Die 60-Jährige muss ins Gefängnis.
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Die 60-Jährige muss ins Gefängnis.

Fürstenfeldbruck

Steuerfachangestellte muss in den Knast: Gefängnisstrafe für Millionen-Betrug

Um 2,7 Millionen Euro hat eine Steuerfachangestellte ihren Arbeitgeber, eine Steuerkanzlei und eine von ihr betreute Firma betrogen. Am Brucker Amtsgericht wurde die 60-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Fürstenfeldbruck – Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht kam aber nur ein Teil der Fälle zur Sprache. Verurteilt wurde die 60-Jährige nur für 92 Fälle des Betrugs mit einer Schadenssumme von 1,6 Millionen Euro. Die weiteren Taten waren bereits verjährt.

Seit 1998 war die 60-Jährige in der Kanzlei für die Buchführung zuständig und genoss eigentlich das Vertrauen ihrer Chefs. 2008 aber begann sie zu betrügen. Mit Hilfe eines „ausgeklügelten Systems hat sie Gelder abgezwackt“, fasste die Staatsanwältin zusammen. Ein System, das ihr einen monatlichen Hinzuverdienst von bis zu 30 000 Euro einbrachte. Ein so intelligentes System, dass ihre Betrügereien auch nach zehn Jahren nicht aufgefallen waren. Ihr Chef fiel deshalb aus allen Wolken, als Ende 2018 die Polizei in der Kanzlei auftauchte.

Bank bemerkt dubiose Überweisungen

Einer Brucker Bank waren dubiose Überweisungen auf das Konto der 60-Jährigen aufgefallen. Die Bank hatte daraufhin der Polizei den Verdacht der Geldwäsche gemeldet. Die 60-Jährige räumte angesichts der Beamten sofort sämtliche Vorwürfe ein. Eine schwere Krankheit ihres Ehemannes hatte die Betrügereien ausgelöst. Ihr Ehemann war zeitweise nicht krankenversichert und musste für seine Behandlungen selber aufkommen, wofür aber das Geld fehlte, lautete ihre Erklärung. Sie hatte sich unter anderem als eine der Empfängerinnen für Gehaltszahlungen auf Sammelüberweisungen von einer von der Kanzlei betreuten Firmen gesetzt.

Doch auch nachdem der Ehemann 2013 verstorben war, zweigte sie weiter Geld für sich ab. Warum sie danach immer noch weiter betrogen habe, wollte der Richter von ihr wissen, schließlich sei eines doch klar gewesen: „Irgendwann musste es rauskommen.“ Sie habe überlegt, wie sie den entstandenen Schaden wiedergutmachen könne, erläuterte daraufhin die 60-Jährige.

Allerdings hatte sie daraufhin nicht begonnen, den Schaden auszugleichen, sondern stattdessen immer weiter betrogen. Teils hatte sie sogar noch größere Summen als in den Jahren zuvor kassiert. Mit einem Hauskauf und dem Wertzuwachs daraus habe sie gehofft, die Schulden abbauen zu können, so ihre Erklärung.

Luxuriöses Leben

Doch gleichzeitig finanzierte sie sich ein ein luxuriöses Leben mit dem ergaunerten Geld. Allein an ein einziges Modegeschäft waren 100 000 Euro für den Kauf von Kleidung geflossen, fand ein ermittelnder Polizist heraus. Ein Haus, das sie seit Jahren in der Kreisstadt besaß, wurde aufwendig renoviert. „Ich glaube, sie hat einfach die Kontrolle verloren“, vermutete ihr Rechtsanwalt.

Ihr Verteidiger aber war optimistisch, dass sie den angerichteten Schaden wiedergutmachen kann. Denn die Angeklagte besitzt das Haus in Bruck und ein weiteres Haus im Rohbau. Er machte sich dafür stark, dass seine Mandantin nicht ins Gefängnis muss, plädierte für eine milde Strafe auf Bewährung. Die Staatsanwältin hatte eine vierjährige Freiheitsstrafe beantragt.

Der Richter stellte klar: „Bei 1,6 Millionen kann keine Gesamtstrafe herauskommen, die in Richtung zwei Jahre geht“ und schickte die Frau wegen 92-fachen Betrugs für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Eine Freiheitsstrafe über zwei Jahre kann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.  sus

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