krug zu bezahlen.“ Auch wenn es ihm schwer fällt, sich von dem Bierglas zu trennen, ist es nicht das einzige Stück, das sein Schwiegervater gefertigt hatte. „Ich habe noch etwa zehn Stück zu Hause in einer Vitrine stehen“, erklärt Hermann Bernreiter.

Am Ende des Rundgangs kommen wir noch bei den Schwestern Renata Jemali und Anita Mustapi vorbei. Die beiden versuchen ihre Kunden mit Cookies zu bestechen, doch das hilft nicht immer. „Wir dachten, wir verkaufen die Kiste mit dem Lego im Handumdrehen und jetzt steht sie immer noch hier“, erzählt Anita Mustapi.

Doch das ist bei weitem nicht alles, was die gebürtigen Kroatinnen anzubieten haben. Zwei große Stände inklusive des Transporters stehen zum Verkauf.

Doch woran besonders Renata hängt, ist eher unscheinbar versteckt zwischen anderen Klamotten: „Dieses Kleid habe ich nach meiner Hochzeit tragen wollen, denn in Kroatien zieht man sich um Mitternacht um. Es war sehr teuer. Doch dann habe ich ein selbstgenähtes Kleid getragen und seitdem hängt es im Schrank.“

Von Tom Eldersch

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