Genau geregelt ist das Lüften an der Kirchenschule in Germering. Ist das Fenster komplett offen, müssen die Lehrer aufpassen, dass kein Kind hinausfällt.  Foto: gehre
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Genau geregelt ist das Lüften an der Kirchenschule in Germering. Ist das Fenster komplett offen, müssen die Lehrer aufpassen, dass kein Kind hinausfällt.

Fürstenfeldbruck

Frischluft-Unterricht mit Hindernissen

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Fenster auf, Fenster zu: Lüften ist das Gebot der Stunde an den Schulen. So soll das Corona-Infektionsrisiko gesenkt werden. Doch längst nicht alle Fenster lassen sich auch ganz öffnen. Und beim Gedanken an den nahenden Winter schaudert es Schüler und Lehrer bereits jetzt.

Fürstenfeldbruck – Sicherheit geht vor. So haben sie es an der Germeringer Kirchenschule bereits vor Corona gehandhabt – und natürlich soll das auch in der Krise gelten. Schließlich soll der Kampf gegen das Virus nicht in einer Katastrophe münden. Konkret heißt das: Wird ein Fenster komplett geöffnet, muss ein Lehrer davor Wache schieben. Grundschüler kommen manchmal ja auf die seltsamsten Ideen. Und Schlagzeilen durch einen Fenstersturz will man an der Kirchenschule nicht machen.

Von dieser Problematik betroffen ist aber nur der Teil der Bildungseinrichtung, in dem die Ganztagsschüler untergebracht sind. Im Bau für die Regelklassen lassen sich die Fenster nämlich nur kippen, erklärt Schulleiterin Ismene Kucher. Um mögliche Viren an die frische Luft zu befördern, bleibt neben den Fenstern auch die Tür zum Klassenzimmer dort zusätzlich geöffnet.

Die Kinder hätten sich an den Frischluftunterricht gewöhnt, sagt Kucher. „Die Schüler halten sich ganz wunderbar daran.“ Und auch von Seiten der Eltern habe es noch keine Beschwerden gegeben.

Der Rahmen-Hygieneplan

Wie genau gelüftet werden soll, gibt der so genannte Rahmenhygieneplan vor, den Kultus- und Gesundheitsministerium erarbeitet haben. Mindestens alle 45 Minuten sollen die Viren mit vollständig geöffneten Fenstern vertrieben werden. „Eine Kipplüftung ist weitgehend wirkungslos, weil durch sie kaum Luft ausgetauscht wird“, heißt es weiter in dem Hygieneplan. Deshalb muss in solchen Fällen einfach länger gelüftet werden.

Am Viscardi-Gymnasium hat man dieses Problem nicht. Die Fenster lassen sich ganz öffnen. „Doch das Lüften klappt nicht immer“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende Inka Pawlow. Das hätten ihr einige Kinder berichtet.

Beschwerden über Kälte im Klassenzimmer habe es hingegen noch nicht gegeben. „Aber ich denke, das kommt noch“, meint Pawlow mit Blick auf die nahende kalte Jahreszeit.

Der stellvertretende Schulleiter Werner Faist will flexibel auf das Kälteempfinden seiner Schüler reagieren. „Wenn ein Schüler sagt, es zieht, dann machen wir das Fenster eben wieder zu.“ Unterstützung beim Lüften bekommen die Lehrer am Viscardi-Gymnasium von den Schülern selbst. „Jede Klasse hat einen Energiebeauftragten, der jetzt auch Lüftungsbeauftragter ist.“

Am Tulpenfeld

Einen solchen Posten gibt es an der FOS und BOS am Fürstenfeldbrucker Tulpenfeld nicht. Doch auch Schulleiterin Monika Pfahler blickt ein wenig bange auf den Winter. Allerdings müsse das Ministerium entscheiden, welche Lüftungsstrategie bei Dauerfrost gefahren werden soll. „Ich habe das nicht in der Hand“, sagt Pfahler. Viele Optionen gebe es allerdings nicht.

Das sieht auch Ismene Kucher von der Germeringer Kirchenschule so. Sie will sich aber mehr Spielraum verschaffen. Man wolle mit der Stadtverwaltung sprechen, um wenigstens ein Fenster pro Klassenzimmer zu bekommen, das sich auch ganz öffnen lässt. Außerdem will die Direktorin testweise CO2-Messgeräte anschaffen, um die Lüftung besser steuern zu können. Das wird sogar vom Kultusministerium gefördert.

Ob ein Austausch von Fenstern noch vor dem Winter möglich ist, ist allerdings fraglich. „Technisch machbar ist es“, sagt Germerings Stadtbaumeister Jürgen Thum. Als Sachaufwandsträger ist die Stadt für dieses Thema verantwortlich. Wie schnell eine solche Maßnahme umgesetzt werden kann, sei aber nicht sicher.

Denn die Stadt müsste einen solchen Auftrag öffentlich ausschreiben. Und dann ist da noch die Frage nach den Kosten. Denn die kommunalen Kassen sind durch die Krise alles andere als gut gefüllt.

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